Der Rückzug der Billigfluggesellschaft Wizz Air aus Wien sowie die durchaus umfangreichen Reduktionen des Konkurrenten Ryanair spürt nicht nur die Flughafen Wien AG, sondern auch ein privater Parkplatzbetreiber meldet eine deutlich niedrigere Nutzung, insbesondere von Reisenden aus Ungarn und der Slowakei.
Das Abstellen von Kraftfahrzeugen auf den Parkflächen am Flughafen Wien ist – wie an fast allen Airports – keine preisgünstige Angelegenheit. Seit einigen Jahren gibt es mehrere private Betreiber, die im Umfeld entsprechende Alternativen gegen Entgelt anbieten. Diese sind definitiv nicht in Terminalnähe, weshalb manche einen Shuttleservice anbieten oder aber auf öffentliche Verkehrsmittel wie die Schnellbahn verweisen.
Diese Alternativen werden weniger von Geschäftsreisenden, die oftmals im doppelten Tagesrand unterwegs sind, genutzt, sondern von Personen, die zum Beispiel eine Woche und länger auf Urlaub sind. Nebst Einheimischen greifen auch Reisende aus den Nachbarländern, darunter Ungarn, Slowakei und Tschechien auf diese Möglichkeit zurück, da in vielen Fällen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zeitaufwendig wäre.
Bratislava als neuer „Magnet“ für Lowcost-Passagiere
Die Billigflieger Ryanair und Wizz Air haben bislang als regelrechte Passagiermagneten fungiert, denn diese haben im großen Stil Fluggäste aus den Nachbarländern nach Wien gelockt. Das pinkfarbene Unternehmen hat sich komplett aus Österreich zurückgezogen und im nahegelegenen Bratislava eine neue Basis eröffnet. Auch Ryanair hat in der slowakischen Hauptstadt zu Lasten von Wien ausgebaut, jedoch ist deren Expansion im Nachbarland in einem überschaubaren Ausmaß. Dennoch haben beide Entscheidungen dazu geführt, dass in Bratislava die Passagierzahlen steil nach oben zeigen und gleichzeitig in Wien erhebliche Rückgänge zu verzeichnen sind. Mittlerweile wird der Flughafen Bratislava wieder hochfrequent mit Fernbussen ab der österreichischen Hauptstadt angefahren. Selbiges gibt es schon lange für den Wiener Airport ab der Innenstadt der slowakischen Hauptstadt.
Der private Parkplatzbetreiber Tom Parking, der in Schwechat nahe einer Schnellbahn-Station eine Abstellmöglichkeit für Kraftfahrzeuge betreibt, teilte mit, dass es erhebliche Rückgänge bei den Buchungen gegeben hat. Das Unternehmen hat die Nutzung der Jahre 2025 und 2026, jeweils für Jänner bis September, miteinander verglichen.
Dabei zeigte sich, dass man um ein Viertel weniger Fahrzeuge mit ungarischem Kennzeichen auf dem Parkplatz hätte. Autos aus der Slowakei hatte man um 22 Prozent weniger und aus Tschechien verzeichnete Tom Parking einen Rückgang um 11 Prozent. Hingegen haben um drei Prozent mehr Kraftfahrzeuge mit österreichischen Nummerntafeln auf dem privaten Parkplatz gestanden. Das Unternehmen teilte weiters mit, dass Grundlage rund 6.400 Buchungen sind, die auch tatsächlich in Anspruch genommen wurden, also nicht storniert oder als „No-Show“ verfallen sind. Das Land ist das Land des Kfz-Kennzeichens laut Buchung. Ausgewiesen sind Länder mit mindestens 300 Buchungen im Vorjahreszeitraum, so die Parkplatzfirma weiters.
„Österreich muss sich auch bei der Flugabgabe am Wettbewerb mit seinen Nachbarn messen lassen. Eine Senkung wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, um den staatlich bedingten Kostennachteil gegenüber Bratislava abzubauen und Wien als Abflugort wieder zu stärken“, sagt Daniel Gossmann, Geschäftsführer der IDD Square GmbH, Betreiberin von Tom Parking.
Das private Parkplatzunternehmen ist im direkten Vergleich zur Flughafen Wien AG ganz gewiss kein „Big Player“, jedoch geben deren Zahlen ein deutliches Indiz dafür, dass der Rückzug von Wizz Air und die Reduktionen von Ryanair dazu führen, dass weniger Reisende aus den Nachbarländern ab Wien-Schwechat fliegen. Es zeigt auch, dass verringertes Flugangebot bzw. die defacto Verlagerung nach Bratislava indirekte Auswirkungen auf lokale Betriebe, die Dienstleistungen für Passagiere anbieten hat.
Rückgänge auch bei anderen Anbietern
Es ist daher anzunehmen, dass es auch bei den Konkurrenten von Tom Parking, allen voran bei der Flughafen Wien AG, ebenfalls erhebliche Rückgänge gibt. Bei Flixbus, Slovak Lines, Regiojet und anderen Anbietern, die Städte aus den Nachbarstaaten mit dem Flughafen Wien verbinden, will man keine Fahrgastzahlen herausgeben. Punktuell heißt es aber dann doch, dass man spüre, dass die Dienstleistungen weniger in Anspruch genommen werden. Ein Busbetreiber erklärt, dass sich die Nutzung „umgedreht“ habe: Zuvor habe man erheblich mehr Fahrgäste aus Bratislava zum Flughafen Wien gebracht. Nun wäre die überwiegende Mehrheit der Passagiere aus Wien und würde am slowakischen Hauptstadtflughafen aussteigen. Man habe darauf reagiert und das Angebot entsprechend angepasst und ist nun stärker darauf ausgerichtet Wien und den Flughafen Bratislava zu verknüpfen.
