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Flughafenverband und Bundesländer fordern Abschaffung der Ticketabgabe bei anhaltendem Passagierrückgang

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Die Diskussion über die Abgabenstruktur in der österreichischen Zivilluftfahrt hat Mitte Oktober 2026 eine neue Dynamik erhalten. Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) hat sich gemeinsam mit den Landesregierungen von Wien und Niederösterreich für eine ersatzlose Abschaffung der staatlichen Flugabgabe ausgesprochen.

Hintergrund der konzertierten Initiative sind rückläufige Verkehrsleistungen an den heimischen Verkehrsflughäfen. Im dritten Quartal 2026, das die reisestarken Sommermonate Juli bis September umfasst, verzeichneten die österreichischen Flughäfen einen Rückgang des Passagieraufkommens um 5,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Während der Flughafen Wien-Schwechat im ersten Halbjahr 2026 ein Minus von 3,2 Prozent auswies, verzeichnen nahegelegene Konkurrenzstandorte wie der Flughafen Bratislava im gleichen Zeitraum signifikante Zuwächse. Während Wirtschaftsverbände und Ländervertreter Standortnachteile im internationalen Wettbewerb geltend machen, stößt die Initiative im Parlament auf politischen Widerstand.

Verlagerungseffekte im ostmitteleuropäischen Flughafenwettbewerb

Aus Sicht der Flughafenbetreiber und der regionalen Wirtschaftspolitik führt die pauschale Flugabgabe in Höhe von zwölf Euro pro Passagier zu spürbaren Marktverschiebungen im Einzugsgebiet der Ostregion. Julian Jäger, Präsident der AÖV und Vorstand der Flughafen Wien AG, wies am 18. Oktober 2026 darauf hin, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten vor dem Hintergrund hoher Standortkosten vermehrt an Ausweichstandorte im benachbarten Ausland verlagern. Der Flugverkehr verschwinde dadurch nicht, sondern finde auf nahegelegenen Infrastrukturen statt.

Günther Ofner, Vorstandskollege von Jäger bei der Flughafen Wien AG, verwies darauf, dass die Passagierzahlen am rund 60 Kilometer entfernten Flughafen Bratislava im selben Maße zulegen, wie sie am Standort Wien zurückgehen. Durch die Entgeltstrukturen und das Fehlen einer staatlichen Ticketsteuer im Nachbarland Slowakei entstehen Preisunterschiede, die vor allem kostenbewusste Passagiere und Niedrigpreis-Anbieter anziehen. Auch Wolfgang Grimus, AÖV-Vizepräsident und Geschäftsführer des Flughafens Graz, betonte, dass auch die österreichischen Bundesländer-Airports von Stagnation betroffen seien und veränderte Rahmenbedingungen zur Wiederherstellung der regionalen Erreichbarkeit benötigten.

Politische Initiativen der Bundesländer Wien und Niederösterreich

Die Forderung nach einer Streichung der Flugabgabe wird von einer parteiübergreifenden Allianz der Bundesländer Wien und Niederösterreich getragen. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und der Klubobmann der Volkspartei Niederösterreich, Kurt Hackl, forderten die Bundesregierung auf, die Abgabe im Sinne der Standortsicherung rasch abzuschaffen. Hackl betonte am 18. Oktober 2026, dass der Flughafen Wien-Schwechat mit seinen rund 22.000 Beschäftigten in über 230 ansässigen Betrieben ein zentraler Beschäftigungsmotor der Region sei, dessen Wettbewerbsfähigkeit durch nationale Sonderbelastungen nicht gefährdet werden dürfe.

Unterstützung kommt auch aus der Wiener Landesregierung. Die Wiener Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak unterstrich am 18. Oktober 2026 die Notwendigkeit einer Evaluierung der Abgabe. Der Flughafen Wien erfülle eine Schlüsselfunktion für den Qualitätstourismus und die Erreichbarkeit der Bundeshauptstadt. Gleichzeitig wies Novak darauf hin, dass der Standort beim Anreiseverkehr Akzente setze, da bereits rund die Hälfte der Fluggäste mit der Bahn oder öffentlichen Verkehrsmitteln zum Terminal anreise. Eine Anpassung der Gebührenordnung sei notwendig, um im europäischen Städtenetz konkurrenzfähig zu bleiben.

Kontroverse im Parlament und Debatte über Privilegien

Gegen die geforderte Abschaffung der Flugabgabe regt sich jedoch politischer Einspruch im österreichischen Nationalrat. Elisabeth Götze, Verkehrs- und Wirtschaftssprecherin der Grünen, bezeichnete die Vorstöße der Landeshauptleute am 18. Oktober 2026 als Zugeständnis an die Luftfahrtindustrie. Die Parlamentarierin argumentierte, dass der Luftverkehr im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern bereits durch Ausnahmen bei der Treibstoff- und Umsatzsteuer begünstigt werde, was sich auf ein jährliches Begünstigungsvolumen von rund zwei Milliarden Euro summiere.

Götze bezweifelte, dass die Ticketabgabe die primäre Ursache für die verzeichneten Passagierrückgänge darstelle. Die Entwicklung sei vielmehr auf die allgemeine konjunkturelle Verhaltendheit im Land zurückzuführen. Anstelle einer vollständigen Streichung schlug die Abgeordnete eine Reform der Flugabgabe vor. Denkbar sei eine Differenzierung nach Beförderungsklassen, bei der Passagiere in gehobenen Klassen sowie Nutzer von Privatjets höhere Abgabensätze zu entrichten hätten als Passagiere in der Standard-Klasse.

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