Die Deutsche Lufthansa AG sieht sich am Heimatdrehkreuz Frankfurt am Main mit logistischen Engpässen bei der Kerosinbelieferung konfrontiert. Nach internen Mitteilungen des Flugbetriebs an die Besatzungen, die Mitte Oktober 2026 bekannt wurden, sind die Treibstoffreserven am größten deutschen Verkehrsflughafen vorübergehend angespannt.
Als Ursachen für die Lieferverzögerungen gelten langanhaltend niedrige Wasserstände auf dem Rhein und dem Main, welche die Kapazitäten der Binnenschifffahrt zur Kerosinanlieferung verringern, sowie zeitgleiche Wartungsarbeiten an einer zentralen Versorgungsleitung. Um den Flugbetrieb ohne Ausfälle aufrechtzuerhalten, hat die Fluggesellschaft operative Maßnahmen eingeleitet: Die Cockpit-Besatzungen der Airbus-A320-Flotte wurden angewiesen, an dezentralen Zielflughäfen zusätzlichen Kraftstoff aufzunehmen, um die Betankungsmengen in Frankfurt zu reduzieren. Der Flughafenbetreiber Fraport erklärte hingegen, dass die betriebliche Funktionsfähigkeit des Standorts durch vorhandene Speicherressourcen gesichert sei.
Ursachen der Lieferengpässe an der Fluss- und Leitungsinfrastruktur
Die Belieferung des Frankfurter Flughafens mit Treibstoff ruht auf mehreren logistischen Säulen, zu denen neben Pipelinestrang-Anbindungen auch die Schiffsanlieferung über den flusseigenen Mainhafen zählt. Infolge einer anhaltenden Trockenperiode und sinkender Pegelstände auf den mitteleuropäischen Wasserstraßen können die Kerosintankschiffe derzeit nicht mit vollständiger Ladekapazität verkehren. Die verringerte Tonnage der Binnenschiffe führt zu Verzögerungen beim Nachschub für die zentralen Speichereinheiten.
Zusätzlich zu den Einschränkungen im Schiffsverkehr wird die Versorgungssituation durch geplante Wartungsarbeiten an der Instandhaltungsinfrastruktur beeinflusst. Der Flughafenbetreiber Fraport bestätigte auf Anfrage, dass eine turnusgemäße Überprüfung und Reinigung an einem der leitungsgebundenen Hauptzufuhrsysteme stattfindet. Während der Flughafenbetreiber betont, dass Ausweichrouten über das europäische NATO-Pipelinenetz sowie ausreichend dimensionierte Reserven einen Engpass abfedern, veranlassten die verringerten Tageszuflüsse die Fluggesellschaft Lufthansa zum Handeln.
Operative Gegenmaßnahmen durch das Tankering-Verfahren
Um das zentrale Tanklager in Frankfurt zu entlasten, setzt Lufthansa auf das in der Luftfahrt etablierte Verfahren des gezielten Tankering. Bei dieser Methode nehmen Flugzeuge an Außestationen, an denen ausreichende Kerosinmengen zur Verfügung stehen, mehr Treibstoff auf als für den reinen Hinweg benötigt wird. Der verbleibende Kraftstoff im Tank dient anschließend für den nächsten Abflug ab Frankfurt, wodurch der Betankungsbedarf am Drehkreuz sinkt.
Nach den Anweisungen an das fliegende Personal gelten für diese Maßnahmen genaue Gewichtsgrenzen. Maschinen der Airbus-A320-Familie sollen bei der Landung in Frankfurt eine Obergrenze von maximal acht Tonnen Kerosin in den Tanks aufweisen, um strukturelle Belastungen bei Landung und Schleppvorgängen zu vermeiden. Bei Großraumflugzeugen auf Langstreckenrouten müssen die Gewichtsvorgaben ebenfalls strikt eingehalten werden, da das Mitführen von Zusatzkraftstoff das Abfluggewicht erhöht. Eine Unternehmenssprecherin der Lufthansa betonte, dass trotz der logistischen Anpassungen im Betankungsablauf derzeit nicht mit Flugstreichungen oder Beeinträchtigungen des Passagierverkehrs zu rechnen sei.
Kapazitäten der Hydranten-Betriebsgesellschaft und Flughafeninfrastruktur
Der Flughafen Frankfurt verfügt über eine der umfangreichsten Treibstoffinfrastrukturen im europäischen Zivilluftverkehr. Die Betreuung und Befüllung der Tankanlagen obliegt der Hydranten-Betriebs OHG, einem Zweckverband der großen Kerosinlieferanten und Mineralölkonzerne am Standort. Im nördlichen Bereich des Flughafengewässers erstreckt sich ein Tanklager mit zehn oberirdischen Großbehältern, die eine Gesamtkapazität von bis zu 186.000 Kubikmetern beziehungsweise 186 Millionen Litern Kerosin fassen.
Dieses Speichervolumen ist ausgelegt, um den regulären Flugbetrieb des Drehkreuzes für bis zu 14 Tage ohne externe Neuanlieferung aufrechtzuerhalten. Über ein unterirdisches Leitungssystem von mehr als 60 Kilometern Gesamtlänge wird der Treibstoff direkt zu den einzelnen Flugzeugparkpositionen auf dem Vorfeld gepumpt. Der Flughafenbetreiber Fraport stellte klar, dass trotz der laufenden Inspektionsarbeiten an den Versorgungssträngen die Grundversorgung aller operierenden Fluggesellschaften vollumfänglich gewährleistet bleibe.