Der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing sieht sich bei der angestrebten Hochlaufkurve seines wichtigsten Passagierflugzeugs mit weiteren zeitlichen Rückschlägen konfrontiert.
Die Zielmarke, monatlich 47 Maschinen des Schmalrumpfflugzeugs 737 Max zu fertigen, wird der Konzern erst Anfang des kommenden Jahres erreichen. Ursprünglich hatte das Management diesen Wert bereits für den Sommer 2026 vorgegeben. Die erneute Verschiebung belastet die finanziellen Aussichten des Herstellers spürbar, da die Auslieferungen der 737 Max als wesentlicher Treiber für den operativen Barmittelzufluss des Unternehmens gelten. Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf die Nachricht: Die Boeing-Aktie verzeichnete an der New Yorker Börse im frühen Handel einen Kursabschlag von fünf Prozent.
Verzögerungen im Fertigungsprozess und verfehlte Markterwartungen
Auf dem US-Konzern lastet seit Monaten hoher Druck von Seiten der Fluggesellschaften und Investoren, die Auslieferungszahlen im Segment der Standardrumpfflugzeuge rasch zu erhöhen. Der seit Sommer 2024 amtierende Vorstandsvorsitzende Kelly Ortberg betonte in einem Fernsehinterview mit dem US-Sender CNBC, dass der Konzern die Schlagzahl im Werk Renton im Bundesstaat Washington zwar kontinuierlich steigere, dabei jedoch mit besonnener Disziplin vorgehe. Ziel sei es, Ratensteigerungen ausschließlich auf Basis stabiler Prozesse umzusetzen, um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.
Bereits im September 2026 hatte der Konzernchef eingeräumt, dass Engpässe bei der internen Tragflächenproduktion das Gesamttempo der Endmontage einbremsen. Vor Ortbergs Amtsantritt hatte Boeing jahrelang mit Qualitätsproblemen und Fertigungsmängeln gekämpft. Diese Mängel wurden von Aufsichtsbehörden und Branchenexperten auf überhastete Erhöhungen der Monatsproduktion zurückgeführt, die zu Lasten der Verarbeitungsqualität gingen. Die Behebung dieser Mängel erfordert nun intensivere Prüfschritte, die den Ausstoß bremsen.
Ergebnisrechnung der Zivilluftfahrtsparte im dritten Quartal 2026
Die anhaltenden Bremsspuren in der Fertigung spiegeln sich deutlich in den Finanzergebnissen für das dritte Quartal von Juli bis September 2026 wider. Boeing verbuchte für den Gesamtkonzern einen bereinigten Verlust von 34 US-Cent je Aktie. Damit verfehlte das Unternehmen die Prognosen von Marktanalysten, die im Schnitt nach Daten des Finanzdienstleisters LSEG lediglich mit einem Fehlbetrag von 21 US-Cent gerechnet hatten.
Besonders die Sparte für Zivilflugzeuge, Boeing Commercial Airplanes (BCA), verharrte tief in den roten Zahlen. Der Spartenumsatz sank leicht auf 10,7 Milliarden US-Dollar, während das operative Ergebnis einen Verlust von 697 Millionen US-Dollar auswies. Das Management begründete den Fehlbetrag mit einer im Vorjahresvergleich weniger profitablen Zusammensetzung der ausgelieferten Maschinen sowie mit weiter steigenden Produktions- und Beschaffungskosten entlang der gesamten Lieferkette.
Fortschritte bei behördlichen Zulassungen und anhaltende Engpässe bei Großraumflugzeugen
Trotz der Verzögerungen bei der Produktionsrate konnte der Konzern auf regulatorischer Seite wichtige Etappenerfolge verbuchen. Im abgelaufenen Sommerquartal erteilte die US-Luftfahrtbehörde FAA die Typenzulassung für die kleinere Modellvariante 737 Max 7. Im Oktober 2026 folgte schließlich die behördliche Zertifizierung der größten Variante, der 737 Max 10, womit die Testphase für die gesamte Modellfamilie nach mehrjährigen Verzögerungen abgeschlossen werden konnte.
Sorgen bereiten dem Management jedoch weiterhin die Produktionsabläufe bei den Großraumflugzeugen. Sowohl bei der Montage des Langstreckenjets 787 Dreamliner als auch bei der Fertigung des zweimotorigen Frachters 777-200F kommt es aufgrund von Teilemängeln bei externen Zulieferern zu Verzögerungen. Boeing muss daher erhebliche Ressourcen aufwenden, um die weltweiten Lieferketten zu stabilisieren und den Hochlauf der Fertigungslinien schrittweise abzusichern.