Die US-amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA hat die finale Zulassung für das Passagierflugzeug des Typs Boeing 737 Max 10 vorerst ausgesetzt. Wie FAA-Administrator Bryan Bedford am 28. September 2026 mitteilte, ist der Grund für diesen Schritt ein unlängst bekannt gewordenes Softwareproblem, das die automatische Flugführung betrifft.
Die Aufsichtsbehörde verlangt eine umfassende Überprüfung und Behebung des Mangels, bevor das größte Modell der Max-Baureihe für den kommerziellen Liniendienst freigegeben wird. Dieser Beschluss bedeutet einen erneuten zeitlichen Rückschlag für den US-amerikanischen Flugzeugbauer, der noch Mitte September 2026 von einer bevorstehenden Zulassung ausgegangen war, und betrifft auch die Lieferpläne internationaler Fluggesellschaften.
Hintergrund des Softwarefehlers und technische Details
Der Softwarefehler betrifft ein System der automatischen Flugführung bei bestimmten Landeszenarien. Unter spezifischen Bedingungen im Anflug kann es dazu kommen, dass den Piloten die automatisierte Orientierungs- und Steuerungsunterstützung nicht mehr vollumfänglich zur Verfügung steht. Boeing hatte die Behörden und Betreiber am 26. September 2026 über das Problem informiert und erklärt, dass an einem entsprechenden Update gearbeitet werde. Der Zulieferer der betroffenen Softwarekomponente ist das US-Unternehmen GE Aerospace.
Nach Aussagen von FAA-Administrator Bedford behalten die Piloten auch beim Auftreten des Fehlers die volle manuelle Kontrolle über das Flugzeug. Dennoch veranlasste die Aufsichtsbehörde die Einberufung eines Gremiums zur Überprüfung von Korrekturmaßnahmen (Corrective Action Review Board). Bedford betonte, dass die Freigabe der Max 10 so lange ausgesetzt bleibt, bis eine einwandfreie Funktion des Systems nachgewiesen ist. Einen genauen Zeitrahmen für die Bereitstellung und Prüfung der korrigierten Software nannte die Behörde nicht, schloss jedoch einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten nicht aus.
Auswirkungen auf Fluggesellschaften und Lieferketten
Die Entscheidung der Aufsichtsbehörde trifft den Hersteller kurz nach optimistischen Äußerungen der Unternehmensleitung. Am 16. September 2026 hatte der Vorstandsvorsitzende von Boeing, Kelly Ortberg, auf einer Investor-Konferenz erklärt, dass die Testflüge für die Max 10 abgeschlossen seien und man gemeinsam mit der FAA an den letzten administrativen Dokumenten arbeite. Erst im August 2026 hatte die kleinere Variante 737 Max 7 die Zulassung der FAA erhalten, nachdem technische Anpassungen am Enteisungssystem der Triebwerke und an den Warnsystemen für die Besatzung vorgenommen worden waren.
Die Verzögerung hat direkte Auswirkungen auf Großkunden des Flugzeugmusters. Die US-Fluggesellschaft Alaska Airlines hatte ursprünglich mit einer Zertifizierung bis Ende September 2026 gerechnet und plant die Übernahme der ersten Maschinen für das Frühjahr 2027. United Airlines teilte mit, dass derzeit keine Flugzeuge mit der betroffenen Softwareversion abgenommen werden. Die kanadische WestJet betreibt zwar bereits Maschinen mit dieser Software im Liniendienst, meldete jedoch bisher keine Zwischenfälle und verwies auf bestehende Betriebsanweisungen und Schulungen der Besatzungen für solche Abweichungen. Boeing kündigte an, eng mit der FAA zusammenzuarbeiten, um die Anforderungen der Behörde im Zertifizierungsprozess vollständig zu erfüllen.