Die Attraktivität Deutschlands für ausländische Unternehmensansiedlungen hat sich im Laufe des Jahres 2025 weiter abgeschwächt. Gemäß den Daten der Beratungsgesellschaft EY verzeichnete die Bundesrepublik mit 548 angekündigten Investitionsprojekten ausländischer Unternehmen einen Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, was den niedrigsten Stand seit 2009 darstellt.
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) führt diese Abnahme auf die verringerte Netzanbindung im Luftverkehr zurück. Seit 2019 wurden an deutschen Verkehrsflughäfen fast 300 Direktverbindungen gestrichen, während das jährliche Flugangebot auf den verbleibenden Strecken um etwa 250.000 Flüge gesunken ist.
International agierende Konzerne verknüpfen ihre Standortentscheidungen eng mit der direkten Erreichbarkeit regionaler Niederlassungen und internationaler Absatzmärkte. BDF-Geschäftsführer Michael Engel betont, dass der systematische Ausfall von Direktverbindungen die betriebliche Erreichbarkeit ausländischer Muttergesellschaften erschwert und somit die Standortqualität der Bundesrepublik belastet. Um ein weiteres Abwandern von Kapazitäten ins europäische Ausland zu verhindern, fordert der Branchenverband die Bundesregierung auf, die staatlich festgelegten Standortkosten – darunter die Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsabgaben – spürbar zu reduzieren.
Luftfahrt- und Wirtschaftskritiker stellen heraus, dass die Standortkosten nur ein Element im Gesamtzustand des deutschen Wirtschaftsstandorts bilden. Strukturelle Rahmenbedingungen wie hohe Energiepreise, bürokratische Auflagen und der anhaltende Fachkräftemangel beeinflussen die Investitionsbereitschaft ausländischer Unternehmen ebenso wie das verringerte Flugangebot. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass dezentrale deutsche Flughafenstandorte im europäischen Vergleich bei der Wiederherstellung des Flugangebots auf Vor-Krisen-Niveau zurückbleiben, da Fluggesellschaften Flugzeuge verstärkt an Standorte mit geringerer Abgabenbelastung verlagern.