Der irische Billigflieger Ryanair verzichtet trotz gestiegener Kerosinpreise auf die Einführung gesonderter Treibstoffzuschläge auf den Ticketpreis. Konzernchef Michael O’Leary kündigte an, die zusätzlichen Belastungen im laufenden Betrieb auffangen zu wollen.
Als direkte Konsequenz aus den erhöhten Treibstoffkosten korrigierte das Unternehmen jedoch seine globale Wachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2027 leicht nach unten: Statt der ursprünglich angepeilten 216 Millionen Passagiere rechnet die Fluggesellschaft nun mit einem Passagieraufkommen von etwa 214 Millionen Fluggästen.
Nach Unternehmensangaben wird der Preisanstieg beim Kerosin aktuell noch zu großen Teilen durch Finanzinstrumente zur Treibstoffpreisabsicherung abgefedert. Für die gesamte europäische Luftfahrtbranche erwartet die Unternehmensführung im Sommer 2027 hingegen spürbare Preisanpassungen. O’Leary prognostiziert bei Konkurrenzanbietern Preisaufschläge auf Flugscheine im Bereich von zehn bis zwanzig Prozent, da viele Fluggesellschaften Kostensteigerungen bei Treibstoffen, Flughafengebühren und Flugsicherungsentgelten direkt an die Passagiere weiterreichen müssen.
Die erwarteten Preissteigerungen könnten nach Einschätzung der Ryanair-Führung den Konsolidierungsdruck im europäischen Luftverkehr weiter verstärken. Der Konzern rechnet mit marktbedingten Kapazitätsreduzierungen sowie vereinzelten Insolvenzen von finanziell schwächer aufgestellten Anbietern. Vor diesem Hintergrund führt die Fluggesellschaft bereits Gespräche mit verschiedenen europäischen Verkehrsflughäfen, um frei werdende Start- und Landerechte sowie Abfertigungskapazitäten bei möglichen Marktaustritten von Wettbewerbern zu übernehmen.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Ankündigung von Preisstabilität im Rahmen der Marketingstrategie von Billigfluggesellschaften zu sehen ist. Zwar sichern langfristige Absicherungsgeschäfte temporäre Kostenvorteile, jedoch treffen gestiegene operative Standortkosten an deutschen und europäischen Flughäfen auch die Low-Cost-Anbieter. Sollte das Kerosinpreisniveau dauerhaft hoch bleiben, wird sich zeigen müssen, ob Tarifstrukturen im untersten Preissegment ohne Anpassung der Grundpreise aufrechterhalten werden können.