Der Linzer Gemeinderat hat am 24. September 2026 den Verkauf des städtischen 50-Prozent-Anteils am Flughafen Linz an das Land Oberösterreich beschlossen. Der vorläufig festgelegte Kaufpreis beträgt 1,325 Millionen Euro, kann sich jedoch im Zuge noch ausstehender Nachberechnungen bis auf einen symbolischen Betrag von einem Euro reduzieren.
Das Land Oberösterreich beabsichtigt, den Anteilskauf über die OÖ Verkehrsholding GmbH abzuwickeln. Die Landesregierung plant die Beschlussfassung für den 28. September 2026, gefolgt von einer Befassung des oberösterreichischen Landtags am 1. Oktober 2026. Nach dem Vollzug des Erwerbs strebt die Landesverwaltung die Abgabe von bis zu 49 Prozent der Anteile an private Investoren an. Die Neuordnung der Eigentümerstruktur erfolgt vor dem Hintergrund anhaltend rückläufiger Passagierzahlen und hoher Investitionsbedarfe bei der Infrastruktur des Regionalflughafens.
Finanzielle Bewertung und Bewertungsverfahren der Unternehmensanteile
Die Festlegung des vorläufigen Kaufpreises basiert auf einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Darin wurde der Liquidationswert der Beteiligung auf einen Korridor zwischen 1,9 Millionen und 3,4 Millionen Euro beziffert. Demgegenüber ergab eine Bewertung nach dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) unter Berücksichtigung künftiger Ertragserwartungen einen negativen Fortführungswert von 17,3 Millionen Euro. Bei Einrechnung öffentlich geförderter Sanierungszuschüsse für die Piste errechnete sich ein negativer Wert von 9,5 Millionen Euro.
In der Beschlussvorlage von Finanzstadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ) wird darauf verwiesen, dass die Fortführung des operativen Fluggastbetriebs durch die Stadt mit Risiken behaftet sei, die mit einer zweckmäßigen Verwendung öffentlicher Mittel derzeit nicht in Einklang gebracht werden können. Der finale Kaufpreis ist an das Ausmaß der notwendigen Altlastensanierung auf dem Flughafengelände gekoppelt. Sollten die Aufwendungen für die Beseitigung von Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) die vorhandenen Rückstellungen nach Abzug von Förderungen übersteigen, reduziert sich der städtische Veräußerungserlös entsprechend. Sollte das Land die Anteile innerhalb von fünf Jahren mit einem höheren Erlös weiterveräußern, stehen der Stadt Nachzahlungen zu.
Investitionsbedarf, Förderungszusagen und Rechnungsprüfungen
Der Flughafen Linz verzeichnet seit Jahren Rückgänge im Fluggastaufkommen. Im ersten Halbjahr 2026 fiel die Zahl der Passagiere um 15,3 Prozent auf 110.627 Personen. Bereits im Jahr 2025 schossen Stadt und Land gemeinsam 8 Millionen Euro zur Verlustabdeckung zu. Für den Zeitraum der nächsten vier Jahre hat das Land Oberösterreich zudem bis zu 36 Millionen Euro für die Absicherung der Linienverbindung nach Frankfurt zugesagt.
Für das Finanzjahr 2027 plant die Landesregierung, dem Flughafen bis zu 5 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen bereitzustellen. Dies soll wahlweise über Gesellschafterzuschüsse, Darlehen oder eine Kapitalerhöhung geschehen. Schätzungen des Landesrechnungshofes deuten darauf hin, dass der Flughafen bis zum Jahr 2035 einen weiteren Mittelbedarf zwischen 27,6 Millionen und 45 Millionen Euro aufweisen wird, exklusive der Ausgaben für die Pisten- und Schadstoffsanierung. Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (beide ÖVP) verweisen demgegenüber auf eine Untersuchung der Johannes Kepler Universität Linz, wonach die Betriebe am Flughafen eine jährliche regionale Wertschöpfung von 129 Millionen Euro generieren und rund 2.234 Arbeitsplätze sichern. Stelzer forderte in diesem Zusammenhang erneut die Abschaffung der Bundes-Luftverkehrsabgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit der Regionalflughäfen zu verbessern.
Politische Debatten und Kritik an der Transparenz der Entscheidungsfindung
Die Gemeinderatssitzung in Linz war von kontroversen Debatten geprägt. Die Mehrheit stimmte dem Verkauf zu, während die Fraktion Linz+ und ein freier Mandatar dagegen votierten. Linz+ bezeichnete den Vorgang als Notverkauf und kritisierte, dass das vollständige KPMG-Gutachten dem Gemeinderat vor der Abstimmung nicht vorgelegt worden sei. Die Fraktion bemängelte das Fehlen verbindlicher Garantien für den Erhalt der Infrastruktur und der Immobilien im Flughafeneigentum nach einem etwaigen Einstieg privater Teilhaber.
Im Oberösterreichischen Landtag kündigten die Grünen eine mündliche Anfrage an. Klubobmann Severin Mayr bezeichnete die Übernahme als unkalkulierbares Risiko für Steuergelder und warf der Landesregierung mangelnde Informationsbereitschaft vor. Wichtige Kennzahlen zur künftigen Ertragslage und zu den exakten Sanierungskosten seien den Abgeordneten bislang enthalten worden. Die Entscheidung im Landtag am 1. Oktober 2026 wird die Weichen stellen, ob das Land Oberösterreich als alleiniger Eigentümer die Ausschreibung für private Teilhaber einleitet.