Der Flughafen Bremen steht im Oktober 2026 vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und operativen Umstrukturierungen. Um dem Fehlbetrag von rund 13 Millionen Euro entgegenzuwirken, hat der Aufsichtsrat der Flughafen Bremen GmbH entschieden, dem bisherigen Alleingeschäftsführer Marc Cezanne den Branchenexperten Rainer Schwarz als Co-Geschäftsführer zur Seite zu stellen.
Der 69-jährige Manager erhält einen auf ein Jahr befristeten Vertrag und soll sich gezielt um die finanzielle Konsolidierung und die Restrukturierung des Betriebes kümmern. Hintergrund der zugespitzten Situation sind der vollständige Rückzug der irischen Niedrigpreis-Fluggesellschaft Ryanair ab dem Sommerflugplan 2027 sowie vorangegangene Verhandlungen über die Anbindung an das Drehkreuz Frankfurt mit der Deutschen Lufthansa. Die Personalentscheidung unterstreicht das Bemühen der Bremer Politik und des Aufsichtsrats, das finanziell angeschlagene Infrastrukturunternehmen wieder auf Kurs zu bringen.
Finanzielle Schieflage und der Streit um Flughafenentgelte
Das Geschäftsjahr 2026 verlief für den Flughafen Bremen von erheblichen Rückschlägen geprägt. Der operative Fehlbetrag der Flughafengesellschaft stieg im Laufe des Jahres auf 13 Millionen Euro an. Zu einer zusätzlichen Belastung führte die harte Verhandlungshaltung internationaler Fluggesellschaften bezüglich der Standortgebühren. Nachdem Lufthansa die Einstellung der Zubringerflüge zum Drehkreuz Frankfurt angekündigt hatte, gewährte der Flughafen Entgeltreduzierungen, woraufhin die Airline zustimmte, die Anbindung an das weltweite Streckennetz im Jahr 2027 zumindest in reduziertem Umfang aufrechtzuerhalten.
Diese Zugeständnisse riefen die irische Fluggesellschaft Ryanair auf den Plan, die ebenfalls Sonderkonditionen für ihre Starts und Landungen in Bremen einforderte. Nach Auskunft aus dem Aufsichtsrat verlangte die Airline Rabatte und Entlastungen im Umfang von rund vier Millionen Euro. Dem stand jedoch ein jährlicher Umsatz von lediglich knapp drei Millionen Euro gegenüber, den der Flughafen mit Ryanair erwirtschaftete. Nach Angaben aus dem Büro der Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt hatte die Airline gefordert, die Flughafeninfrastruktur nahezu kostenfrei nutzen zu können. Da der Flughafen diese Bedingungen ablehnte, meldete Ryanair für die Sommerperiode 2027 kein Flugprogramm mehr für Bremen an. Mit dem Wegfall der Airline verliert der Standort auf einen Schlag rund 400.000 Passagiere pro Jahr, was etwa einem Fünftel des gesamten Bremer Fluggastaufkommens entspricht. Aufsichtsratschef Kai Stührenberg bezeichnete den Abzug der Fluggesellschaft vor diesem Hintergrund als extrem belastend für das Unternehmen.
Persönliches Profil und Aufgabenstellung des neuen Sanierungsgeschäftsführers
Mit Rainer Schwarz holt der Aufsichtsrat einen der erfahrensten und zugleich kontroversesten Führungskräfte der deutschen Luftverkehrsbranche nach Bremen. Schwarz leitete im Laufe seiner beruflichen Karriere die Verkehrsflughäfen Nürnberg, Düsseldorf, Berlin-Brandenburg sowie Rostock-Laage. Zuletzt stand er bis Ende 2025 an der Spitze des Flughafens Münster-Osnabrück. In Berlin wurde Schwarz im Jahr 2013 im Zuge der Verzögerungen bei der Eröffnung des Flughafens BER entlassen, setzte sich jedoch anschließend gerichtlich erfolgreich gegen die fristlose Kündigung durch.
In der Branche gilt Schwarz als Manager mit fundierten Kenntnissen im Kostenmanagement sowie mit guten Kontakten zu den Führungsriegen der europäischen Niedrigpreis-Fluggesellschaften. Während seiner Amtszeit am Flughafen Münster-Osnabrück gelang es ihm, Ryanair wieder an den Standort zu binden und signifikante Passagierzuwächse zu erzielen. In Bremen liegt sein Fokus nun darauf, die Sparmaßnahmen im laufenden Betrieb zu verschärfen und gleichzeitig neue Erlösquellen im Bereich der Entgelte und der Nicht-Flugzeug-Abwicklung zu erschließen.
Perspektiven für eine Wiederaufnahme von Flügen mit Ryanair
Trotz der verhärteten Fronten zwischen der Bremer Politik und Ryanair schließt das neue Management eine Wiederaufnahme von Verhandlungen nicht aus. Schwarz deutete gegenüber regionalen Medien an, dass eine Rückkehr der irischen Fluggesellschaft denkbar sei, sofern wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen geschaffen werden können. Es müsse gelingen, der Fluggesellschaft attraktive Konditionen aufzuzeigen, ohne dass die Flughafengesellschaft Verluste mit den Flügen einfährt.
Luftfahrtexperten verweisen darauf, dass dezentrale deutsche Regionalflughäfen im Wettbewerb mit ausländischen Standorten durch hohe staatliche Standortkosten – wie Luftverkehrsteuer, Flugsicherungsgebühren und Luftsicherheitskosten – belastet sind. Während Großflughäfen die Ausfälle durch ein hohes Passagieraufkommen abfedern können, führt der Abzug einzelner Großkunden an mittleren Flughäfen wie Bremen unmittelbar zu gravierenden Einnahmeverlusten. Die kommenden zwölf Monate werden zeigen, ob dem Duo Cezanne und Schwarz die Wende gelingt oder ob der Bremer Haushalt weitere Zuschüsse bereitstellen muss.