Die irische Low-Cost-Fluggesellschaft Ryanair hat am 4. November 2026 ihre Forderungen nach einer vollständigen Abschaffung der österreichischen Ticketsteuer zum 1. Januar 2027 erneuert. Repräsentanten der Fluggesellschaft forderten Bundeskanzler Christian Stocker auf, von Diskussionen über eine bloße Senkung der Abgabe abzusehen und dem Beispiel anderer europäischer Staaten wie der Slowakei, Schweden oder Italien zu folgen.
Nach Angaben des Carriers belaufen sich die staatlichen Einnahmen aus der flugstreckenbezogenen Steuer von 12 Euro pro Passagier auf unter 150 Millionen Euro jährlich, während die Abgabe die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Luftverkehrs- und Tourismusstandorts im regionalen Vergleich belaste.
Die erneute Intervention des Managements verbindet den Vorstoß zur Steuerstreichung mit der Forderung nach Anpassungen bei den Infrastrukturkosten. Neben dem Aussetzen der Flugabgabe verlangt die Airline die Absenkung der nationalen Flugsicherungsgebühren sowie die Wiedereinführung von Wachstumsanreizprogrammen durch die Betreibergesellschaft des Flughafens Wien. Andreas Gruber, Repräsentant von Ryanair, stellte in Aussicht, dass der Carrier bei einer Reduzierung der Standortkosten zusätzliche Flottenkapazitäten in Österreich stationieren und das Streckennetz an den Regionalflughäfen sowie in Wien ausbauen würde.
Die Kritik an den Abgaben im österreichischen Zivilluftfahrtsektor erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über die Erholung des Passagieraufkommens im Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau. Während mehrere europäische Märkte durch den Ausbau von Low-Cost-Kapazitäten ihr Verkehrsaufkommen steigerten, verweist die Fluggesellschaft auf Kapazitätsverlagerungen in Richtung benachbarter Flughäfen wie Bratislava. Die Betreiber österreichischer Verkehrsflughäfen und Vertreter der Tourismusbranche stehen dabei im Spannungsfeld zwischen den verkehrspolitischen Vorgaben der Bundesregierung und den Erfordernissen der Standortattraktivität.