Die türkische Low-Cost-Fluggesellschaft Pegasus Airlines hat die vollständige Übernahme der tschechischen Fluggesellschaft Czech Airlines sowie der Smartwings Group mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 abgeschlossen.
Im Zuge des Eigentümerwechsels gab die Unternehmensgruppe eine Neubesetzung der Spitzenpositionen bei der Tochtergesellschaft Smartwings bekannt. Mit Emre Pekesen als neuem Chief Executive Officer und Nur Karabacak als Chief Financial Officer übernehmen zwei erfahrene Führungskräfte aus dem Mutterkonzern die Verantwortung für die operative und finanzielle Ausrichtung des tschechischen Beförderungsunternehmens. Die Transaktion umfasst ein Gesamtwertvolumen von rund 154 Millionen Euro und führt zur Entstehung einer erweiterten europäischen Luftfahrtgruppe.
Personelle Neuausrichtung in der Unternehmensführung
Die Führungswechsel bei Smartwings wurden am 2. Oktober 2026 offiziell mitgeteilt, nachdem die Verträge zum 1. Oktober 2026 in Kraft getreten waren. Beide ernannten Führungskräfte blicken auf eine jahrelange Tätigkeit im Management von Pegasus Airlines zurück. Emre Pekesen trat im Jahr 2010 als Vertriebsleiter in das türkische Unternehmen ein und verantwortete seit dem Jahr 2022 als Group Director die Bereiche Vertrieb und Netzplanung. In dieser Funktion steuerte er unter anderem die Expansion des Streckennetzes und die kommerzielle Ausrichtung der Fluggesellschaft.
Nur Karabacak übernahm die Position der Finanzvorständin bei Smartwings. Sie stieg im Jahr 2018 als Investor Relations Managerin bei Pegasus Airlines ein und leitete seit 2019 die Abteilungen für Budgetierung, Berichtswesen und Kostenkontrolle. In einer offiziellen Stellungnahme bedankte sich das Management von Pegasus bei beiden Führungskräften für ihre bisherige Arbeit und betonte das Vertrauen in deren Qualifikationen für die Integration und Weiterentwicklung von Smartwings.
Details der Transaktion und regulatorische Rahmenbedingungen
Die Verhandlungen über die Übernahme der tschechischen Unternehmensgruppe durch Pegasus B.V., eine Tochtergesellschaft der türkischen Airline, reichten bis Ende 2025 zurück. Die Vereinbarung mit der tschechischen Investmentgesellschaft Prague City Air beinhaltete den Erwerb von 100 Prozent der Anteile an Czech Airlines und der Smartwings Group für 154 Millionen Euro inklusive der zugehörigen Verbindlichkeiten. Vor dem Vollzug der Transaktion waren Zustimmungen der zuständigen Wettbewerbs- und Luftfahrtbehörden in der Tschechischen Republik, der Türkei sowie weiteren beteiligten Staaten erforderlich.
Um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen, verlangten die Regulierungsbehörden unter anderem Auflagen für die Slot-Vergabe an den Flughäfen Prag und Antalya, um anderen Fluggesellschaften den Betrieb konkurrierender Linienverbindungen auf dieser Route zu ermöglichen. Trotz der strukturellen Eingliederung in den türkischen Konzern soll die Marke Smartwings im tschechischen Markt und im internationalen Charterverkehr als eigenständige Einheit erhalten bleiben.
Restrukturierung der tschechischen Luftfahrtstruktur
Der Eigentümerwechsel stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der tschechischen Zivilluftfahrt dar. Czech Airlines, im Jahr 1923 als Ceschoslowakische Staatsairline gegründet, gehörte zu den ältesten durchgehend bestehenden Fluggesellschaften weltweit. Nach einer langen Phase finanzieller Schwierigkeiten, Umstrukturierungen und wechselnden Eigentümerverhältnissen – darunter einer vorübergehenden Beteiligung der koreanischen Korean Air – stellte das Unternehmen im Oktober 2024 den eigenen Flugbetrieb unter dem historischen Code OK ein.
Im Rahmen der damaligen Umstrukturierung übernahm Smartwings die operativen Flugleistungen der Gruppe, während Czech Airlines als Holdingstruktur bestehen blieb. Mit dem Verkauf an Pegasus endet eine jahrzehntelange Phase der Eigenständigkeit tschechischer Investoren. Der Mitbegründer von Smartwings, Jiří Šimáně, begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, das Geschäft in einem von Großkonzernen geprägten europäischen Marktumfeld abzusichern und fehlende staatliche Unterstützung durch einen finanzstarken Partner auszugleichen.
Flottenumfang und Netzwerkerweiterung
Durch die Zusammenführung der Flotten entsteht eine Unternehmensgruppe mit mehr als 175 aktiven Flugzeugen. Pegasus brachte vor dem Vollzug der Übernahme 129 Flugzeuge in den Verbund ein, überwiegend Modelle der Airbus-A320neo-Familie sowie Boeing 737-800. Smartwings betrieb im Sommer 2026 insgesamt 49 Maschinen, darunter Boeing 737-800, Boeing 737 MAX 8 sowie kleinere Bestände an Airbus A220 und Geschäftsreiseflugzeugen.
Die gemeinsamen Orderbücher der beiden Fluggesellschaften weisen fest terminierte Nachbestellungen von rund 140 Flugzeugen auf, darunter eine Großbestellung von Pegasus für Maschinen des Typs Boeing 737-10. Mit der Übernahme erweitert Pegasus sein Streckennetz von bisher 161 Zielorten um die regionalen Netzwerke von Smartwings in Mitteleuropa. Smartwings bedient von ihren Basen in Prag sowie aus Polen, der Slowakei und Ungarn rund 80 Destinationen in 20 Ländern, vor allem im Freizeit- und Touristikverkehr.
Branchenkontext und operative Herausforderungen
Güliz Öztürk, Chief Executive Officer von Pegasus Airlines, betonte im Rahmen des Vollzugs, dass der Zusammenschluss den Kunden beider Airlines ein erweitertes Streckennetz und mehr Auswahl bieten solle. Für die türkische Fluggesellschaft bedeutet die Transaktion den Zugang zum mitteleuropäischen Binnenmarkt innerhalb der Europäischen Union, der von der bisherigen Basis am Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen aus nur eingeschränkt bedient werden konnte.
Analysten verweisen jedoch auch auf die Komplexität der bevorstehenden Integrationsphase. Neben der Harmonisierung unterschiedlicher Flottentypen und IT-Systeme erfordert der Betrieb einer Mehrmarkenstruktur mit unterschiedlichen Tarifverträgen und operativen Standards eine präzise Steuerung. Das neue Führungsteam um Emre Pekesen und Nur Karabacak steht vor der Aufgabe, Synergien im Einkauf, bei der Flugzeugwartung und Treibstoffbeschaffung zu realisieren, ohne die bestehende Kundenbasis in Mittel- und Osteuropa zu gefährden.