Flughafen Berlin-Brandenburg Terminal 1 (Foto: Granit Pireci).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Berlin: Verdreifachung des Flächenbedarfs und Milliardenaufwand für die Bundeswehr-Flugbereitschaft

Werbung

Der geplante Endausbau des Regierungsairports am Flughafen Berlin Brandenburg gerät wegen einer massiven Ausweitung der Dimensionen und drastischer Kostensteigerungen in die öffentliche Diskussion.

Auf dem Areal des Hauptstadtflughafens soll bis zum Jahr 2038 ein eigenständiges militärisches und protokollarisches Zentrum entstehen, das die Einheiten der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung vollständig an einem Standort zusammenführt. Während der Bund von einem notwendigen Kapazitätsaufbau spricht, bewertet der Bund der Steuerzahler das Vorhaben in seinem Jahresbericht als ein ausser Kontrolle geratenes Projekt. Nach neuen Berechnungen der Behörden könnten die Gesamtkosten von ursprünglich veranschlagten dreistelligen Millionenbeträgen auf bis zu 2,5 Milliarden Euro ansteigen.

Entwicklung von einer Übergangslösung zum eigenständigen Großareal

Seit der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg im Oktober 2020 nutzen die Bundesregierung und ihre Staatsgäste ein sogenanntes Interimsterminal. Dieser Komplex wurde für etwa 70 Millionen Euro errichtet und war ursprünglich als reine Übergangskonstruktion gedacht. Nachdem die damalige Bundesregierung im Jahr 2022 den Neubau eines repräsentativen, eigenständigen Empfangsgebäudes aus Kostengründen stoppte – veranschlagt waren damals rund 344 Millionen Euro –, verblieb der Empfangsbetrieb im Provisorium.

Die Planungen für die dahinterliegende betriebliche und logistische Infrastruktur der Flugbereitschaft wurden hingegen kontinuierlich ausgeweitet. Gemäß den im Jahr 2025 überarbeiteten Plänen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben soll das Gelände des Regierungsflughafens am BER nicht mehr wie früher vorgesehen 304.000 Quadratmeter umfassen, sondern eine Fläche von 570.000 Quadratmetern. Das entspricht nahezu einer Verdopplung der beanspruchten Grundfläche auf etwa 57 Hektar.

Infrastruktureller Umfang und bauliche Vorbereitungen

Die bauliche Konzeption sieht eine Infrastruktur vor, die weit über reine Abfertigungskapazitäten hinausgeht. Für die vorgesehenen 1.170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Flugbereitschaft sollen administrative Stabsgebäude, Unterkünfte für Wacheinheiten sowie spezialisierte Betriebsgebäude entstehen. Ergänzt wird die Planung durch großflächige Wartungshangars, ein eigenes System von Rollwegen sowie eine integrierte Unterflurbetankungsanlage.

Erste vorbereitende Geländemaßnahmen wurden am Standort eingeleitet. Aus einer offiziellen Vergabemitteilung der Betreibergesellschaft der Flughafens Berlin Brandenburg vom 15. August 2026 geht hervor, dass zur Baufeldfreimachung drei Ersatzstraßen angelegt werden müssen. Zudem starten die Bauarbeiten für eine dedizierte Baustellenzufahrt im Bereich der T5-Infrastruktur zwischen den Baukörpern B033 und B044. Die schrittweise Übergabe des Baufeldes an den Bund ist ab dem Jahr 2027 vorgesehen.

Kostensteigerung und Argumentation der Beteiligten

Die finanzielle Dimension des Vorhabens bildet den Kern der Kritik. Der Bund der Steuerzahler verweist in seiner Veröffentlichung am 1. Oktober 2026 darauf, dass die Basisschätzungen der Bundesbehörden derzeit bei 1,7 Milliarden Euro liegen. Unter Einkalkulierung künftiger Baupreissteigerungen und allgemeiner Risikofaktoren wird mit Aufwendungen von bis zu 2,5 Milliarden Euro bis zum Ausbaujahr 2038 gerechnet.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist die geplante Anzahl der Flugzeugabstellpositionen. Der Entwurf sieht insgesamt 26 Stellflächen vor. Der Bund der Steuerzahler hinterfragt diese Kapazität im Hinblick auf den tatsächlichen Bestand an Einsatzfahrzeugen der Flugbereitschaft. Das Verteidigungsministerium begründete das Raumkonzept damit, dass neben 18 Regierungsmaschinen auch drei Positionen für das Protokoll des Auswärtigen Amtes, vier Gastpositionen für ausländische Staatsgäste sowie eine spezialisierte Enteisungsfläche bereitgestellt werden müssen.

Flottenumstrukturierung und Standortkonsolidierung

Der gestiegene Flächen- und Infrastrukturbedarf steht in direktem Zusammenhang mit der schrittweisen Verlegung der Flugbereitschaft vom bisherigen Hauptstandort am Flughafen Köln/Bonn nach Berlin. Durch die Konzentration der Flotte im Schönefelder Raum sollen kostenintensive Leerflüge zwischen dem Rheinland und der Bundeshauptstadt reduziert werden.

Gleichzeitig befindet sich die Flotte der Flugbereitschaft im Wandel. Neben der Integration größerer Langstreckenmaschinen des Typs Airbus A350 plant das Verteidigungsministerium in den kommenden Jahren den Austausch von etwa der Hälfte der bestehenden Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge sowie der drei veralteten Regierungshubschrauber. Der Ausbau am Hauptstadtflughafen soll diese veränderten operativen Anforderungen der Bundeswehr abdecken.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung