Die Deutsche Lufthansa AG setzt nach dem Scheitern der Verhandlungen über einen betrieblichen Interessenausgleich die endgültige Abwicklung ihrer Tochtergesellschaft Lufthansa CityLine GmbH fort.
Der Flugbetrieb der auf Kurz- und Mittelstrecken spezialisierten Regionalgesellschaft war im April 2026 vorgezogen und vorläufig eingestellt worden. Als Gründe nannte das Konzernmanagement gestiegene Treibstoff- und Personalkosten sowie die schrittweise Übernahme von Strecken durch die 2023 neu gegründete Konzerntochter Lufthansa City Airlines.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) übt scharfe Kritik an der Vorgehensweise des Managements und fordert verbindliche Absicherungen für die verbleibende Belegschaft. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung baut der Konzern durch das Angebot von Aufhebungsverträgen und ungeplanten Konzernwechseln Druck auf das Personal aus, um Abfindungen zu umgehen. Vorstandsmitglied und CityLine-Pilotin Anja Granvogl kritisierte, dass der in den Raum gestellte Verzicht auf finanzielle Abfindungsregelungen angesichts jahrelanger Betriebstreue der Beschäftigten kein tragfähiges Fundament für den Konzernumbau darstelle.
Seitens der Lufthansa-Konzernführung wird darauf verwiesen, dass den Mitarbeitenden Möglichkeiten zum Wechsel innerhalb des Konzerns angeboten werden, unter anderem zur neu aufgestellten Lufthansa City Airlines. Zudem gelte für Teile des Personals ein bestehender Tarifvertrag zum Arbeitsplatzschutz, der nach Unternehmensangaben zweijährige Kündigungsschutzfristen unter Weiterzahlung der Bezüge vorsehe. Dennoch bleiben die Verhandlungen auf betrieblicher und tariflicher Ebene über die konkrete Abwicklung und Abfindungsstrukturen festgefahren.
Branchenexperten sehen in der Schließung der CityLine einen Teil der langfristigen Neuausrichtung des Lufthansa-Konzerns im Feeder-Verkehr zu den Drehkreuzen Frankfurt und München. Während der Wechsel von Strecken auf kostengünstigere Fluggesellschaftszertifikate innerhalb der Unternehmensgruppe die Betriebskosten senken soll, belastet der schwelende Tarifkonflikt mit der Vereinigung Cockpit das Betriebsklima und erhöht das Risiko weiterer rechtlicher Auseinandersetzungen im Nachgang der Betriebsstilllegung.