Die staatlichen Eisenbahnunternehmen Trenitalia, Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) und Deutsche Bahn (DB) haben auf der Fachmesse Innotrans in Berlin eine Vereinbarung zur Einrichtung neuer grenzüberschreitender Hochgeschwindigkeitsverbindungen bekannt gegeben.
Ab Sommer 2027 sollen täglich Züge des Typs Frecciarossa der italienischen Staatsbahn auf der Route von München über Innsbruck nach Mailand sowie nach Rom verkehren. Die Fahrzeit für die rund 600 Kilometer lange Strecke nach Mailand ist mit etwa sechseinhalb Stunden angesetzt, während die Verbindung in die italienische Hauptstadt Rom rund achteinhalb Stunden in Anspruch nehmen wird.
Die streckenbezogene Planung sieht Zwischenhalte in Bozen, Trient, Rovereto, Verona sowie je nach Routenverlauf in Brescia beziehungsweise Bologna und Florenz vor. In einem zweiten Ausbauschritt ab Dezember 2028 beabsichtigen die Kooperationspartner eine Verlängerung der Zugläufe im Nord-Süd-Korridor: Im Norden soll der Start- und Endpunkt nach Berlin verlegt werden, während im Süden eine Anbindung bis nach Neapel angestrebt wird. Das Angebot ist als offizielles Pilotprojekt der Europäischen Union zur Förderung des grenzüberschreitenden Schienenpersonenfernverkehrs eingestuft.
Für die italienische Trenitalia stellt der Markteintritt in Deutschland und Österreich eine Fortführung ihrer europäischen Wachstumsstrategie dar. Die Bahngesellschaft betreibt den Frecciarossa bereits im internationalen Verkehr in Frankreich und Spanien. Die technische Umsetzung des Vorhabens erfordert jedoch noch die Mehrsystem-Zulassung der Frecciarossa-Triebzüge des Typs Hitachi ETR 1000 für das deutsche und österreichische Strom- und Zugsicherungssystem (ETCS) sowie die Bereitstellung entsprechender Trassenkapazitäten auf den stark frequentierten Zulaufstrecken zum Brenner.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Fahrzeiten und die Betriebsstabilität der neuen Züge maßgeblich vom Fortschritt der Infrastrukturprojekte abhängen. Die im Nadelöhr über den Brennerpass auftretenden eingleisigen Abschnitte und Baustellen führen im bestehenden Eurocity-Verkehr regelmäßig zu Verspätungen. Erst mit der geplanten Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels in den 2030er Jahren dürfte eine spürbare Kapazitätserweiterung und Trassenbeschleunigung auf dieser Hauptachse des europäischen Eisenbahnverkehrs realisiert werden.