Foto: Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.
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Ryanair will in Südwestdeutschland expandieren

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Ryanair verlagert ihre Präsenz im deutschen Flugverkehr gezielt an regionale Standorte im Südwesten der Bundesrepublik. Während die nach Passagierzahlen größte Fluggesellschaft Europas ihr Angebot an großen Verkehrsflughäfen wie Berlin-Brandenburg, Hamburg und Bremen verringert oder komplett einstellt, kündigte das Unternehmen eine Aufstockung der stationierten Flugzeuge und die Einführung neuer Flugrouten in Baden-Württemberg und Bayern an.

Wie Ryanairs Deutschland-Manager Marcel Meyer-Pouchain mitteilte, bieten vor allem die Regionalflughäfen Memmingen, Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen deutlich günstigere Kostenstrukturen und Entgeltsätze als die größeren deutschen Luftfahrtkreuze. Die Entscheidung verdeutlicht die Tendenz im europäischen Flugverkehr, Kapazitäten konsequent nach den Kriterien der betrieblichen Nebenkosten und Gebührenbelastungen zu verteilen.

Kostenunterschiede und Kapazitätsaufbau an süddeutschen Regionalflughäfen

Die Entscheidung von Ryanair, Kapazitäten im Südwesten aufzustocken, beruht im Wesentlichen auf den Gebührenstrukturen der jeweiligen Verkehrslandeplätze. An den dezentralen Standorten Memmingen, Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen profitieren Fluggesellschaften von geringeren Luftsicherheitsgebühren, reduzierten Bodenabfertigungsentgelten sowie flexiblen Betriebszeiten im Vergleich zu den überlasteten Großstadtflughäfen.

Anfang Oktober 2026 kündigte der Carrier an, sein Sitzplatzangebot am Flughafen Memmingen im Allgäu um zwölf Prozent auszuweiten. Memmingen dient der Airline als wichtige Basis im süddeutschen Raum mit Anbindungen nach Mittel- und Südeuropa. Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden plant die Fluggesellschaft die Aufnahme weiterer Direktverbindungen. Ergänzend bedient Ryanair erstmals auch in der Winterflugplanperiode den Bodensee-Airport Friedrichshafen. Durch die Stationierung zusätzlicher Flugzeuge vom Typ Boeing 737 an diesen Basen beabsichtigt die Gesellschaft, die operativen Umlaufzeiten kurz zu halten und die Flugzeugauslastung zu maximieren.

Rückzug aus norddeutschen Flughäfen und Kritik an staatlichen Abgaben

Dem Kapazitätsaufbau im Südwesten steht eine deutliche Reduzierung des Flugangebots in anderen Regionen Deutschlands gegenüber. Aus dem Flughafen Bremen zieht sich die Airline schrittweise vollständig zurück. An den Großflughäfen Berlin-Brandenburg und Hamburg kürzt Ryanair die Frequenzen sowie das Streckennetz erheblich.

Das Management begründet diese Einschränkungen mit der Höhe der staatlichen Flugabgabe in Deutschland sowie den gestiegenen Entgelten der Deutschen Flugsicherung und der Flughafenbetreiber. Konzernchef Michael O’Leary und Deutschland-Manager Marcel Meyer-Pouchain forderten wiederholt eine Absenkung der staatlichen Fixkosten, um den Standort Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Märkten konkurrenzfähig zu halten. Solange diese Abgabenstruktur bestehen bleibt, verlagert die Airline ihre Flugzeuge verstärkt auf europäische Standorte mit niedrigerer Gebührenbelastung wie Italien, Spanien oder Polen beziehungsweise auf kostenattraktive deutsche Regionalflughäfen.

Branchenkontext und betriebswirtschaftliche Bewertung

Die strategische Verteilung von Flugzeugmuster-Reihen durch Ryanair spiegelt die Eigenheiten des Geschäftsmodells von Billigfluggesellschaften wider. Diese Anbieter reagieren hochsensibel auf Schwankungen in den operativen Standortkosten, da geringe Gewinnspannen pro Passagier eine straffe Erlös- und Kostenkontrolle erfordern.

Für die betroffenen Regionalflughäfen im Südwesten bedeutet der Ausbau eine Erhöhung der Fluggastzahlen und eine stärkere Auslastung der Bodeninfrastruktur. Gleichzeitig weisen Luftfahrtexperten darauf hin, dass eine hohe Abhängigkeit von einzelnen Niedrigpreis-Anbietern ein betriebswirtschaftliches Risiko birgt, da diese ihre Kapazitäten bei veränderten Rahmenbedingungen rasch wieder an andere Standorte verlegen können. Die finale Ankündigung der genauen Flugverbindungen und Frequenzen für den Südwesten wird von der Führung der Airline in den kommenden Tagen vorgelegt.

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