Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) tritt mit dem 25. Oktober 2026 der Winterflugplan 2026/2027 in Kraft. Trotz des weitgehenden Rückzugs des irischen Billigfliegers Ryanair, der seine Berliner Basis mit mehreren stationierten Flugzeugen auflöst und zwölf Strecken einstellt, fällt das Gesamtangebot mit 140 Zielen in 50 Ländern nominell leicht größer aus als in der Vorjahressaison.
Rund 70 Fluggesellschaften bedienen den Hauptstadtflughafen bis zum 27. März 2027. Dass der Ausfall der Passagierkapazitäten kurzfristig durch andere Carrier aufgefangen wird, überdeckt jedoch nicht die strukturellen Konsolidierungsmaßnahmen und die anhaltende Debatte über die hohe Abgabenlast an deutschen Verkehrsflughäfen.
Insbesondere die Wettbewerber Eurowings und Wizz Air nutzen die entstehende Marktlücke und stocken ihr Streckennetz in Berlin deutlich auf. Eurowings baut die Präsenz auf 40 Destinationen aus und übernimmt unter anderem gestrichene Italien-Verbindungen wie Rom und Bologna, während Ziele wie Lissabon, Porto und Bilbao erstmals durchgehend im Winter bedient werden. Zusätzlich baut die Lufthansa-Tochter das Nahost-Angebot mit Flügen nach Dubai, Dschidda und ab Dezember nach Bagdad aus. Der ungarische Low-Cost-Anbieter Wizz Air erweitert sein Streckennetz auf 17 Ziele und fängt Streichungen auf den Strecken nach Mailand-Malpensa, Vilnius sowie Sarajevo auf. Auch Drehkreuzverbindungen nach Nahost legen durch aufgestockte Frequenzen von Qatar Airways und Condor-Verbindungen nach Abu Dhabi zu.
Infrastrukturell reagiert die Betreibergesellschaft auf das veränderte Flug- und Passagieraufkommen mit angepassten Abläufen im Terminalbereich. Ab dem 2. November 2026 werden die Öffnungszeiten im Terminal 2 an die modifizierten Abflugzeiten der dort verbliebenen Fluggesellschaften angeglichen, wobei der Check-in künftig zwei bis zweieinhalb Stunden vor Abflug öffnet.
Luftfahrtexperten und die Flughafenführung weisen darauf hin, dass das quantitative Ausweiten von Flugzielen durch Eurowings und Wizz Air den Verlust an günstigen Basiskapazitäten nur teilweise ausgleicht. Die Schließung von dezentralen Basen durch Ultra-Low-Cost-Anbieter wie Ryanair verdeutlicht den Druck auf den deutschen Luftverkehrsstandort, wo steigende staatliche Luftsicherheitsgebühren und Luftverkehrssteuern die Rentabilität von Strecken auf Sekundärmärkten zunehmend einschränken.