Am Flughafen London-Gatwick ist es Anfang dieser Woche zu einem tragischen Todesfall gekommen: Ein 82-jähriger Rollstuhlfahrer wollte nach einem Easyjet-Flug nicht länger auf seinen PRM-Service warten. Daraufhin machte sich der Senior selbst auf den Weg in Richtung Terminal und stürzte eine Rolltreppe hinunter. Den Unfall überlebte der Mann nicht.
Am Mittwoch kam der 82-Jährige mit Easyjet auf dem Flughafen Gatwick an. Eigentlich sollte er vom Dienstleister Wilson James, der in Gatwick so genannte PRM-Services für Personen mit eingeschränkter Mobilität durchführt, begleitet werden. Offiziellen Angaben nach half der Mitarbeiter gerade drei anderen Personen. Der Mann wollte nicht länger warten und machte sich auf eigene Faust auf den Weg aus dem Flugzeug in Richtung Gepäckausgabe. Als er auf der so genannten Skybridge zum Nordterminal eine Rolltreppe hinauffahren wollte, kam es zum fatalen Unfall. Der Rollstuhlfahrer stürzte und erlag den Verletzungen.
Das Kabinenpersonal von Easyjet hat den Unfall bemerkt und eilte sofort zum Passagier und leistete Erste Hilfe. Auch verständigte die Crew unverzüglich den flughafeneigenen Rettungsdienst, der rasch an Ort und Stelle war. Allerdings waren alle Bemühungen vergebens, denn der Mann verstarb laut Polizei Sussex gegen 12 Uhr 50 Lokalzeit.
Der Flughafen London-Gatwick bestätigt den tragischen Vorfall und spricht den Hinterbliebenen aufrichtiges Beileid aus. Man betont aber ausdrücklich, dass kein Zusammenhang mit dem aktuellen Personalmangel besteht. Der Mitarbeiter des PRM-Services war gerade damit beschäftigt drei anderen Passagieren mit eingeschränkter Mobilität zu helfen. „Es ist normal, dass ein Mitarbeiter drei hilfsbedürftige Passagiere aussteigen lässt, indem er sie nacheinander den kurzen Weg zum wartenden Buggy bringt“, so der Flughafen Gatwick in einer Erklärung.
Der betroffene Dienstleister erklärte: „Der Mitarbeiter war innerhalb einer Minute nach dem Abstellen des Flugzeugs am Flugsteig, und der eigentliche Vorfall ereignete sich erst zehn Minuten nach der Landung des Flugzeugs. Der Mitarbeiter, der sich um den Passagier gekümmert hat, ist sehr erfahren, arbeitet seit mehreren Jahren in diesem Bereich und hat Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit komplexen Behinderungen und Bedürfnissen im Pflegesektor“.
Den offiziellen Darstellungen nach soll der 82-jährige Rollstuhlfahrer ungeduldig gewesen sein und sich lieber auf eigene Faust auf den Weg gemacht haben. Die Rolltreppe stellt dabei ein gefährliches Hindernis dar. Die Nutzung dieser ist für Personen im Rollstuhl nicht erlaubt, denn die Gefahr des Kippens ist sehr groß. Der Passagier bezahlte dieses Verhalten leider mit seinem Leben.
Passagiere mit eingeschränkter Mobilität, dazu zählen besonders Personen, die auf Rollstühle angewiesen sind, haben das Recht auf Unterstützung. Diese muss von der Fluggesellschaft kostenfrei gewährt werden. In der Praxis wird dies normalerweise vom Ground Handling bzw. speziellen PRM-Dienstleistern übernommen. Die Mitarbeiter, die in diesem Segment zum Einsatz kommen, verfügen über spezielle Schulungen und Trainings. In Wien erbringt beispielsweise die Flughafentochter Vias die PRM-Services.