Innerhalb des Managements der Deutschen Lufthansa AG ist eine Debatte über die Ausrichtung der neuen Konzernstruktur entbrannt.
Neun Monate nach der Einführung des Restrukturierungsprogramms „Matrix Next Level“, das die zentrale Steuerung von Kapazitäten, Streckennetzen und Vertrieb der Kernmarken vorsieht, gehen die Auffassungen im Führungszirkel weit auseinander. Während ein Teil des Managements den eingeschlagenen Kurs als zu weitgehend kritisiert, fordern andere Führungskräfte eine noch konsequentere Bündelung der Entscheidungsbefugnisse.
Im Zentrum der internen Auseinandersetzungen steht das Projekt „Nexus“. Dabei prüft der Konzern eine gemeinsame Organisation operativer Aufgaben – wie etwa die Einsatzplanung des fliegenden Personals – für Lufthansa Classic, Lufthansa City Airlines und Discover Airlines. Kritiker warnen davor, dass kostengünstigere Töchter wie City Airlines und Discover durch die Integration in zentrale Prozesse ihre Flexibilität und Kostenvorteile einbüßen könnten. Auf der anderen Seite stoßen weitergehende Zentralisierungspläne insbesondere bei Tochtergesellschaften wie der Schweizer Swiss auf Widerstand gegen eine Beschneidung regionaler Steuerungskompetenzen.
Der Reformdruck wird durch die anhaltend schwache Ertragslage der Passagierbeförderung der Kernmarke verstärkt. Das operative Ergebnis der Kerngesellschaft Lufthansa Airlines rutschte im ersten Halbjahr infolge von Arbeitskämpfen, gestiegenen Standortkosten und hoher Treibstoffpreise mit minus 480 Millionen Euro deutlich in die Verlustzone. Aufsichtsratschef Johannes Teyssen bezeichnete die Hauptmarke intern als größtes Sorgenkind des Konzerns und stellte fest, dass das Sanierungsprogramm „Turnaround“ bislang noch nicht die erhoffte finanzielle Wirkung gezeigt hat.
Analysten betonen, dass die Lufthansa vor dem schwierigen Spagat steht, einerseits die Kostenstrukturen der Hauptmarke drastisch zu senken und andererseits die Tarif- und Betriebsstrukturen der verschiedenen Tochtergesellschaften abzugrenzen. Die Komplexität von parallel betriebenen Flugbetrieben mit unterschiedlichen Tarifverträgen erschwert die Durchsetzung von Effizienzgewinnen, während der Konkurrenzdruck durch europäische Billigflieger und internationale Netzwerkträger auf den Hauptstrecken hoch bleibt.