Die deutsche Luftwaffe führt vom 5. bis 9. Oktober 2026 die Übung „Dispersed Operations 2026 Nürnberg“ auf dem zivilen Albrecht Dürer Flughafen Nürnberg durch.
Im Rahmen der Manöver nutzen Einheiten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg an der Donau mit vier Kampfjets vom Typ Eurofighter die zivile Infrastruktur des ostfränkischen Verkehrsflughafens. Ziel des Manövers ist das Training von Flugbetriebsverfahren außerhalb militärischer Fliegerhorste, um die Einsatzfähigkeit bei Einschränkungen der regulären Militärbasen zu erproben.
Das Übungskonzept basiert auf den Prinzipien des sogenannten „Agile Combat Employment“ (ACE). Hierbei wird die Verlegung von Fluggeräten und Bodenpersonal auf ausweichfähige zivile Verkehrsflughäfen simuliert, um Streitkräfte flexibler und schwerer kalkulierbar zu machen. Während der fünftägigen Trainingsphase stehen An- und Abflüge, Betankungsvorgänge am Boden sowie die Absicherung der militärischen Systeme in Abstimmung mit der zivilen Flugsicherung und dem Flughafenbetreiber im Mittelpunkt. Der reguläre Passagier- und Frachtverkehr soll dabei weitgehend ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Die Einbindung ziviler Luftverkehrsknotenpunkte in militärische Übungsszenarien hat in den vergangenen Jahren im Rahmen der NATO-Bündnisverteidigung an Bedeutung gewonnen. Verkehrsflughäfen wie Nürnberg bieten durch vorhandene Landebahnen, Treibstofflager und Abfertigungskapazitäten die notwendige Logistik für Ausweichoperationen. Ähnliche Manöver wurden bereits an anderen deutschen Regional- und Verkehrsflughäfen erprobt, um Schnittstellen zwischen zivilen Betreibern und den Streitkräften im Vorfeld abzustimmen.
Kritiker und Anwohnervereinigungen verweisen jedoch auf die mit den Tiefflügen und Schnellstarts von Kampfjets verbundenen Lärmemissionen im dicht besiedelten Ballungsraum Nürnberg. Zivile Luftfahrtverbände betonen zudem, dass die Integration militärischer Trainingsflüge in den dicht gestaffelten zivilen Luftraum eine präzise zeitliche Koordination erfordert, um Verzögerungen im zivilen Linienflugbetrieb zu vermeiden.