Airbus Logo (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Airbus prüft Wirtschaftlichkeit einer gestreckten A350-Variante als Konkurrenzmodell zur Boeing 777-9

Werbung

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus befasst sich intensiv mit der möglichen Entwicklung einer weiter gestreckten Modellvariante seines Langstreckenflugzeugs A350. Wie Konzernchef Guillaume Faury im Rahmen der Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 bestätigte, befindet sich der Hersteller in einer Analyse- und Vorbereitungsphase hinsichtlich eines Konkurrenzmodells zur US-amerikanischen Boeing 777-9.

Ziel der derzeitigen Marktstudien ist es, die wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die technischen Spezifikationen einer Großraumvariante zu bewerten, die in Branchenkreisen häufig unter den Arbeitsbezeichnungen A350-1100 oder A350-2000 geführt wird. Mit einer kapazitätsstärkeren Version würde der europäische Flugzeugbauer ein Segment adressieren, in dem der US-Rival Boeing mit seinem Großraummodell der 777X-Serie vor dem für 2027 geplanten Auslieferungsstart derzeit eine dominierende Marktposition einnimmt.

Marktdynamik im Kapazitätssegment ab 400 Sitzplätzen

Im Marktsegment für Großraumflugzeuge mit einer Kapazität von rund 400 Passagiersitzen verfügt der US-Konzern Boeing mit den Varianten 777-8 und 777-9 über einen deutlichen Vorsprung im Auftragsbuch. Der US-Hersteller konnte für die 777X-Familie bislang mehr als 700 Festbestellungen und Optionen verzeichnen. Allein seit Anfang des Jahres 2025 verbuchte Boeing rund 200 Neubestellungen für die 777X-Reihe, während Airbus im selben Zeitraum für sein bisher größtes Passagiermodell, die A350-1000, weniger als 100 Neuaufträge verzeichnen konnte.

Das aktuelle Airbus-Topmodell A350-1000 stößt in der Standardbestuhlung mit knapp 370 Sitzplätzen an kapazitätsmäßige Grenzen, wenn Fluggesellschaften veraltete Großraumflugzeuge wie die Boeing 777-300ER oder ältere vierstrahlige Muster ersetzen wollen. Lars Wagner, Chef der Zivilluftfahrtsparte bei Airbus, bestätigte vor Branchenvertretern am Standort Toulouse, dass bei internationalen Netzwerkträgern eine klare Nachfrage nach einer nochmals verlängerten A350-Version vorhanden sei.

Technische Dimensionen und Herausforderungen bei der Umsetzung

In den vergangen Jahren hatten Ingenieure und Vertriebsrepräsentanten von Airbus auf Luftfahrtmessen erste Parameter für eine Derivatentwicklung skizziert. Eine A350-2000 würde voraussichtlich eine Rumpflänge von rund 79 Metern aufweisen. Damit wäre das Flugzeug um knapp vier Meter länger als die A350-1000. Diese Streckung würde die Platzierung von rund 414 Passagiersitzen in einer typischen Dreiklassenkonfiguration ermöglichen – was einem Zuwachs von etwa 45 Sitzplätzen gegenüber der A350-1000 entspricht und das Modell direkt an die Kapazität der Boeing 777-9 heranführen würde.

Die technische Realisierung einer solchen Ausführung bringt jedoch komplexe Anforderungen an die Triebwerksleistung und das Fahrwerk mit sich. Das aktuell auf der A350-1000 eingesetzte Triebwerk Rolls-Royce Trent XWB-97 müsste für ein höheres maximales Startgewicht aufgestockt oder durch eine weiterentwickelte Turbinenvariante ersetzt werden. Zudem erfordern die gestiegenen Achslasten Anpassungen am Hauptfahrwerk und den Tragflächenstrukturen, um die Start- und Landeeigenschaften auf bestehenden Abflugbahnen einzuhalten.

Prüfung der Lieferketten und kommerzieller Entscheidungszeitraum

Konzernchef Guillaume Faury stellte klar, dass das Vorhaben bisher nicht formal durch den Verwaltungsrat abgesegnet wurde. Bevor ein offizieller Programmstart erfolgen kann, stimmt sich Airbus mit Schlüsselzulieferern und Triebwerkspartnern ab. Es gilt sicherzustellen, dass die Zulieferketten in den 2030er Jahren in der Lage sind, höhere Fertigungsraten und spezialisierte Baugruppen verlässlich bereitzustellen, ohne die Produktion der bestehenden Varianten A350-900, A350-1000 und der Frachtversion A350F zu beeinträchtigen. Das A350-Programm umfasst derzeit fünf Grundvarianten. Mit einer sechsten, kapazitätsoptimierten Version strebt Airbus an, das Margenpotenzial der Großraumflugzeugsparte im nächsten Jahrzehnt abzusichern. Ob und wann die Entscheidung für den Bau der A350-2000 fällt, hängt laut Unternehmensführung von den Ergebnissen der laufenden Kundenbefragungen sowie von festen Abnahmeverpflichtungen führender Langstreckenairlines ab.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung