Die australische Qantas hat den regulären Nonstop-Flugbetrieb auf der Langstreckenverbindung zwischen Perth an der australischen Westküste und dem Flughafen London Heathrow vorübergehend ausgesetzt. Grund für die operative Umstellung sind geänderte Flugrouten im Zuge der krisenbedingten Luftraumschließungen im Nahen Osten.
Durch das Ausweichen auf alternative Flugkorridore verlängert sich die reine Flugzeit der Verbindung um bis zu 45 Minuten, was die wirtschaftliche Zuladung der eingesetzten Boeing 787-9 bei Nonstop-Betrieb überschreiten würde. Um Passagier- und Frachtkapazitäten aufrechtzuerhalten, wird der Flug in Richtung Europa unter der Flugnummer QF209 nun mit einem Zwischenstopp auf dem Flughafen Singapur Changi durchgeführt. Damit verlängert sich die Gesamtreisezeit auf mehr als 20 Stunden. Die Wiederaufnahme der direkten Flüge ohne Ausweichstopp stellt die Airline für Februar 2027 in Aussicht.
Gewichtsbeschränkungen und Kapazitätsgrenzen der Boeing 787-9
Die Verbindung zwischen Perth und London, die am 25. März 2018 erstbeflogen wurde, gilt mit einer Distanz von über 14.400 Kilometern und einer durchschnittlichen Flugzeit von rund 17 Stunden als eine der längsten Passagierflugstrecken der Welt. Die auf dieser Route eingesetzte Boeing 787-9 stoßt dabei an die physikalischen Grenzen ihrer Reichweite, die vom Hersteller nominell mit 14.010 Kilometern angegeben wird. Um die geforderten Treibstoffreserven mitführen zu können, betreibt Qantas die Maschinen mit einer reduzierten Bestuhlung von lediglich 236 Sitzplätzen, verteilt auf drei Beförderungsklassen. Im Branchenvergleich ist dies eine extrem dünne Kabinenkonfiguration: Andere Betreiber wie Qatar Airways oder Turkish Airlines statten identische Flugzeugmuster mit über 300 Sitzplätzen aus.
Selbst bei dieser verringerten Maximalkapazität zwingen meteorologische Einflüsse und Winde auf der Westroute die Airline regelmäßig zu weiteren Gewichtseinschränkungen. Auswertungen des Dienstes Analytic Flying auf Basis staatlicher australischer Flugdaten zeigen, dass zwischen Oktober 2024 und September 2025 im Schnitt 219 Passagiere pro Westflug befördert wurden. Durchschnittlich mussten somit rund 16 Sitzplätze unbesetzt bleiben, um die geforderten Gewichtslimits einzuhalten. Durch die zusätzlichen Flugmeilen im Zuge der Routenanpassung um den Nahen Osten stieg die erforderliche Treibstoffmenge so stark an, dass ein wirtschaftlicher Betrieb ohne Passagierabstriche nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Durch den Zwischenstopp in Singapur entfallen diese Restriktionen, sodass pro Flug mehr als 60 zusätzliche Fluggäste aufgenommen werden können.
Ausbau der Direktverbindung nach Rom und Anpassungen auf der Paris-Route
Während die London-Verbindung umgeleitet werden muss, bleibt die im Juni 2022 reaktivierte Direktverbindung zwischen Perth und dem Flughafen Rom-Fiumicino von den Anpassungen unberührt. Mit einer Streckenlänge von knapp 13.350 Kilometern liegt die Flugdistanz nach Italien im regulären Toleranzbereich der Boeing 787-9, sodass keine technischen Zwischenstopps erforderlich sind. Nach Angaben der Fluggesellschaft verzeichnet die Rom-Route seit ihrer Einführung Auslastungsquoten von über 90 Prozent, wobei mehr als die Hälfte der Fluggäste von den Drehkreuzen an der australischen Ostküste über Perth anreisen.
Aufgrund dieser stabilen Buchungslage weitet Qantas das Angebot auf der Rom-Strecke für die Sommersaison 2026 deutlich aus. Die Reisesaison wird um acht Wochen verlängert und umfasst im Zeitraum von Mai bis Oktober 2026 bis zu vier wöchentliche Frequenzen. Dies entspricht einer Steigerung des Sitzplatzangebots um mehr als 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber stellte die Airline ihre direkte Verbindung von Perth nach Paris Charles de Gaulle im März 2026 ein und leitet diesen Dienst stattdessen über Singapur nach Sydney um, um auf den veränderten Buchungs- und Routenbedarf zu reagieren.
Erkenntnisse für das Langstreckenprojekt Project Sunrise und Erprobung der A350-1000ULR
Die Erfahrungen auf den Direktstrecken ab Perth dienen dem Konzern als betriebswirtschaftliche und operative Testbasis für das Projekt „Project Sunrise“. Ziel dieser Initiative ist die Einführung der weltweit längsten Passagier-Nonstop-Flüge von Sydney und Melbourne nach London und New York. Die geplante Flugdauer von bis zu 22 Stunden stellt extrem hohe Anforderungen an Fluggerät, Besatzungsplanung und Passagierkomfort.
Für diese Strecken hat Qantas insgesamt 12 speziell angepasste Großraumflugzeuge vom Typ Airbus A350-1000ULR geordert. Die Flugzeuge zeichnen sich durch einen zusätzlichen Treibstofftank mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Litern im Rumpf sowie ein erhöhtes maximales Startgewicht aus. Auch bei dieser Teilflotte setzt Qantas auf eine geringe Bestuhlungsdichte von nur 238 Sitzplätzen in vier Beförderungsklassen und richtet eine spezielle Freifläche zur Bewegung der Passagiere während der Langstreckenflüge ein.
Das erste Testflugzeug dieser Baureihenvariante mit der Herstellernummer MSN707 absolvierte am 2. Juni 2026 seinen erfolgreichen Erstflug vom Airbus-Werk in Toulouse. Die finale Auslieferung der ersten Serienmaschine an Qantas ist für April 2027 vorgesehen. Nach der aktuellen Planung der Airline sollen die Flugsicherheitsbehörden die Zulassung für das erhöhte Startgewicht erteilen, sodass die ersten Passagierflüge von Sydney nach London im Oktober 2027 und nach New York Mitte 2028 aufgenommen werden können.