Airbus A330-900 (Foto: Jan Gruber).
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Lufthansa zeichnet Verträge zum Erwerb von 44,9 Prozent an TAP Air Portugal

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Der deutsche Luftfahrtkonzern Lufthansa hat den vereinbarten Einstieg bei der portugiesischen Staatsfluggesellschaft TAP Air Portugal vertraglich besiegelt. Nach intensiven Verhandlungen mit der Regierung in Lissabon unterzeichneten beide Seiten die entsprechenden Verträge zur Übernahme von zunächst 44,9 Prozent der Anteile durch die deutsche Holding.

Der Kaufpreis für dieses Anteilspaket beläuft sich auf 1,025 Milliarden Euro. Weitere fünf Prozent der Unternehmensanteile sind vorerst für die Belegschaft von TAP Air Portugal reserviert; sollten diese von den Mitarbeitern nicht in Anspruch genommen werden, gehen auch sie an den deutschen Luftfahrtkonzern, wodurch sich die Investitionssumme auf 1,2 Milliarden Euro erhöhen würde. Die Mehrheit von gut 50 Prozent verbleibt vorerst im Eigentum des portugiesischen Staates. Der Vollzug des Erwerbs steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen europäischen und nationalen Wettbewerbsbehörden.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Finanzierungsstruktur des Beteiligungserwerbs

Das Privatisierungsverfahren von TAP Air Portugal gehört zu den bedeutendsten Konsolidierungsschritten im europäischen Zivilluftfahrtsektor der vergangenen Jahre. Mit dem Abschluss der Verträge ist das Verfahren in eine entscheidende Phase getreten. Die ausgehandelte Beteiligungsstruktur sichert der portugiesischen Regierung eine Mehrheitsbeteiligung von knapp über 50 Prozent, während die Lufthansa-Gruppe als zweiter Hauptanteilseigner substanziellen Einfluss auf die operative Entwicklung nimmt.

Die finanzielle Gestaltung des Geschäfts sieht vor, dass der Basisbetrag von 1,025 Milliarden Euro für das 44,9-Prozent-Paket direkt an den portugiesischen Staat fließt. Das Zusatzvolumen von bis zu fünf Prozent für die Mitarbeiter wird über ein Belegschaftsprogramm abgewickelt. Nimmt die Belegschaft dieses Kaufangebot nicht vollständig wahr, greift eine Übernahmeverpflichtung der Lufthansa. Der Konzern finanziert die Transaktion aus vorhandenen liquiden Mitteln sowie über den Kapitalmarkt.

Bieterverfahren und Wettbewerb der europäischen Luftfahrtkonzerne

Dem Vertragsabschluss ging ein monatelanger Auswahlprozess voraus. Neben der deutschen Lufthansa hatte auch der französisch-niederländische Luftfahrtkonzern Air France-KLM ein Übernahmeangebot für TAP Air Portugal eingereicht. Die Air-France-KLM-Gruppe hatte sich zuvor bereits Mehrheitsanteile an der skandinavischen Fluggesellschaft SAS gesichert und versuchte, ihre Präsenz im südeuropäischen Raum zu verstärken. Mitte Oktober 2026 erteilte die Regierung in Lissabon jedoch dem Angebot des Lufthansa-Konzerns den Zuschlag.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hob anlässlich der Vertragsunterzeichnung die operative Passgenauigkeit der beiden Streckennetze hervor. Der Erwerb der Minderheitsbeteiligung ermöglicht es der deutschen Unternehmensgruppe, ihren Einfluss auf Verbindungen zwischen Europa und Südamerika deutlich auszubauen.

Netzwerkkomplementarität und Fokus auf den brasilianischen Markt

Die Einbindung von TAP Air Portugal in den Lufthansa-Konzernverbund bringt funktionale Verschiebungen in den Passagierströmen mit sich. Das Drehkreuz der portugiesischen Fluggesellschaft am Flughafen Lissabon-Humberto Delgado fungiert historisch als wichtiges Zugangstor für Strecken nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien. TAP bedient mehr als ein Dutzend Direktziele in Brasilien und nimmt damit eine führende Rolle im Markt zwischen Europa und dem südamerikanischen Kontinent ein.

Für den Lufthansa-Konzern schließt die Kooperation eine Lücke im eigenen Streckennetz. Während die bisherigen Konzern-Hubs in Frankfurt, München, Zürich und Wien primär auf Nordamerika, Asien und Afrika ausgerichtet sind, ergänzt das Drehkreuz in Lissabon das Portfolio um frequenzstarke Südamerika-Routen. Überdies umfasst das Streckennetz von TAP zahlreiche Verbindungen in das lusophone Afrika, darunter nach Angola und Mosambik, was das bestehende Afrika-Netz der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines sinnvoll ergänzt.

Flottenstruktur und operative Herausforderungen bei TAP Air Portugal

TAP Air Portugal betreibt eine moderne Flotte, die überwiegend aus Mustern der Airbus-A320neo-Familie sowie Langstreckenflugzeugen der Typen Airbus A330-900neo besteht. Die Effizienz der Langstreckenflotte ermöglicht der Airline den wirtschaftlichen Betrieb von Routen nach Nord- und Südamerika.

Gleichwohl steht das Unternehmen vor operationalen und infrastrukturellen Herausforderungen. Der Heimatflughafen Lissabon stößt seit Jahren an seine physikalischen Kapazitätsgrenzen, was das Wachstum von Frequenzen erschwert. Die Vergabe von Start- und Landerechten (Slots) am überlasteten Hauptstadtdrehkreuz wird auch in den kommenden kartellrechtlichen Prüfungen eine zentrale Rolle spielen. Bevor die operative Integration vollzogen werden kann, müssen die Einhaltung der EU-Beihilferechte sowie Auflagen der europäischen Kartellwächter bezüglich möglicher Marktbeherrschungen auf einzelnen Streckenpaaren geklärt werden.

Herausforderungen der kartellrechtlichen Prüfung durch die EU-Kommission

Die finale Freigabe der Beteiligung durch die Europäische Kommission gilt als anspruchsvolle Hürde. In der jüngeren Vergangenheit haben die europäischen Wettbewerbsbehörden bei Zusammenschlüssen im Luftverkehrssektor – wie der Beteiligung von Lufthansa an der italienischen ITA Airways oder der versuchten Übernahme von Air Europa durch IAG – umfangreiche Zugeständnisse gefordert.

Um Wettbewerbsverzerrungen auf Flügen zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Portugal zu vermeiden, dürfte die EU-Kommission die Abgabe von Flugblöcken und Umsteigeverbindungen an Konkurrenzanbieter zur Bedingung machen. Insbesondere auf den Strecken zwischen Frankfurt, München, Zürich und Lissabon sowie Porto besitzen die beteiligten Fluggesellschaften eine hohe Marktkonzentration. Erst nach Erfüllung sämtlicher behördlicher Auflagen kann die Einbindung von TAP Air Portugal in die weltweiten Vertriebskanäle und Treueprogramme der Lufthansa Group vollzogen werden.

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