Der Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück hat seine Unternehmensführung nach einem kurzfristigen Personalfeldwechsel neu strukturiert. Nachdem der bisherige Geschäftsführer René Steinhaus den Regionalflughafen nach nur wenigen Monaten im Amt wieder verlassen hat, verteilte die Betreibergesellschaft Triwo Hahn Airport GmbH die Verantwortlichkeiten in der Leitungsebene auf ein dreiköpfiges Managementteam.
Seit September 2026 leitet das Vorstandsmitglied Jan Glockauer die operativen Kernbereiche Flugbetrieb (Operations) und Luftverkehr (Aviation). Parallel übernimmt Michael Feit die Zuständigkeit für Bauwesen, Technik und Infrastrukturprojekte. Die betriebliche Gesamtverantwortung verbleibt bei Robert Willems, der zusätzlich die Funktion des nach den Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) geforderten EASA Accountable Managers ausübt. Die Flughafengesellschaft strebt mit dieser Neuorganisation an, die Handlungsfähigkeit der Standortverwaltung zu wahren und die laufenden Infrastrukturmaßnahmen ohne zeitliche Verzögerungen fortzuführen.
Kurze Amtszeit und einvernehmliche Trennung von René Steinhaus
Der Führungswechsel erfolgt wenige Monate nach dem Amtsantritt von René Steinhaus. Dieser hatte die Leitung des Flughafens im Frühjahr 2026 von seinem Vorgänger Rüdiger Franke übernommen. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin haben sich der Eigentümer Triwo und Steinhaus im gegenseitigen Einvernehmen auf eine Beendigung des Anstellungsverhältnisses verständigt. Über die genauen Hintergründe des raschen Abschieds machten die Beteiligten keine detaillierten Angaben. Die Betreibergesellschaft dankte dem scheidenden Manager öffentlich für den geleisteten Einsatz beim Übergang der Führungsstrukturen.
René Steinhaus verfügte über langjährige Branchenerfahrung im europäischen Zivilluftverkehr, unter anderem durch Tätigkeiten an verschiedenen internationalen Verkehrsflughäfen. Dass sein Engagement am Hunsrück-Airport nach so kurzer Zeit wieder endete, unterstreicht nach Ansicht von Branchenbeobachtern die verbleibenden strukturellen Herausforderungen bei der Stabilisierung des Flughafenbetriebs unter dem Dach des privaten Eigentümers.
Aufgabenverteilung im neuen Dreier-Gremium
Die neu geregelten Zuständigkeiten zielen darauf ab, den operativen Betrieb klar von den technischen Investitionsprojekten zu trennen. Jan Glockauer verantwortet im Vorstand die Verhandlungen mit Partnergesellschaften sowie die operative Abwicklung des täglichen Passagier- und Frachtverkehrs. Dieser Geschäftsbereich hat nach der Rückkehr einzelner Frachtrouten und der Konsolidierung der Linienverbindungen von Fluggesellschaften wie Ryanair grundlegende Relevanz für das laufende Ergebnis der Triwo Hahn Airport GmbH.
Der zweite Schwerpunkt der Neuaufstellung liegt bei Michael Feit. Er koordiniert die baulichen und technischen Anpassungen auf dem Flughafengelände. Zentrale Aufgabe in seinem Ressort ist die Steuerung der laufenden Terminalmodernisierung. Die Betreibergesellschaft plant seit der Übernahme des Areal im April 2023 eine schrittweise Sanierung der in die Jahre gekommenen Abfertigungsgebäude und Verkehrsanlagen, um die Abläufe für Fluggäste und Fluggesellschaften effizienter zu gestalten.
Regulatorische Absicherung durch den EASA Accountable Manager
Mit der Ernennung von Robert Willems zum EASA Accountable Manager erfüllt der Flughafen eine zentrale Anforderung des europäischen Luftfahrtrechts. Nach den Vorschriften der Europäischen Agentur für Flugsicherheit muss jeder nach EU-Recht zertifizierte Verkehrsflughafen über eine klar benannte Einzelperson in der Leitungsebene verfügen, die gegenüber den Aufsichtsbehörden – in Deutschland dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA) und dem zuständigen Landesverkehrsministerium – die uneingeschränkte Verantwortung für die Einhaltung aller Sicherheits- und Betriebsstandards trägt.
Der Accountable Manager haftet dafür, dass die personellen, finanziellen und technischen Mittel bereitgestellt werden, die für einen sicheren und regelkonformen Flugbetrieb erforderlich sind. Durch das Verbleiben von Robert Willems in dieser Rolle stellt der Flughafen sicher, dass die luftrechtliche Betriebsgenehmigung von der personellen Umstrukturierung im Geschäftsführungsgremium unberührt bleibt.
Wirtschaftliche Perspektiven unter der Triwo-Gruppe
Der Flughafen Frankfurt-Hahn befand sich nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Oktober 2021 in einer längeren Phase der Ungewissheit, bevor die gewerbliche Immobiliengruppe Triwo des Trierer Investors Peter Adrian den Standort im April 2023 im Rahmen eines Investorenprozesses erwarb. Seit der Übernahme versucht die Triwo-Gruppe, den Mix aus Passagierverkehr, Frachtabwicklung und der Verwertung von Gewerbeflächen auf dem ehemaligen Militärflugplatz betriebswirtschaftlich auszubalancieren.
Die Fluggastzahlen am Hunsrück-Airport zeigen nach dem starken Rückgang während der Pandemiejahre wieder eine stabile Tendenz, liegen jedoch weiterhin unter den Spitzenwerten vergangener Dekaden. Das Hauptvolumen im Linienverkehr wird nach wie vor von der irischen Fluggesellschaft Ryanair bestritten. Im Luftfrachtbereich bemüht sich das Management um die Einwerbung neuer Ad-hoc-Sonderflüge und regelmäßiger Frachtumläufe, um die vorhandenen Hallenkapazitäten und die 24-Stunden-Betriebserlaubnis des Standorts voll auszunutzen.
Branchenkenner betonen, dass das neu formierte Führungstrio vor der Aufgabe steht, das Vertrauen der Kunden und Belegschaft nach den wiederholten personellen Wechseln dauerhaft zu sichern. Die zügige Umsetzung der Modernisierungsarbeiten im Passagierterminal gilt dabei als wichtiger Indikator dafür, wie verlässlich der Privatinvestor seine Investitionszusagen auf dem Hunsrück-Kamm mittelfristig umsetzt.