Die indische Fluggesellschaft IndiGo konkretisiert ihre Planungen für den Einstieg in den interkontinentalen Langstreckenverkehr mit eigenen Großraumflugzeugen. Wie Unternehmensvertreter vor Medienvertretern mitteilten, rechnet die Fluggesellschaft aktuell mit der Auslieferung ihres ersten Airbus A350-900 im zweiten Quartal 2026.
Das indische Luftfahrtunternehmen schließt damit den Übergang von bisherigen Interimslösungen mit angemieteten Maschinen hin zu einer fest eingeplanten eigenen Großraumflotte ab. Für die ersten zehn Einheiten der neuen Teilflotte ist eine höherwertige Kabinenausstattung vorgesehen, die unter anderem eine vollwerige Business Class sowie eine Premium Economy Class umfasst. Als primäre Stationierungsorte für die neuen Flugzeuge sind der bestehende Flughafen Chhatrapati Shivaji Maharaj in Mumbai sowie der im Bau befindliche Navi Mumbai International Airport vorgesehen. Insgesamt umfasst der Auftrag bei Airbus 60 fest bestellte Exemplare des Typs A350-900 sowie Kaufrechte für weitere 40 Maschinen.
Entwicklungsschritte im Langstreckensegment und Umbau des Produktangebots
IndiGo hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise an den Langstreckenbetrieb angetestet. Bislang nutzte die Fluggesellschaft vor allem Wet-Lease-Vereinbarungen mit internationalen Partnern, um Kapazitäten auf Strecken außerhalb Asiens anzubieten. Dazu zählten unter anderem von Turkish Airlines angemietete Boeing 777-300ER sowie von Norse Atlantic Airways geleaste Boeing 787-9. Im Jahr 2026 ergänzte das Unternehmen seine Mittel- und Langstreckenkapazitäten zudem durch den Zulauf eigener Maschinen des Typs Airbus A321XLR.
Der Übergang zum Betrieb des Airbus A350-900 bedeutet für die bisher reine Low-Cost-Airline auch eine Anpassung des Produktangebots. Während IndiGo im regionalen Streckennetz auf eine dichte Einklassen-Bestuhlung setzt, werden die ersten zehn A350-900 mit einer Dreiklassen-Konfiguration ausgestattet. Das System sieht 16 flach verstellbare Lie-Flat-Sitze in der Business Class vor, ergänzt durch ein dediziertes Premium-Economy-Segment und die reguläre Economy Class. Diese Kabinenaufteilung richtet sich an Geschäftsreisende und Umsteigepassagiere auf langstreckigen Interkontinentalverbindungen.
Stationierung an den Luftfahrtknotenpunkten in Mumbai
Für die Stationierung der neuen Teilflotte hat die Unternehmensführung die Metropolregion Mumbai als primären operativen Schwerpunkt gewählt. Die Maschinen sollen sowohl am bisherigen Hauptflughafen der Stadt als auch am neuen Großflughafen Navi Mumbai Airport beheimatet werden. Die Aufteilung auf zwei Infrastrukturknoten ermöglicht es der Fluggesellschaft, Zubringerflüge aus dem dichten Inlandsnetz effizient mit den neuen Langstreckenverbindungen nach Europa, Nordamerika und Ostasien zu verknüpfen.
Der künftige Navi Mumbai International Airport bietet IndiGo die notwendigen Hangar- und Terminalkapazitäten, die am bisherigen, stark ausgelasteten Flughafen Mumbai nur begrenzt zur Verfügung stehen. Die Bereitstellung geeigneter Infrastruktur gilt als kritische Voraussetzung, um die kurzen Bodenzeiten der Airline auch beim Abfertigen von Großraumflugzeugen aufrechtzuerhalten.
Großbestellung und Wettbewerb auf dem indischen Langstreckenmarkt
Die Bestellung von 60 festen Einheiten des Airbus A350-900 mit Optionen auf 40 weitere Flugzeuge unterstreicht die Wachstumsziele des Unternehmens. IndiGo schließt mit dieser Flottenerweiterung zum veränderten indischen Marktumfeld auf, das traditionally von staatlichen oder internationalen Netzträgern dominiert wurde. Durch die Neupositionierung der zusammengelegten Air India Group unter dem Dach des Tata-Konzerns intensiviert sich der Wettbewerb um indische Langstreckenpassagiere spürbar.
Branchenexperten verweisen darauf, dass der wirtschaftliche Erfolg des A350-Einsatzes maßgeblich von der Auslastung der Premium-Kabinen sowie von der reibungslosen Integration des neuen Flugzeugmusters in die bestehende Wartungsinfrastruktur abhängen wird. Zudem muss IndiGo auf den internationalen Zielmärkten Vertriebsstrukturen aufbauen, die über das klassische Geschäftsmodell einer Punkt-zu-Punkt-Billigfluggesellschaft hinausgehen.