Boeing 777-300ER (Foto: Emirates).
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Emirates will vorläufig nicht nach Berlin fliegen

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Die in Dubai ansässige Fluggesellschaft Emirates verzichtet vorerst auf die Aufnahme von Linienflügen zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER).

Trotz der im September 2026 von der deutschen Bundesregierung eingeräumten Option, einen fünften deutschen Landepunkt anzufliegen, stellt das Unternehmen den Start einer Direktverbindung zwischen der Bundeshauptstadt und dem Drehkreuz im Nahen Osten vorübergehend zurück. Emirates-Präsident Tim Clark begründete diesen Schritt auf der Luftfahrtkonferenz World Routes in Frankfurt am Main mit noch ungeklärten Details und Auslegungsfragen im neu gefassten Luftverkehrsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Branchenkreise verweisen in diesem Zusammenhang auf restrictive Koppelungsbestimmungen, die ein weiteres Frequenzwachstum an den bisherigen vier deutschen Standorten der Airline begrenzen würden. Die Entscheidung setzt einer jahrelangen Debatte um die Anbindung der Hauptstadtregion an die Golfstaaten eine neue Wendung auf.

Rechtliche Unklarheiten und restriktive Koppelungsklauseln im Abkommen

Grundlage der aktuellen Festgefahrenheit ist die im September 2026 erzielte Vereinbarung zwischen den Regierungen Deutschlands und der Vereinigten Arabischen Emirate. Im Zuge eines bilateralen Wirtschaftstreffens hatte die Bundesregierung zugesagt, Fluggesellschaften aus den VAE das Anfliegen eines fünften deutschen Flughafens mit bis zu sieben wöchentlichen Frequenzen zu gestatten. Im Gegenzug verlangt die diplomatische Vereinbarung jedoch eine Deckelung der Kapazitäten an den bereits bedienten Flughäfen Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg.

Für Emirates würde die Inanspruchnahme des Standorts Berlin bedeuten, dass ein künftiger Ausbau an den bestehenden Drehkreuzen ausgeschlossen ist. Dies beträfe beispielsweise die Wiederaufnahme von drei täglichen Umläufen nach München oder eine Aufstockung auf vier tägliche Verbindungen nach Frankfurt. Zudem sieht das Regelwerk Einschränkungen bei den sogenannten Rechten der fünften Freiheit der Luftfahrt vor, die Weiterflüge von deutschen Flughäfen in Drittstaaten regeln, sowie Anforderungen an die Offenlegung von Unternehmensdaten. Tim Clark betonte, dass vor einer operativen Aufnahme von Flügen nach Berlin vollständige Klarheit über die genaue juristische Formulierung und den Geist der Vereinbarung herrschen müsse.

Wirtschaftspolitische Hintergründe und Bedenken der heimischen Luftfahrt

Die Einräumung der zusätzlichen Verkehrsrechte durch die Bundesregierung erfolgte im Kontext umfangreicher Investitionszusagen der Vereinigten Arabischen Emirate in Höhe von rund 40 Milliarden Euro in deutsche Infrastrukturprojekte. Während Landesregierungen in Berlin und Brandenburg sowie lokale Wirtschaftsverbände die Öffnung des Marktes für die Golf-Carrier begrüßten, stößt das Abkommen bei deutschen Fluggesellschaften, Gewerkschaften und Flughafenverbänden auf Vorbehalte.

Die Deutsche Lufthansa, der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sowie das hessische Wirtschaftsministerium warnten vor einer Schwächung der deutschen Drehkreuze Frankfurt am Main und München. Es wird befürchtet, dass die Direktanbindung Berlins durch Kapazitäten aus den Golfstaaten Passagierströme im Langstreckenverkehr abzieht und damit Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung an heimischen Standorten gefährdet. Der Vorstoß zur Anbindung des BER erfolgte zudem vor dem Hintergrund, dass die deutsche Fluggesellschaft Condor ihre Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Berlin und Dubai im Winterflugplan 2026/2027 aus wirtschaftlichen Erwägungen eingestellt hatte und eine angedachte Kooperation zwischen Condor und Emirates nicht zustande kam.

Bewerberfeld und alternative Netzwerkkonzepte aus den VAE

Die neu ausgehandelten Verkehrsrechte sind nicht exklusiv an Emirates gebunden, sondern stehen allen zugelassenen Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten offen. Als potenzielle Interessenten gelten neben Emirates auch Etihad Airways aus Abu Dhabi, Air Arabia aus Sharjah sowie die Fluggesellschaft Flydubai. Etihad Airways bedient im laufenden Flugbetrieb die Ziele Frankfurt, München und Düsseldorf. Air Arabia baut ihre Präsenz in Deutschland aus und nimmt im Dezember 2026 neben München auch Verbindungen nach Frankfurt und Düsseldorf auf.

Flydubai, die eng mit Emirates über Codeshare-Abkommen kooperiert, bedient im deutschsprachigen Raum bisher Standorte wie Salzburg und Basel. Ein reines Codeshare-Modell über Partnergesellschaften stellt für Emirates jedoch keinen vollständigen Ersatz für eine mit eigenem Fluggerät betriebene Route zwischen Berlin und Dubai dar. Da Emirates für Berlin zwar bereits Zeitnischen beantragt hatte, der operative Start nun jedoch blockiert ist, halten Branchenbeobachter eine Flugaufnahme vor dem Sommerflugplan 2027 für unwahrscheinlich.

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