Reisebusse (Foto: Jan Gruber).
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Wirtschaftlicher Druck im österreichischen Personennah- und Reiseverkehr

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Eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zeichnet ein besorgniserregendes Bild der Personentransportbranche im Bundesgebiet.

Die Anzahl der in Österreich ansässigen Busunternehmen ist zwischen 2019 und 2025 um 13,4 Prozent gesunken. Dem ursprünglichen Stand von 1.229 registrierten Betrieben stehen im Jahr 2025 lediglich noch 1.064 Unternehmen gegenüber, was einem Nettoverlust von 165 Transportdienstleistern entspricht. Der Branchenverband warnt vor den negativen Folgen dieser Entwicklung für das flächendeckende Mobilitätsangebot, insbesondere im ländlichen Raum. Ergänzend zeigt eine zwischen August und September 2026 durchgeführte Befragung unter den Mitgliedsbetrieben, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen geplante Modernisierungen und Neuanschaffungen aufgrund der veränderten Kostenstruktur aussetzen oder stornieren mussten.

Flächendeckender Ausdünnungsprozess über alle Teilsegmente

Der krisenhafte Trend zieht sich durch sämtliche Teilbereiche des gewerblichen Busverkehrs. Das Hauptsegment, der Gelegenheitsverkehr mit Ausflugs- und Reisebussen, verzeichnete im Betrachtungszeitraum einen Rückgang von 904 auf 783 Unternehmen. Dies entspricht einem Minus von 13,4 Prozent. Im Linienverkehr sank die Zahl der Betriebe von 229 auf 202, was einen Rückgang um 11,8 Prozent bedeutet.

Besonders drastisch stellt sich die Lage im Nischenbereich der Spezialausflüge und Stadtrundfahrten dar: Hier reduzierte sich die Zahl der gewerblich Aktiven von 96 auf 79 Anbieter, was einem prozentualen Einbruch von 17,7 Prozent gleichkommt. Marktbeobachter führen den Strukturwandel auf eine Kumulation mehrerer Belastungsfaktoren zurück. Neben den gestiegenen Beschaffungskosten für Neu- und Ersatzfahrzeuge schlagen vor allem die veränderten Zins- und Personalkosten sowie der allgemeine Margendruck im Auftragsverkehr durch staatliche oder kommunale Aufgabenträger zu Buche.

Kostenentwicklung bremst Erneuerung der Fahrzeugflotten und Infrastruktur

Die im Auftrag der WKÖ-Berufsgruppe Bus durchgeführte Branchenbefragung, an der sich im Zeitraum vom 12. August bis 15. September 2026 insgesamt 128 Busbetriebe beteiligten, legt die ökonomischen Barrieren offen. 53 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie in den vorangegangenen 12 bis 24 Monaten eingeplante Investitionen aufgeschoben oder komplett abgesagt haben. Lediglich 37 Prozent der Betriebe verzeichneten die finanzielle Leistungsfähigkeit, ihre Vorhaben im vorgesehenen Rahmen umzusetzen.

Als primärer Auslöser für das Aussetzen von Investitionsmaßnahmen werden von 49 Prozent der Firmen die stark gestiegenen Energie- und Treibstoffkosten genannt. Die aufgeschobenen Vorhaben betreffen Kernbereiche der betrieblichen Substanzerhaltung: 84 Prozent der investitionswilligen Betriebe planten eigentlich die Anschaffung neuer Fahrzeugtypen. Zudem entfallen notwendige Budgetmittel auf die Digitalisierung von Buchungs- und Betriebssystemen (37 Prozent) sowie auf die Instandhaltung und Modernisierung von Werkstätten, Betriebshöfen und Immobilien (34 Prozent).

Gefährdung der Betriebsexistenz und Begrenzung bei der Kostenweitergabe

Erhöhte Ausgaben für Dieselkraftstoffe und Netzenergie werden von 95 Prozent der Befragten als wesentliche betriebliche Belastung eingestuft. In vertraglich gebundenen Segmenten wie dem Schüler-, Linien- und öffentlichen Auftragsverkehr verfügen die Unternehmen kaum über Handlungsspielräume, um unvorhergesehene Preissteigerungen kurzfristig an die Auftraggeber oder Endkunden weiterzureichen. Dies führt zu einer Auszehrung der Eigenkapitalreserven und zu einer Absenkung der verbleibenden Ertragsspannen.

Die Erhebung verdeutlicht eine kritische Einschätzung der eigenen Zukunftsperspektiven: 35 Prozent der Umfrageteilnehmer beziffern das Risiko, bei einem anhaltenden Kostenanstieg innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre in eine existenzgefährdende wirtschaftliche Schieflage zu geraten, als hoch oder sehr hoch. Martin Horvath, Sprecher der österreichischen Busbranche in der WKÖ, wies darauf hin, dass die fehlende Reinvestitionsfähigkeit der Betriebe das langfristige Erreichen einer funktionierenden Grundversorgung bedroht.

Bedeutung für die regionale Anbindung und den Wirtschaftsstandort

Verkehrsexperten unterstreichen, dass die Busbranche einen zentralen Baustein in der ökonomischen Infrastruktur Österreichs bildet. Insbesondere außerhalb der städtischen Ballungsräume stellt der Busverkehr das Rückgrat der öffentlichen Schüler- und Pendlerbeförderung dar. Fällt das Angebot privater und mittelständischer Betriebe weg, drohen Lücken in den regionalen Fahrplänen, die von öffentlichen Aufgabenträgern nur unter hohem finanziellem Mehraufwand kompensiert werden können.

Damit die Unternehmen die Modernisierung der Flotten aufrechterhalten und Fahrplanangebote in der Fläche sichern können, fordert die Wirtschaftskammer verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie Anpassungen in den öffentlichen Vergabemodellen. Ein Fortschreiten des Betriebssterbens würde nicht nur die Flexibilität des heimischen Tourismus- und Reiseverkehrs einschränken, sondern auch die regionale Mobilitätssicherheit im Bundesgebiet nachhaltig beeinträchtigen.

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