Henderson Air Field (Foto: Forest & Kim Starr stitched by Marku1988).
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Mögliche Schließung des Ausweichflughafens auf dem Midway-Atoll bedroht Flugrouten über dem Pazifik

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Der abgelegene Flughafen Henderson Field auf dem Midway-Atoll im zentralen Pazifik steht vor ungewissen Zukunftsaussichten. Obwohl der Flugplatz seit dem Jahr 2002 nicht mehr von regulären Passagierflügen im Linienverkehr angeflogen wird, erfüllt die Infrastruktur eine zentrale Sicherheitsfunktion für den zivilen Luftverkehr zwischen Nordamerika, Hawaii und Ostasien.

Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) prüft derzeit den künftigen Betrieb der Anlage, da für den Erhalt der Nutzbarkeit Investitionen von über 100 Millionen US-Dollar erforderlich sind. Mehrere internationale Fluggesellschaften sowie Flugzeughersteller haben sich in Stellungsnahmen an die Behörde gewandt und warnen vor den betrieblichen und finanziellen Folgen einer Schließung oder Herabstufung des Platzes.

Bedeutung der ETOPS-Regelungen für Transpazifikflüge

Für zweistrahlige Passagierflugzeuge auf Transpazifikrouten gelten strenge Sicherheitsauflagen im Rahmen der ETOPS-Kriterien (Extended-range Twin-engine Operational Performance Standards). Diese Vorschriften schreiben vor, dass sich Flugzeuge auf ihrer Route zu jedem Zeitpunkt innerhalb einer festgelegten Flugzeit zu einem geeigneten Ausweichflughafen befinden müssen, falls ein Triebwerk ausfällt oder ein anderer technischer Notfall eintritt. Henderson Field stellt in einer ansonsten weitgehend inselfreien Region des Ozeans die einzige Landemöglichkeit im Umkreis von mehreren tausend Kilometern dar.

Die Landebahn 06/24 weist eine Länge von 2.377 Metern auf und bietet damit auch für Großraumflugzeuge wie die Boeing 777, die Boeing 787 oder den Airbus A330 ausreichende Ausmaße für Notlandungen. Die japanische Fluggesellschaft Zipair, die Routen von Tokio zu US-Westküstenmetropolen wie Los Angeles, San Francisco und San Jose bedient, wies in ihrer Eingabe an die FAA darauf hin, dass Henderson Field insbesondere während der Sommermonate eine unverzichtbare Komponente in der Flugplanung darstellt. Auch für Japan Airlines bildet der Flugplatz den primären Ausweichflughafen für Verbindungen nach Honolulu.

Sanierungsbedarf und finanzielle Lücke bei der Infrastruktur

Nach Angaben des US-Verkehrsministeriums (DOT) befinden sich die Start- und Landebahn sowie die Küstenschutzbauten des Atolls in einem fortgeschrittenen Verschleißzustand. Das Ministerium geht davon aus, dass die Landebahn ohne grundlegende Instandsetzung innerhalb der nächsten fünf Jahre einen kritischen Abnutzungsgrad erreichen wird. Zu den erforderlichen Arbeiten gehören das Abfräsen und Neuasphaltieren der Bahnoberfläche sowie die Reparatur der Seemauern, die das Areal vor Erosion durch den Ozean schützen.

Die Finanzierung des laufenden Minimalbetriebs reicht für diese Investitionen nicht aus. Derzeit erhält der Flugplatz jährlich etwa 2,5 Millionen US-Dollar aus dem Airport Improvement Program der FAA. Weitere 2,6 Millionen US-Dollar beisteuert der U.S. Fish and Wildlife Service, der das Atoll als Naturschutzgebiet verwaltet. Auf dem Areal leben dauerhaft rund 40 Personen, die für den Erhalt der Infrastruktur und die Versorgung per Charterflug angewiesen sind. Die bestehende jährliche Budgetierung von rund 5,1 Millionen US-Dollar deckt jedoch nur die laufende Instandhaltung ab, während der geschätzte Sanierungsbedarf von über 100 Millionen US-Dollar ungedeckt ist.

Kostensteigerungen und operative Hürden für Fluggesellschaften

Sollte Henderson Field seine Zertifizierung als ETOPS-Ausweichflughafen verlieren, müssten Fluggesellschaften ihre Routenführung über dem Pazifik anpassen. Flugzeuge müssten in diesem Szenario längere Flugwege entlang von Küstenlinien oder südlicheren Inselketten wählen, um stets in Reichweite alternativer Pisten zu bleiben. Dies würde den Treibstoffverbrauch erhöhen und die Gesamtflugzeiten verlängern.

Der Flugzeugbauer Boeing schätzte in einem Schreiben an die FAA vom 4. September 2026, dass allein zwischen Tokio und Honolulu jährlich bis zu 3.600 Passagierflüge je Richtung durchgeführt werden, die auf die Verfügbarkeit von Midway angewiesen sind. Auch die australische Qantas betonte die Bedeutung des Standorts im Hinblick auf geplante Langstreckenverbindungen. Nach Berechnungen der Fluggesellschaft würde der Wegfall von Midway auf einer Route wie Sydney–London über den Pazifik zu einer Flugzeitverlängerung von etwa 20 Minuten führen. Der Mehrverbrauch an Kerosin läge bei rund 2.200 Kilogramm pro Flug, was aufgrund des zusätzlichen Treibstoffgewichts eine Reduzierung der Passagierkapazität um etwa 22 Sitzplätze nach sich ziehen würde. Die Fluggesellschaften weisen darauf hin, dass diese Mehrkosten letztlich über höhere Ticketpreise an die Passagiere weitergegeben werden müssten.

Historische Zwischenfälle und seltene Zivillandungen

Obwohl seit der Einstellung des Liniendienstes im Jahr 2002 nur wenige zivile Flugzeuge auf Midway landen, hat der Platz in der Vergangenheit mehrfach seine Funktion als Sicherheitsnetz unter Beweis gestellt. Im September 2021 landete ein Airbus A330 der Hawaiian Airlines auf dem Flug von Seoul nach Honolulu aufgrund eines Öldruckproblems unplanmäßig auf dem Atoll. Zwischen 2011 und 2021 wurden mindestens zwei weitere Notlandungen von Großraumflugzeugen verzeichnet: Im Jahr 2011 wich eine Boeing 747-400 der Delta Air Lines nach Midway aus, und im Jahr 2014 landete eine Boeing 777 der United Airlines mit mehr als 300 Passagieren an Bord auf der Insel.

Die FAA hat die Frist für Stellungnahmen im Rahmen ihrer Überprüfung bis zum 22. September 2026 verlängert, um weiteren Branchenvertretern die Möglichkeit zu einer Folgenabschätzung zu geben. Die Entscheidung der US-Behörden über die Bewilligung des Sanierungspakets wird darüber entscheiden, ob die Infrastruktur mitten im Pazifik als Ausweichoption für die zivile Luftfahrt erhalten bleibt.

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