Der europäische Flugzeugbauer Airbus treibt die Kapazitätserhöhung seiner Modellreihe A220-300 voran und rechnet mit einer behördlichen Zulassung der hochverdichteten Kabinenvariante mit 160 Sitzplätzen für das Jahr 2028.
Wie Johan Pelissier, Leiter der Vertriebssparte für die Region Europa bei Airbus, im Rahmen der Jahrestagung der European Regions Airline Association (ERA) mitteilte, stoße die erweiterte Sitzplatzoption auf ein reges Kundeninteresse im Markt. Nach Unternehmensangaben zeigen mehr als ein Drittel der potentiellen A220-Kunden Interesse an der dichter bestuhlten Ausführung, die primär auf die Bedürfnisse von Billigfluggesellschaften und kapazitätsorientierten Netzwerk-Carriern zugeschnitten ist. Erstkunde für diese spezifische All-Economy-Konfiguration ist die südostasiatische Unternehmensgruppe AirAsia, die im Mai 2026 eine Großbestellung über 150 Flugzeuge dieses Typs gezeichnet hatte. Konstruktiv ermöglicht wird die zusätzliche Kapazität von zehn Passagiersitzen durch den Einbau eines zweiten Überflügelausgangs auf jeder Rumpfseite, um die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen bei Evakuierungen einzuhalten.
Konstruktive Anpassungen und behördlicher Zulassungsprozess
Die Erweiterung des Sitzplatzangebots von bislang maximal 150 auf nunmehr 160 Plätze im A220-300 erfordert eine technische Modifikation des Flugzeugrumpfs im Bereich der Tragflächenaufnahme. Die Integration eines zusätzlichen Notausstiegs pro Rumpfseite ist zwingende Voraussetzung, um das vom Regelwerk der Luftfahrtbehörden geforderte Evakuierungszeitfenster einzuhalten. Die formalen Schritte zur Zertifizierung werden federführend von der kanadischen Zivilluftfahrtbehörde Transport Canada in Abstimmung mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der US-amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA) begleitet.
Neben der Notausstiegsarchitektur erfordert die Verdichtung Anpassungen an den Serviceeinrichtungen im Innenraum, wie etwa die Optimierung der Galley- und Toilettenbereiche im Heck der Kabine, um den zusätzlichen Platzbedarf der Sitzreihen bereitzustellen. Trotz des engeren Sitzabstands (Seat Pitch) soll der Komfort durch den Einsatz moderner, gewichtsreduzierter Leichtbausitze gewährleistet werden. Airbus reagiert mit der Anpassung auf den anhaltenden Trend im Mittelstreckensegment, den Ertrag pro Flugkilometer durch eine möglichst hohe Sitzplatzdichte bei gleichzeitiger Nutzung treibstoffeffizienter Triebwerke zu maximieren.
Marktdynamik und Einsatzspektrum im internationalen Linienverkehr
Das Konzept einer 160-sitzigen A220-300 stößt nicht nur in Asien, sondern auch bei europäischen Regional- und Billigfluggesellschaften auf Aufmerksamkeit. Nach Ausführungen von Johan Pelissier zeigen zwischen 30 und 40 Prozent der europäischen Betreiber, mit denen Airbus derzeit Verhandlungen führt, hohes Interesse an der kapazitätsstärkeren Option. Die Flugzeuge dieser Größenordnung schließen die Lücke zwischen kleineren Regionalflugzeugen und den größeren Schmalrumpfmustern der Airbus-A320neo- oder Boeing-737-Max-Familien.
Für Fluggesellschaften wie AirAsia bietet der hochverdichtete A220-300 den Vorteil, dass er auf dünner frequentierten Strecken wirtschaftlich betrieben werden kann, während größere Flugzeuge wie der A321neo für streckennetzbezogene Hauptverbindungen freigesetzt werden. Auch im europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr ermöglicht die Variante eine flexiblere Frequenzgestaltung bei gleichzeitig niedrigen Sitzkilometerkosten.
Stabilisierung der Triebwerkssituation und Ausbau der Fertigungskapazitäten
Die Ankündigung der neuen Kabinenoption erfolgt in einer Phase, in der sich die operativen Rahmenbedingungen für Betreiber der A220-Flotte schrittweise stabilisieren. Die in den vergangenen Jahren aufgetretenen Probleme bei der Haltbarkeit der GTF-Triebwerke des Herstellers Pratt & Whitney, die weltweit zu temporären Stillständen von Flugzeugen geführt hatten, schwächen sich nach Unternehmensangaben ab. Pelissier erklärte, dass ab dem Jahr 2027 keine Flugzeuge der A220-Reihe mehr aufgrund fehlender Triebwerksersatzteile am Boden verharren müssen.
Parallel dazu baut Airbus seine Produktionskapazitäten für die A220-Baureihe schrittweise aus. Bis zum Jahr 2028 strebt der Hersteller eine monatliche Fertigungsrate von 13 Flugzeugen an den Standorten Mirabel in Kanada und Mobile in den USA an. Um diesen Hochlauf abzusichern, wurde im August 2026 eine Erweiterung der Tragflächenfertigung im nordirischen Belfast um mehr als 6.000 Quadratmeter beschlossen, die in der ersten Jahreshälfte 2028 betriebsbereit sein soll. Der Gesamtauftragsbestand des A220-Programms beläuft sich derzeit auf rund 1.000 Einheiten der Variante A220-300 sowie etwa 100 Maschinen der kleineren Ausführung A220-100.