Eine aktuelle Preiserhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt erhebliche Preisunterschiede im oberösterreichischen Wellness- und Beherbergungssektor auf. Als Bewertungsgrundlage für die Marktuntersuchung diente die Kategorisierung des Branchenführers Relax Guide Österreich 2027.
Bei der Abfrage der Kosten für ein Wochenende im November 2026 für zwei Personen im Doppelzimmer inklusive Halbpension wurden bei Häusern mit identischer Punktbewertung Preisunterschiede von bis zu 602 Euro festgestellt. Während das preiswerteste Angebot für zwei Übernachtungen in der Kategorie für durchschnittliche Qualitätsstandards bei 498 Euro lag, verlangten Mitbewerber der gleichen Klassifizierungsstufe bis zu 1.100 Euro. Die Erhebung verdeutlicht, dass Konsumentinnen und Konsumenten vor der Buchung von Kurzurlauben die Leistungspakete, Verpflegungsarten und Nebenkosten genau vergleichen müssen, um unnötige Aufpreise zu vermeiden.
Erhebungsmethodik und Rücklaufquote der Hotelbefragung
Für die Marktübersicht kontaktierte die Arbeiterkammer Oberösterreich insgesamt 45 Wellnesshotels im Bundesland. Erfragt wurden die Konditionen für einen Wochenendaufenthalt im November 2026 für zwei Personen im preiswertesten verfügbaren Doppelzimmer. Von den angefragten Betrieben befanden sich fünf Häuser im Erhebungszeitraum im Betriebsurlaub, während ein Betrieb die Anfrage unbeantwortet ließ. Die Datenbasis umfasst somit die Rückmeldungen von 39 aktiven Beherbergungsbetrieben.
Hinsichtlich der inkludierten Verpflegungsleistungen zeigten sich unterschiedliche Angebotsstrukturen. Bei der Mehrheit der untersuchten Hotels war die Halbpension standardmäßig im Gesamtpreis enthalten. Bei sechs Betrieben beschränkte sich das Inklusivangebot auf das Frühstück, während vier Hotels ausschließlich All-inclusive-Arrangements anboten. Der Zugang zu den hauseigenen Bade- und Saunalandschaften war bei allen Rückmeldungen im Grundpreis inbegriffen.
Zusatzkosten für die ganztägige Nutzung am An- und Abreisetag
Ein wesentliches Prüfkriterium der Erhebung betraf die Flexibilität bei der Nutzung der Wellnessbereiche außerhalb der regulären Zimmerbelegungszeiten. Da die Zimmer in den meisten Hotels üblicherweise zwischen 14:00 Uhr und 16:00 Uhr bezogen werden können und am Abreisetag im Laufe des Vormittags geräumt werden müssen, verlangen viele Betriebe für die ganztägige Nutzung der Spa-Infrastruktur am An- und Abreisetag zusätzliche Gebühren.
Die Erhebung ergab, dass lediglich neun der untersuchten Hotels die ganztägige Nutzung des Wellnessbereichs am Anreise- sowie am Abreisetag ohne Zusatzkosten im regulären Zimmerpreis gewähren. Bei den übrigen Häusern werden für diesen erweiterten Aufenthalt gesonderte Tagespauschalen berechnet, was die Gesamtkosten für das Wochenende weiter erhöht.
Diskrepanzen bei Stornobedingungen und Preis-Leistungs-Verhältnissen
Spürbare Unterschiede traten auch bei den Stornierungsbedingungen der Betriebe zutage. Die Fristen für eine kostenfreie Stornierung der Buchung variieren am oberösterreichischen Markt zwischen 90 Tagen und zwei Tagen vor dem geplanten Anreisetag. So gewähren beispielsweise das Spa Resort Geinberg sowie das Bründl Spa Hotel kostenfreie Stornierungen bis zwei Tage vor der Ankunft, was den Gästen eine hohe Flexibilität bei unvorhergesehenen Ereignissen bietet.
Im direkten Preisvergleich bei gleicher Bewertung nach dem Relax Guide Österreich 2027 wurden deutliche Abweichungen sichtbar. Das Hotel Winzer in St. Georgen am Attergau, das im Relax Guide mit 12 Punkten bewertet wird, verlangte für das Wochenendarrangement einen Gesamtpreis von 1.100 Euro. Dem gegenüber steht das ebenfalls mit 12 Punkten bewertete Wellnesshotel Aumühle in Grein, welches das Wochenende für zwei Personen bereits ab 498 Euro anbot. Dies entspricht einer Preisdifferenz von 602 Euro für eine vergleichbare Grundbewertung.
Bewertungssystematik des Relax Guide als Orientierungshilfe
Der als Vergleichsmaßstab herangezogene Relax Guide bewertet Wellnesshotels nach einem Punktesystem von maximal 20 Punkten. Die Evaluierung setzt sich aus fünf Kernkriterien zusammen: Die Lage des Betriebes geht mit bis zu 3,5 Punkten in die Bewertung ein, Ambiente, Dienstleistungsqualität und Küche fließen mit maximal 8 Punkten ein, während Architektur, Ausstattung und Infrastruktur bis zu 4,5 Punkte ausmachen. Das Wohlfühlkriterium ist mit 3 Punkten dotiert, und das Preis-Leistungs-Verhältnis wird mit 1 Punkt berücksichtigt.
Das Mindestergebnis im Bewertungssystem liegt bei 9 Punkten, während durchschnittliche Wellnesshotels im Bereich von 11 bis 12 Punkten angesiedelt sind. Betriebe mit direkter Anbindung an eine öffentliche Therme ohne eigenen Hotel-Spa erhalten grundsätzlich eine Basisbewertung von 12 Punkten. Durch überdurchschnittliche kulinarische Leistungen oder zusätzliche Ausstattungsmerkmale können Betriebe 1 bis 2 Zusatzpunkte erreichen. Die Höchstnote von 20 Punkten wird ausschließlich an Häuser vergeben, die in sämtlichen Teilbereichen Spitzenleistungen erbringen.