Der Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen erwägt den Ausstieg aus dem Airline-Geschäft. Wie das Fachmedium FVW berichtet, stehen die Mehrheitsbeteiligungen an der deutschen Ferienfluggesellschaft Sundair sowie der kroatischen Tochtergesellschaft Fly Air 41 zur Disposition.
Ein Verkaufs- beziehungsweise Bewertungsprozess wird bereits seit mehreren Monaten von der Düsseldorfer Transaktionsberatung Network Corporate Finance begleitet. Ergänzend zu den Unternehmensanteilen könnten im Rahmen potenzieller Verhandlungen auch die Markenrechte an der insolventen Traditionsfluggesellschaft Air Berlin veräußert werden, die sich derzeit im Besitz des Sundair-Gründers Marcos Rossello befinden. Während der Veranstalter betont, dass Verhandlungen noch ganz am Anfang stünden und weder konkrete Angebote noch Vereinbarungen vorlägen, verdeutlicht der Schritt die anhaltenden Herausforderungen für mittelständische Anbieter im europäischen Charter- und ACMI-Flugmarkt.
Besitzverhältnisse und Unternehmensstrukturen der Beteiligungen
Schauinsland-Reisen ist derzeit mit 85 Prozent der Anteile der Hauptgesellschafter der Sundair. Die verbleibenden 15 Prozent hält der Firmengründer Marcos Rossello. Bei der kroatischen Schwestergesellschaft Fly Air 41, die im Jahr 2021 gegründet wurde, liegt die Verteilung bei 51 Prozent für den Reiseveranstalter und 49 Prozent für Rossello. Beide Fluggesellschaften betreiben gemeinsam eine Flotte von zehn Flugzeugen der A320-Familie, bestehend aus Airbus A319 und A320. Davon sind drei Maschinen im Flugbetrieb der Sundair registriert, während sieben Flugzeuge über das Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) der Fly Air 41 betrieben werden.
Das Geschäftsmodell beider Anbieter unterscheidet sich grundlegend. Sundair konzentriert sich auf den klassischen touristischen Vollcharter- und Einzelplatzverkauf ab deutschen Regionalflughäfen wie Dresden, Bremen und Berlin. Das Streckennetz umfasst Ziele im Mittelmeerraum, auf den Kanarischen Inseln, in Ägypten sowie Sonderziele im Nahen Osten wie Beirut und Damaskus. Fly Air 41 hat sich hingegen auf das sogenannte Wet-Lease-Geschäft (ACMI) spezialisiert, bei dem Flugzeuge samt Besatzung, Wartung und Versicherung an andere Fluggesellschaften vermietet werden. Derzeit sind fünf der sieben von Fly Air 41 betriebenen Maschinen im Auftrag der deutschen Fluggesellschaft Condor im Einsatz, um dort Kapazitätsengpässe abzudecken.
Positionierung der Beteiligten und rechtliche Komponente der Markenrechte
Auf Nachfrage des Fachmediums reagierte Schauinsland-Reisen zurückhaltend. Die Gesellschafter seien grundsätzlich offen für Gespräche über unterschiedliche Optionen, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig wird betont, dass sich aus dem laufenden Prüfprozess keine unmittelbaren Veränderungen für den laufenden Flugbetrieb, für Beschäftigte, Kunden oder Vertragspartner ergeben. Auch Gründer Marcos Rossello ordnete die Berichte sachlich ein und verwies darauf, dass Kaufinteressen in der Branche nicht ungewöhnlich seien. Ein Verkaufszwang bestehe nicht.
Ein wesentliches Element in der aktuellen Debatte betrifft die Namensrechte an Air Berlin. Rossello hatte die Markenrechte aus der Insolvenzmasse der 2017 eingestellten Fluggesellschaft erworben. Ein Verkaufspaket, das neben den aktiven Flugbetrieben auch diese Namensrechte umfasst, könnte für potenzielle Investoren von Interesse sein, die einen Markeneintritt im deutschsprachigen Raum erwägen. Ob und in welcher Form ein Erwerber die Marke Air Berlin im kommerziellen Flugbetrieb reaktivieren könnte, ist jedoch unklar und hängt von den regulatorischen Hürden einer Neuzulassung ab.
Marktumfeld und ökonomische Rahmenbedingungen im Chartersegment
Der Ausstieg eines Reiseveranstalters aus dem Betrieb eigener Fluggesellschaften folgt einer Branchenlogik, die sich in den vergangenen Jahren bei mehreren europäischen Touristikkonzernen gezeigt hat. Eigenkapitalintensive Airline-Beteiligungen bergen erhebliche finanzielle Risiken durch Schwankungen bei Kerosinpreisen, Personalkosten und Wartungsaufwendungen. Kleinere Flottenverbünde von rund zehn Flugzeugen stehen im Wettbewerb mit Großkonzernen und Billigfluggesellschaften unter hohem Kostendruck.
Durch die Aufteilung der Flotte auf zwei Zertifikate – ein deutsches und ein kroatisches – versuchten die Eigner in den vergangenen Jahren, Kostenvorteile im europäischen Ausland mit der Marktpräsenz an deutschen Abflughäfen zu kombinieren. Die Abhängigkeit vom Wet-Lease-Markt, wie der Verleih von Maschinen an Drittcarrier wie Condor, bietet zwar Auslastungssicherheit, setzt den Betreiber jedoch der strategischen Flottenplanung der jeweiligen Auftraggeber aus. Die Ergebnisse des von Network Corporate Finance betreuten Prozesses werden zeigen, ob sich am Markt ein Erwerber findet, der das bestehende Verbundmodell aus Eigen- und Fremdcharter fortführen möchte.