Die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines nimmt für den Sommerflugplan 2027 spürbare Kapazitätsanpassungen auf ihren Strecken von Wien in die Balkanregion vor. Wie aus Branchenberichten des Fachportals ExYuAviation hervorgeht, kürzt die Tochtergesellschaft des Lufthansa-Konzerns je nach Frequenz und Monat zwischen 30 und 90 wöchentliche Verbindungen auf den Routen nach Südosteuropa.
Betroffen von den Ausdünnungen sind unter anderem Verbindungen nach Kroatien, Nordmazedonien und Montenegro. Während Austrian Airlines ihr Angebot im Kurz- und Mittelstreckensegment neu strukturiert und kleineres Fluggerät einsetzt, nutzt die serbische Nationalgesellschaft Air Serbia die veränderte Marktlage zur Ausweitung ihres eigenen Netzes nach Österreich. Mit der Aufnahme einer Direktverbindung von Niš nach Wien ohne staatliche Subventionen verstärkt sich der Wettbewerb auf den Zubringerstrecken im Donauraum.
Anpassungen des Flugplans und Frequenzkürzungen im Sommerhalbjahr 2027
Die geplanten Streichungen betreffen sowohl Hauptreisezustiege in den Sommermonaten Juli und August als auch Randzeiten der Vor- und Nachsaison. Auf der stark von Touristen und Transferpassagieren genutzten Verbindung zwischen Wien und der kroatischen Küstenstadt Dubrovnik reduziert Austrian Airlines das Angebot in den Hauptmonaten Juli und August 2027 auf elf wöchentliche Flüge. In den Vergleichszeiträumen der Vorjahre hatte die Fluggesellschaft auf dieser Strecke noch 15 beziehungsweise 16 wöchentliche Umläufe im Flugplan verankert.
Auch auf den Flugrouten nach Split sowie in die montenegrinische Hauptstadt Podgorica kommt es zu punktuellen Kapazitätsreduktionen. In den Monaten der Nebensaison entfallen dort jeweils ein bis zwei wöchentliche Abflüge. Neben Frequenzstreichungen setzt die Airline auf einzelnen Strecken kleineres Fluggerät ein, um die Auslastung der Maschinen zu optimieren. Auf der Route nach Skopje bleibt die Anzahl der wöchentlichen Abflüge zwar rechnerisch konstant, das zur Verfügung stehende Sitzplatzangebot sinkt jedoch um etwa 15 Prozent. Ursächlich hierfür ist der verstärkte Einsatz von Embraer-E195-Regionaljets anstelle größerer Maschinen der Airbus-A320-Familie. Zudem verschiebt sich der Saisonstart für die Direktverbindung in die nordmazedonische Stadt Ohrid vom ursprünglich vorgesehenen 16. Mai 2027 auf den 1. Juni 2027.
Markteintritt von Air Serbia auf der Direktverbindung von Niš nach Wien
Parallel zu den Kapazitätskürzungen von Austrian Airlines baut die serbische Fluggesellschaft Air Serbia ihre Präsenz auf dem österreichischen Markt weiter aus. Das Luftfahrtunternehmen hat eine neue Linienverbindung aufgenommen, die die südserbische Industriestadt Niš zweimal wöchentlich direkt mit dem Drehkreuz Wien-Schwechat verbindet. Für den Betrieb dieser Strecke setzt Air Serbia Turboprop-Flugzeuge des Typs ATR 72-600 ein, die sich für Strecken im Kurzstreckensegment mit moderatem Passagieraufkommen eignen.
Eine Besonderheit dieser neuen Flugverbindung liegt in ihrer kommerziellen Ausrichtung. Während ein Großteil der ab dem Flughafen Niš angebotenen internationalen Strecken im Rahmen von PSO-Verträgen (Public Service Obligation) durch staatliche Beihilfen der serbischen Regierung gefördert wird, wird die Verbindung nach Wien als rein eigenwirtschaftliche Route ohne öffentliche Zuschüsse betrieben. Dies deutet auf eine stabile Nachfrage durch Reisetätigkeiten von Arbeitskräften, Heimkehrern und Geschäftsreisenden zwischen der Region Niš und dem Großraum Wien hin.
Hintergründe der Netzwerkoptimierung und Wettbewerbssituation im Binnenmarkt
Die Frequenzanpassungen bei Austrian Airlines spiegeln die laufenden Bemühungen der Fluggesellschaft wider, das Streckennetz angesichts gestiegener Betriebskosten und veränderter Flottenverfügbarkeiten zu konsolidieren. Der Heimatmarkt Wien dient dem Unternehmen traditionell als zentrales Drehkreuz für den Transferverkehr zwischen West- und Südosteuropa. Durch die Reduzierung von Spitzenfrequenzen auf touristisch geprägten Balkanrouten versucht das Management, die Flottenauslastung zu glätten und Kapazitäten auf ertragsstärkere Strecken im europäischen Gesamtnetz zu verlagern.
Der Markteintritt von Air Serbia verdeutlicht gleichzeitig die veränderte Wettbewerbsdynamik in Südosteuropa. Während etablierte Netzwerkträger ihre Angebote auf Sekundärrouten straffen, besetzen regionale Anbieter frei werdende Marktanteile im Punkt-zu-Punkt-Verkehr. Die Nutzung kleinerer Turboprop-Maschinen wie der ATR 72-600 ermöglicht es Mitbewerbern, Direktverbindungen auch bei niedrigeren Passagierzahlen wirtschaftlich zu betreiben und damit eine Alternative zum Transferverkehr über das Wiener Drehkreuz zu bieten.