Dies ist nur ein exemplarisches Beispiel, da natürlich nicht alle Reisenden aus den Nachbarstaaten wegfallen. Es gibt eine Vielzahl von Destinationen, die ab Bratislava schlichtweg nicht erreichbar sind. Für den Flughafen Wien sind die Nachbarstaaten im Einzugsgebiet auch weiterhin sehr wichtige Quell- und Zielmärkte. Es zeigt sich aber, dass im Lowcost-Bereich eine Art „Pilgerreise“ von Wien nach Bratislava stattgefunden hat. Diese ist noch nicht beendet, da sowohl Ryanair als auch Wizz Air weiterhin ab der slowakischen Hauptstadt expandieren. Hintergrund ist, dass die Nutzung dieses Airports gegenüber Wien-Schwechat erheblich billiger kommt. Unter anderem gibt es in der Slowakei keine Ticketsteuer, die in Österreich 12 Euro ausmacht.
Wiederholung der slowakischen Lowcost-Blase der Nullerjahre?
Langfristig wird der Flughafen Bratislava aber beweisen müssen, ob der Wachstumskurs dauerhaft gehalten werden kann. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es in den „Nullerjahren“ schon einmal einen regelrechten Boom gab. Neben Lowcostern wie Easyjet und Ryanair blies die damalige Skyeurope zu einem scheinbar unbegrenzten Wachstum. Selbst Austrian Airlines stationierte kurzzeitig Maschinen des Typs Fokker 100 und meinte ebenfalls profitieren zu können. Der „Nebeneffekt“ des damaligen Billigbooms war, dass die Anbindungen an Drehkreuze, beispielsweise München, Schritt für Schritt komplett weggefallen sind.
Easyjet zog sich zu Gunsten von Wien zurück, SkyEurope flog in die Pleite und Ryanair war über Jahre hinweg nur auf Sparflamme präsent. Auch der heutige Bratislava-Boom ist teuer erkauft, denn nebst einem Incentive-Programm verzichtet der Staat auf Einnahmen, die beispielsweise aus einer Ticketsteuer stammen könnten und auch die Kosten der Flugsicherung wurden gesenkt. Bratislava läuft akut Gefahr, dass sich das Szenario der „Nullerjahre“ wiederholen könnte. Ein Blick zur Konkurrenz nach Wien zeigt, dass Billigflieger wie Wizz Air bei etwaiger Erhöhung der Kosten jeglicher Art, schnell die „Fliege“ machen.
Mehr Jobs in der Slowakei, weniger in Österreich
Kurzfristig profitiert Bratislava von zusätzlichen Flügen und damit mehr Passagieren erheblich. Dies geht primär zu Lasten von Wien, da es sich in erster Linie um eine Verlagerung von Kapazitäten handelt. Dies setzt Österreich unter Druck, denn man verliert in allen Belangen Einnahmen. Aus heutiger Sicht ist die Kalkulation der Ticketsteuer, die im Bundesbudget Jahr für Jahr deutlich steigende Einnahmen prognostiziert utopisch, da wegen dem Rückgang von Reisenden auch mit weniger Steuereinahmen zu rechnen ist. Das eingangs genannte Beispiel des Parkplatzbetreibers zeigt, dass es auch indirekte Konsequenzen gibt, denn private Dienstleister haben weniger Umsatz und damit auch der Fiskus weniger Einnahmen. Für jeden Parkvorgang muss der Betreiber Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer abführen. Parken weniger Autos, verdient auch das Finanzamt weniger. Gänzlich in Luft lösen sich die Umsätze aber nicht auf, jedoch verschiebt sich die Örtlichkeit, denn die Dienstleistungen werden nicht in Österreich, sondern in der Slowakei in Anspruch genommen – eben bei anderen Anbietern, die nun profitieren.
Die österreichische Politik wird dennoch reagieren müssen, denn der Passagierrückgang in Wien hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Staatsfinanzen bezüglich der Ticketsteuer, sondern auch auf die Arbeitsplätze. Weniger Reisende bedeutet, dass auf der gesamten Kette von der Haustür bis zum Abheben des Flugzeugs weniger Personal benötigt wird. Dabei ist nicht nur die Rede von großen Anbietern, beispielsweise im Bereich der Bodenabfertigung, sondern auch von Zulieferern und kleineren Dienstleistern, die quasi nebenbei in Anspruch genommen werden. Dazu können Catering-Unternehmen, Händler, Shuttleservices, aber auch Parkplatzbetreiber zählen. Noch will niemand offen über Stellenabbau sprechen, aber dieser findet bereits schleichend statt. Derzeit in den meisten Fällen noch dezent über die Nichtnachbesetzung bei Eigenkündigungen oder die Nicht-Verlängerung befristeter Verträge…