Die Luftfahrtholding Polska Grupa Lotnicza (PGL), zu der unter anderem die nationale Fluggesellschaft LOT Polish Airlines gehört, bereitet den Aufbau einer eigenen Frachtfluggesellschaft vor.
Wie der Konzern im Rahmen seiner Entwicklungsplanung für den Zeitraum von 2026 bis 2032 bekanntgab, ist die Gründung eines spezialisierten Unternehmenssegments unter dem Namen PGL Cargo als Priorität verankert. Ziel der Initiative ist es, neben dem bestehenden Transport von Frachtgütern in den Unterdecks von Passagierflugzeugen eine eigene Flotte reiner Frachtflugzeuge aufzubauen. Durch das Vorhaben soll die Abhängigkeit von ausländischen Logistikdienstleistern verringert und Polen als zentraler Logistikstandort in Mittel- und Osteuropa positioniert werden.
Wirtschaftliche Ziele und duale Aufgabenstellung im Krisenfall
Nach Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden der Polska Grupa Lotnicza, Radoslaw Stepien, ist für das geplante Frachtunternehmen ein zivil-militärisches Dual-Use-Konzept vorgesehen. Im regulären Marktbetrieb soll die Fluggesellschaft kommerzielle Frachtflüge durchführen und eigenständig Rentabilität anstreben. In Notlagen, internationalen Krisen oder bei Versorgungsengpässen steht die Flotte zudem für staatliche Logistikaufgaben zur Verfügung, um Hilfsgüter, medizinische Ausrüstung oder strategische Güter zu transportieren.
Die Erfahrungen aus weltweiten Unterbrechungen von Lieferketten sowie geopolitischen Spannungen in den vergangenen Jahren haben die Bedeutung eigenständiger Luftfrachtkapazitäten verdeutlicht. Bislang beschränkte sich der Frachttransport der Gruppe weitgehend auf den Kapazitätsverkauf in den Gepäckräumen der LOT-Passagiermaschinen. Mit der Aufstellung von reinen Frachtflugzeugen (Freightern) strebt PGL einen höheren Marktanteil im stetig wachsenden osteuropäischen Logistikmarkt an.
Einbindung in die Wartungs- und Abwicklungsinfrastruktur des Konzerns
Das Frachtprojekt ist Teil eines breiter angelegten Programms zur vertikalen Integration der Konzerntöchter. Die Abwicklung der Frachtsendungen am Boden soll über die Tochtergesellschaft LS Airport Services erfolgen, die hierfür Frachtterminals an polnischen Flughäfen ausbaut. Parallel dazu baut das Wartungsunternehmen LOTAMS seine Instandhaltungskapazitäten am Flughafen Rzeszów-Jasionka aus. Dort entsteht eine spezialisierte Basis für die Wartung von Großraum-Passagierflugzeugen sowie Frachtmaschinen.
Der Standort Rzeszów hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Drehkreuz für internationale Logistik- und Hilfstransporte entwickelt. Durch den Ausbau der dortigen Instandhaltungsinfrastruktur stellt die Holding sicher, dass die technischen Kontrollen und Überholungen der Frachtflotte innerhalb der eigenen Konzernstrukturen durchgeführt werden können.
Unklarheiten bezüglich Flottengröße und zeitlichem Rahmen
Bislang liegen seitens der Konzernführung keine konkreten Angaben zu den gewählten Flugzeugtypen, der geplanten Flottengröße oder den anzusteuernden Zielgebieten vor. Ebenso bleibt der genaue Zeitpunkt des operativen Starts der ersten Frachtflüge offen. Konzernchef Stepien deutete lediglich an, dass der operative Betrieb früher aufgenommen werden könnte als am Markt allgemein erwartet wird.
Das Projekt PGL Cargo stellt derzeit ein verbindliches Planungsvorhaben im Rahmen der Konzernplanung dar. Die Initiative steht zudem im Kontext des geplanten Großflughafens Port Polska (CPK), der künftig als zentrales Drehkreuz für den Passagier- und Frachtverkehr in Polen dienen soll. Vor einer formalen Aufnahme des Flugbetriebs müssen jedoch noch die Beschaffung der Flugzeuge, die Lizenzerteilung durch die Zivilluftfahrtbehörden sowie die finale Abstimmung der Streckennetze erfolgen.