Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair ist dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) beigetreten.
Mit dem Schritt schließt sich der größte europäische Punkt-zu-Punkt-Anbieter dem Dachverband der deutschen Reisewirtschaft an, um gemeinsam gegenüber der Politik für eine Reduzierung staatlich beeinflusster Standortkosten einzutreten. Sowohl Ryanair-Sprecher Marcel Pouchain Meyer als auch BTW-Generalsekretär Sven Liebert verwiesen bei der Bekanntgabe der Mitgliedschaft auf die im europäischen Vergleich schleppende Erholung des deutschen Luftverkehrsmarktes, der im Gesamtaufkommen weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau zurückbleibt.
Die Fluggesellschaft verbindet ihren Beitritt mit der wiederholten Forderung an die deutsche Bundesregierung, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen sowie staatliche Flugsicherungs-, Sicherheits- und Flughafenentgelte zu senken. Ryanair argumentiert, dass hohe Standortabgaben die Rentabilität von Strecken an deutschen Regional- und Großflughäfen belasten und Kapazitäten in Märkte mit niedrigeren Zugangskosten wie Italien, Polen oder Marokko verlagert werden. Der BTW unterstützt diese Stoßrichtung und hebt hervor, dass verteuerte Flugverbindungen sowohl den Incoming-Tourismus als auch den Geschäftsreiseverkehr am Wirtschaftsstandort Deutschland beeinträchtigen.
Luftfahrtanalysten werten den Beitritt zum BTW als Verschiebung in der Verbandspolitik der Airline, die Branchenverbänden in der Vergangenheit meist ferngeblieben war. Durch den Schulterschluss mit der deutschen Tourismuswirtschaft versucht das Unternehmen, den politischen Druck bezüglich der Abgabenstruktur auf Bundes- und Landesebene zu erhöhen. Gleichzeitig steht Ryanair bei Flughafenbetreibern in der Kritik, da die Airline Kapazitätsentscheidungen und Flugangebote sehr kurzfristig an Konditionen koppelt und Entgeltordnungen an kleineren Standorten unter Zugzwang setzt.
Ob die gemeinsame Initiative von BTW und Ryanair zu Anpassungen im Abgabenrecht führt, ist offen. Die Bundesregierung und betroffene Bundesländer stehen vor dem Zielkonflikt zwischen der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sowie der Finanzierung der Flugsicherungs- und Flughafeninfrastruktur einerseits und der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsmarktes andererseits.