Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).
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Untersuchung der Flugunfallbehörde zu einem Treibstoffnotfall nach mehrfachen Landeabbrüchen

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Die britische Flugunfalluntersuchungsbehörde Air Accidents Investigation Branch (AAIB) hat ihren Untersuchungsbericht zu einem schwerwiegenden Zwischenfall im britischen Luftraum veröffentlicht.

Am 3. Oktober 2025 musste ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Ryanair auf dem Flug von Pisa nach Glasgow aufgrund extremer Wetterbedingungen drei Landeversuche an zwei verschiedenen schottischen Flughäfen abbrechen. Nach einer Flugzeitverlängerung von fast zwei Stunden landete die Boeing 737-800 schließlich mit einer Resttreibstoffmenge von lediglich 363 Kilogramm auf dem Flughafen Manchester. Der Bericht der Ermittlungsbehörde deckt erhebliche Koordinationsfehler zwischen der Flugsicherung und den Abfertigungsdiensten am Flughafen Manchester auf, die dazu führten, dass dem Flugzeug eine frühzeitige Ausweichlandung verwehrt wurde.

Wetterbedingte Landeabbrüche und Treibstoffplanung in Glasgow

Der Flug Ryanair 3418 startete am 3. Oktober 2025 am Flughafen Pisa mit dem Ziel Glasgow. Aufgrund von Wetterwarnungen vor dem Sturmtief Amy hatte der verantwortliche Luftfahrzeugführer vor dem Start in Italien vorsorglich eine zusätzliche Treibstoffmenge von 1.322 Kilogramm Kerosin getankt. Die Gesamttreibstoffmenge an Bord belief sich beim Abflug auf 11.500 Kilogramm, wovon 1.937 Kilogramm als reine Reserve vorgesehen waren. Diese Extramenge erhöhte die rechnerische Flugzeit um etwa 1 Stunde und 12 Minuten.

Beim ersten Anflug auf den Flughafen Glasgow traten in Bodennähe schwere Windschscherungen auf. Das automatische Scherwind-Warnsystem im Cockpit löste aus, woraufhin die Besatzung den Landeanflug abbrach. Die Piloten teilten der örtlichen Flugverkehrskontrolle mit, dass sie bei einem weiteren Fehlanflug direkt den Flughafen Manchester als Ausweichflughafen ansteuern würden. Nachdem auch der zweite Anflugversuch auf Glasgow aufgrund der extremen Windböen gescheitert war, leitete die Besatzung den Flug nach Manchester ein.

Abweisung des Ausweichflugs und Notlagerklärung über Schottland

Bei der ersten Kontaktaufnahme mit der Flugverkehrskontrolle zur Ausweichlandung in Manchester wurde dem Flug Ryanair 3418 die Landegenehmigung ohne nähere Begründung verweigert. Daraufhin entschied die Besatzung, den näher gelegenen Flughafen Edinburgh anzusteuern. Auch dort herrschten jedoch schwierige Wetterverhältnisse, sodass ein dritter Landeversuch aufgrund von Scherwinden erneut abgebrochen werden musste.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Flugzeug in einer kritischen Treibstoffsituation. Die Flugmanagementsysteme berechneten für einen Weiterflug nach Manchester einen Mindestverbrauch von 2.800 Kilogramm Treibstoff, während der verbleibende Inhalt der Tanks nur noch etwa 2.100 Liter aufwies. Die Besatzung erklärte daraufhin den internationalen Luftnotfall über das Notsignal Mayday, was ihnen den Vorrang im Luftraum und die sofortige Freigabe für den Flug nach Manchester sicherte. Der Bordcomputer prognostizierte bei der Landung eine verbleibende Restmenge von 300 Kilogramm, was deutlich unter der gesetzlich vorgeschriebenen Reservemenge lag.

Ergebnisse der Ermittlungen zu den Kommunikationsabläufen in Manchester

Die Untersuchungen der AAIB ergaben, dass die Wetterbedingungen am Flughafen Manchester zum Einsatzzeitpunkt stabil waren und Ryanair dort über eine operative Basis mit entsprechenden Kapazitäten verfügte. Der Grund für die anfängliche Ablehnung der Ausweichlandung lag in organisatorischen Versäumnissen am Boden. Ein Abfertigungsdienstleister am Flughafen Manchester hatte gegenüber der Flugbetriebsleitung erklärt, aus kapazitären Gründen keine zusätzlichen Ausweichflüge betreuen zu können. Der zuständige Fluglotse übernahm diese Einschätzung und wies das Flugzeug ab, ohne die Piloten über die Hintergründe zu informieren.

Die AAIB stellte fest, dass die Befugnis zur Ablehnung von Ausweichlandungen nicht bei privaten Abfertigungsagenturen liegt. Der Flughafen Manchester reagierte auf die Ermittlungsergebnisse und stellte gegenüber allen beteiligten Stellen klar, dass Ausweichlandungen grundsätzlich anzunehmen sind, sofern die bauliche und luftfahrttechnische Infrastruktur des Flughafens dies zulässt.

Sicherheitsrelevante Konsequenzen für den Flugbetrieb

Etwa 1 Stunde und 45 Minuten nach dem ersten abgebrochenen Landeversuch in Glasgow setzte die Boeing 737-800 sicher auf der Landebahn in Manchester auf. Bei der anschließenden Überprüfung der Tankanlage wurden noch 363 Kilogramm Kerosin festgestellt. Der Vorfall unterstreicht die Bedeutung einer lückenlosen Kommunikation zwischen Flugsicherung, Flughafenleitung und Bodenabfertigungsdiensten in Notsituationen. Die Ergebnisse der Untersuchung führten zu Anpassungen der Verfahrensprotokolle an britischen Verkehrsflughäfen, um sicherzustellen, dass Entscheidungen über die Annahme von Ausweichflügen ausschließlich auf der Grundlage der tatsächlichen betrieblichen Kapazitäten getroffen werden.

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