Eine repräsentative Umfrage der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) unter 154 Beherbergungsbetrieben offenbart eine spürbare Marge-Erosion im Vorfeld der Wintersaison 2026/27.
Trotz stabiler Auslastungserwartungen und eines nominellen Umsatzplus von 1,2 Prozent rechnen die Hoteliers im Durchschnitt mit einem Rückgang der Betriebsergebnisse um 1,3 Prozent. Hauptursache ist, dass 90 Prozent der Betriebe gestiegene Betriebs- und Personalkosten gar nicht oder nur teilweise an die Endverbraucher weitergeben können. Lediglich jeder zehnte Betrieb sieht sich in der Lage, die Teuerung vollumfänglich einzupreisen.
Die Zurückhaltung bei Preisanpassungen korrespondiert mit Daten des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), das für 2026 einen Rückgang der real verfügbaren Haushaltseinkommen um 1,0 Prozent sowie ein verhaltenes Reallohnwachstum prognostiziert. Demzufolge erwarten 62 Prozent der befragten Hoteliers geringere Konsumausgaben der Gäste vor Ort. Zudem stellen sich 60 Prozent der Betriebe auf verkürzte Aufenthaltsdauern und 65 Prozent auf kurzfristigere Buchungsentscheidungen ein. Die reale Wertschöpfung im gesamten Beherbergungs- und Gastronomiesektor soll laut WIFO-Prognose 2026 lediglich um 0,6 Prozent zulegen.
Als gravierendster Kostenfaktor werden von 88 Prozent der Hotelbetreiber die Beschäftigungskosten genannt. Trotz der wirtschaftlichen Anspannung suchen 69 Prozent der Unternehmen weiterhin Personal. ÖHV-Präsident Walter Veit fordert vor diesem Hintergrund eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie den Abbau bürokratischer Auflagen, die von 56 Prozent der Betriebe als wesentlicher Belastungsfaktor eingestuft werden. Der verringerte Cashflow beeinträchtigt zudem die Erneuerungsfähigkeit der Branche: 40 Prozent der Betriebe kürzen ihre Investitionen, da auch der Zugang zu Fremdkapital bei steigenden Zinssätzen erschwert ist.
Branchenbeobachter warnen vor den Kaskadeneffekten ausstehender Modernisierungsmaßnahmen auf regionale Handwerks- und Zulieferbetriebe. Das WIFO erwartet zwar für 2026 einen nominellen Anstieg der Reiseverkehrsexporte auf 24,26 Milliarden Euro, jedoch erfordert die langfristige Sicherung dieser Deviseneinnahmen kontinuierliche Mittelzuflüsse in die Infrastruktur und Angebotsqualität der alpinen Hotellerie.