Die US-amerikanische Fluggesellschaft Alaska Airlines rechnet mit der Zertifizierung des Passagierflugzeugs Boeing 737 Max 10 durch die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) bis Ende September 2026. Wie der Vorstandsbetriebsleiter der Fluggesellschaft, Jason Berry, mitteilte, plant das Unternehmen den ersten kommerziellen Einsatz des Flugzeugtyps im Zeitraum zwischen April und Mitte Mai 2027.
Die Auslieferung der ersten Maschine wird für das Frühjahr 2027 erwartet. Der Flugzeugbauer Boeing bestätigte den fortgeschrittenen Stand des Genehmigungsverfahrens und verwies auf eine enge Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden. Für Alaska Airlines stellt das Modell ein zentrales Element bei der Modernisierung der Kurz- und Mittelstreckenflotte dar. Durch die erhebliche Verzögerung im Zulassungsverfahren liegt der Zeitplan für den Ersteinsatz der Maschinen jedoch Jahre hinter den ursprünglichen Planungen des Herstellers und der Käuferairlines.
Verzögerungen im Zertifizierungsverfahren und Zeitplan des Herstellers
Die Entwicklung der Boeing 737 Max 10, der größten Variante der 737-Produktfamilie, war von mehrjährigen Verzögerungen geprägt. Der Erstflug des Modells fand am 18. Juni 2021 statt. Ursprünglich sollten die ersten Auslieferungen an Kunden deutlich früher erfolgen. Strengetere gesetzliche Auflagen für Cockpit-Warnsysteme sowie intensive Prüfungen der Steuerungs- und Dokumentationsprozesse durch die FAA führten jedoch zu wiederholten Verschiebungen des Zulassungstermins.
Der Vorstandsvorsitzende von Boeing, Kelly Ortberg, erklärte Mitte September 2026, dass der Zulassungsprozess kurz vor dem Abschluss stehe. Die FAA prüft dabei unter anderem die Systemarchitektur und die Sicherheitsvorkehrungen der Kabine. Die mehrjährige Verzögerung zwingt zahlreiche Fluggesellschaften weltweit dazu, ihre Kapazitätsplanungen anzupassen und ältere Flugzeugmuster länger im Liniendienst zu belassen als ursprünglich vorgesehen.
Rolle der Variante Max 10 innerhalb der Flotte von Alaska Airlines
Im Januar 2026 schloss Alaska Airlines eine Vereinbarung über die Abnahme von 105 Flugzeugen des Typs 737 Max 10 sowie fünf Langstreckenmaschinen des Typs Boeing 787 ab. Der Vertrag beinhaltet zudem Optionen für den Erwerb von bis zu 35 weiteren Einheiten der Max 10, deren Auslieferung sich über einen Zeitraum bis zum Jahr 2035 erstrecken könnte. Dies stellt die umfangreichste Flugzeugbestellung in der Geschichte der Fluggesellschaft dar.
Das Muster Max 10 bietet je nach Kabinenkonfiguration Platz für bis zu 230 Passagiere. Alaska Airlines beabsichtigt, das Flugzeug sowohl zur Kapazitätserweiterung auf stark nachgefragten Strecken als auch für den schrittweisen Ersatz älterer Modelle der 737-Baureihe einzusetzen. Die Fluggesellschaft betreibt bereits Maschinen der kleineren Varianten Max 8 und Max 9. Um Risiken bei erneuten Verzögerungen im Zertifizierungsprozess zu minimieren, behält sich die Fluglinie vertraglich die Möglichkeit vor, Bestellungen der Max 10 bei Bedarf in andere Varianten der 737-Familie umzuwandeln.
Wirtschaftliche Implikationen für Fluggesellschaften und Hersteller
Die Einführung der Großraum-Narrowbody-Maschinen erfolgt in einem Marktumfeld, das von hoher Nachfrage nach Sitzplatzkapazitäten auf Verbindungen zwischen stark frequentierten Flughäfen geprägt ist. Fluggesellschaften setzen auf größere Flugzeugtypen innerhalb der Schmalrumpfklasse, um die Anzahl der Passagiere pro Flugbewegung zu erhöhen, ohne zusätzliche Start- und Landerechte (Slots) an überlasteten Drehkreuzen zu benötigen.
Für den Hersteller Boeing ist die fristgerechte Erteilung der Musterzulassung durch die FAA von hoher Bedeutung, um ausstehende Auslieferungen abzuwickeln und den aufgelaufenen Auftragsbestand abzuarbeiten. Die künftige Zuverlässigkeit des Fluggeräts im täglichen Liniendienst bei Erstkunden wie Alaska Airlines wird von der Luftfahrtbranche aufmerksam beobachtet werden, um die betriebliche Effizienz des Musters im Vergleich zu Konkurrenzmodellen wie dem Airbus A321neo zu bewerten.