Ein Langstreckenflug der US-amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines von Barcelona nach Boston musste am Sonntag nach einer plötzlichen Rauchentwicklung in der Passagierkabine über dem Atlantischen Ozean abgebrochen werden. Die Piloten des Airbus A330-300 erklärten eine Luftnotlage und steuerten den nächstgelegenen Ausweichflughafen im portugiesischen Porto an.
An Bord befanden sich 283 Passagiere und 13 Besatzungsmitglieder. Nach der sicheren Landung auf dem Flughafen Francisco Sá Carneiro wurden mehrere Personen medizinisch erstversorgt, drei Passagiere mussten zur weiteren Behandlung in ein örtliches Krankenhaus gebracht werden. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse mit Geruchs- und Rauchbelastungen in Verkehrsflugzeugen ein, die in der Luftfahrtbranche unter dem Begriff Fume Events diskutiert werden.
Ablauf des Zwischenfalls und Notlandung in Portugal
Flug DL251 startete am Sonntagnachmittag um 15:11 Uhr Ortszeit vom Flughafen Josep Tarradellas Barcelona-El Prat mit Ziel Boston Logan International Airport. Kurze Zeit nach dem Überfliegen der spanischen Nordküste und dem Einflug in den Luftraum über dem Atlantik bemerkte die Besatzung eine unübliche Rauch- und Geruchsentwicklung in der Kabine. Die Piloten setzten daraufhin den internationalen Notfallcode (Squawk 7700) ab und leiteten eine umgehende Kursänderung in Richtung des portugiesischen Festlands ein.
Aus aufgezeichneten Funkgesprächen mit der Flugverkehrskontrolle geht hervor, dass fast ein Dutzend Passagiere Symptome wie Atembeschwerden und Übelkeit aufwiesen. Zwei Flugbegleiterinnen mussten während des Sinkflugs zusätzlichen Sauerstoff aus mobilen Schutzgeräten in Anspruch nehmen. Die Maschine landete um 17:45 Uhr Ortszeit sicher auf dem Flughafen Porto. Nach dem Rollen auf die Parkposition untersuchten Rettungskräfte und Vertreter der portugiesischen Zivilschutzbehörde die Insassen. Während acht Passagiere nach einer ambulanten Kontrolle am Flughafen verbleiben konnten, wurden drei Personen zur weiteren Beobachtung in eine Klinik eingeliefert. Delta Air Lines bat in einer Stellungnahme die betroffenen Passagiere um Entschuldigung und begründete die Diversion pauschal mit einem mechanischen Problem, ohne detaillierte technische Angaben zu machen.
Technische Hintergründe und die Funktionsweise des Zapfluftsystems
Bei dem involvierten Flugzeug handelt es sich um einen im Jahr 2015 gebauten Airbus A330-300 mit dem Kennzeichen N824NW, der von zwei Triebwerken des Typs General Electric CF6-80 angetrieben wird. Dieser Triebwerkstyp kommt seit Jahrzehnten auf zahlreichen Großraumflugzeugen verschiedener Hersteller wie Airbus, Boeing und McDonnell Douglas zum Einsatz.
In modernen Verkehrsflugzeugen wird die Atemluft für die Kabine sowie die Druckhaltung über das sogenannte Zapfluftsystem (Bleed Air System) bereitgestellt. Hierbei wird heiße verdichtete Luft direkt aus den Verdichterstufen der Jet-Triebwerke abgezapft, gekühlt und in das Klimatisierungssystem der Kabine geleitet. Kommt es im Triebwerk zu einer Beschädigung der Dichtungen – beispielsweise der Kohledichtungen an den Lagergehäusen –, kann Triebwerksöl in den heißen Luftstrom gelangen. Durch die hohen Temperaturen verdampft das Öl und bildet Dämpfe oder Rauch, die ungefiltert über die Lüftungsschlitze in das Cockpit und den Passagierraum geblasen werden. Da die Besatzung während des Fluges die Toxizität der auftretenden Dämpfe nicht sofort bestimmen kann, schreiben die Sicherheitsvorschriften im Zweifel das unverzügliche Ansteuern des nächstgelegenen Flughafens vor.
Zunahme von Vorfällen mit Kabinenluft und juristische Aufarbeitung
Zustands- und Geruchsbeeinträchtigungen der Atemluft, in der Fachsprache als Fume Events bezeichnet, beschäftigen Aufsichtsbehörden, Fluggesellschaften und Personalvertretungen seit Jahren. Allein in den vergangenen Wochen kam es zu vergleichbaren Vorkommnissen auf internationalen Flügen. So musste ein Airbus A330neo von Delta Air Lines auf dem Weg von Boston nach London wegen eines undefinierbaren Geruchs umkehren. Wenige Tage zuvor wich ein Airbus A330-300 der Fluggesellschaft Swiss auf dem Flug von Zürich nach New York nach Bangor im US-Bundesstaat Maine aus, nachdem sich der Passagierbereich der Business-Klasse mit Rauch gefüllt hatte.
Gewerkschaften von Flugbegleitern weisen seit langem auf potenzielle gesundheitliche Risiken durch kontaminierte Kabinenluft hin. Im April 2025 reichte eine Flugbegleiterin von United Airlines eine Schadenersatzklage gegen den Flugzeugbauer Airbus ein, in der sie gesundheitliche Folgeschäden durch giftige Dämpfe an Bord einer A320 geltend machte; die Klage wurde jedoch gerichtlich abgewiesen. Eine Studie der US-Luftfahrtbehörde FAA ergab, dass offiziell gemeldete Fume Events statistisch bei weniger als 33 von einer Million Flügen auftreten. Verbraucherschutz- und Mitarbeiterorganisationen fordern dennoch seit Jahren den Einbau von Filtern oder den Übergang zu zapfluftfreien Klimatisierungssystemen, wie sie etwa bei der Boeing 787 zum Einsatz kommen.