Die niederländische Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines hat ihren ersten Airbus A350-900 offiziell im kommerziellen Passagierdienst in Betrieb genommen. Der Erstflug startete auf dem Heimatdrehkreuz Flughafen Amsterdam Schiphol mit dem Ziel Toronto Pearson International Airport in Kanada.
Die auf den Namen De Nachtwacht getaufte Maschine hob unter der Flugnummer KL691 ab und beförderte neben Passagieren rund acht Tonnen Luftfracht im Frachtraum. Der Erstflug zog zahlreiche Luftfahrtinteressierte an, die gezielt Tickets für diesen Anlass gebucht hatten, darunter Reisende aus den USA und europäischen Nachbarländern. Mit der Inbetriebnahme des A350-900 leitet der Carrier eine schrittweise Erneuerung seiner Interkontinentalflotte ein, die langfristig ältere Großraumflugzeuge der Typen Airbus A330 und Boeing 777 ersetzen soll. Nach der Premiere auf der Nordatlantikroute sind weitere Einsätze auf Strecken nach Montreal sowie auf afrikanischen Routen nach Kilimandscharo, Dar es Salaam, Nairobi und Sansibar vorgesehen.
Verlauf des Erstfluges und Publikumsinteresse der Zivilluftfahrtszene
Der Erstflug der Maschine KL691 markiert einen betrieblichen Meilenstein in der Flottengeschichte der ältesten noch unter ihrem Ursprungsnamen operierenden Fluggesellschaft der Welt. An Bord des Erstfluges befanden sich neben regulären Passagieren und Geschäftsreisenden zahlreiche internationale Luftfahrtenthusiasten. Einige Fluggäste trugen speziell für diesen Anlass angefertigte Oberbekleidung, während andere Passagiere extra aus den Vereinigten Staaten nach Amsterdam angereist waren, um an der Premierenverbindung über den Nordatlantik teilzunehmen.
Neben der Beförderung von Passagieren nutzte die Frachtsparte Air France-KLM Cargo das Kapazitätsangebot der neuen Maschine voll aus. Acht Tonnen Frachtgüter wurden im Unterdeck des Großraumflugzeugs transportiert. Die Abfertigung am Flughafen Amsterdam Schiphol verlief planmäßig, woraufhin das Flugzeug nach einer Flugzeit von knapp acht Stunden auf dem kanadischen Zielflughafen Toronto Pearson aufsetzte.
Technische Parameter und Namensgebung der De Nachtwacht
Die erste an KLM ausgelieferte A350-900 trägt den Taufnamen De Nachtwacht, angelehnt an das berühmte Gemälde des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn. Damit setzt die Fluggesellschaft ihre traditionelle Linie fort, Großraumflugzeuge nach bedeutenden kulturellen Persönlichkeiten, Kunstwerken oder Weltkulturerbestätten zu benennen. Das Flugzeug zeichnet sich durch eine moderne Kabinenarchitektur aus, die neben der Business Class auch die Bereiche Premium Comfort und Economy Class umfasst.
Der Airbus A350-900 wird von zwei hochmodernen Rolls-Royce Trent XWB-Triebwerken angetrieben, die für ihre hohe Treibstoffeffizienz und Reichweite auf Transkontinentalstrecken bekannt sind. Die Aerodynamik des Modells, die unter anderem durch geschwungene Tragflächenspitzen (Sharklets) und eine Kohlefaserverbundbauweise des Rumpfes charakterisiert ist, ermöglicht eine Reduzierung der Betriebskosten pro Sitzkilometer im Vergleich zu den älteren Flugzeugtypen der Flotte.
Flottenpolitik im Air France-KLM-Konzern und geplante Streckeneinsätze
Einstimmige Beschlüsse der Konzernführung von Air France-KLM hatten im Rahmen der flächendeckenden Flottensynchronisierung vorgesehen, die Großraumflugzeuge der A350-Familie verstärkt auf die Dreipfeiler-Drehkreuze Paris-Charles de Gaulle und Amsterdam Schiphol zu verteilen. Für KLM bildet die Einführung des A350-900 den Kern eines umfangreichen Flottenerneuerungsprogramms. In den kommenden Jahren sollen sukzessive weitere Maschinen des Typs A350-900 sowie der längeren Rumpfvariante A350-1000 zur Flotte stoßen, um die alternden Muster der Airbus A330-200- und A330-300-Serien sowie ältere Einheiten der Boeing 777-200ER abzulösen.
Das Streckennetz für den neuen Flugzeugtyp wird nach der Einführung auf der Verbindung nach Toronto schrittweise ausgeweitet. Neben der kanadischen Metropole Montreal stehen in der nächsten Phase vor allem ostafrikanische Destinationen auf dem Flugplan. Dazu zählen Linienverbindungen zum Kilimandscharo International Airport, nach Dar es Salaam und Sansibar in Tansania sowie zur kenianischen Hauptstadt Nairobi. Durch den flexiblen Einsatz auf Kurz- und Langstreckenrouten stellt die Airline sicher, dass die Besatzungen zügig die erforderlichen Flugstunden und Lizenzen auf dem neuen Fluggerät aufbauen.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen am Drehkreuz Amsterdam Schiphol
Die Inbetriebnahme der A350-900 erfolgt in einem operativ anspruchsvollen Umfeld am Heimatflughafen Amsterdam Schiphol. Die niederländische Regierung und die Zivilluftfahrtbehörden haben in den vergangenen Jahren strikte Obergrenzen für die jährliche Anzahl der Flugbewegungen sowie strengere Lärmschutzvorgaben erlassen. Für KLM bedeutet dies, dass Kapazitätswachstum nicht mehr primär über eine Erhöhung der Frequenzen erzielt werden kann, sondern über den Einsatz kapazitätsstärkerer und modernerer Flugzeuge erfolgen muss.
Der Airbus A350-900 bietet dem Luftfahrtunternehmen die Möglichkeit, die Sitzplatzkapazität pro Flug auf stark nachgefragten Routen zu steigern, ohne zusätzliche Flugbewegungs-Slots zu belegen. Durch die verringerte Lärmkontur des Modells erfüllt das Flugzeug zudem die strenger gefassten Grenzwerte für den Nacht- und Randzeitenbetrieb am Drehkreuz Schiphol. Die nachhaltige Rentabilität des A350-Einsatzes wird maßgeblich vom weiteren Verlauf der weltweiten Frachtraten und der Auslastung der Premium-Kabinenklassen auf den nordamerikanischen und afrikanischen Verbindungen abhängen.