Die Billigfluggesellschaft Ryanair befindet sich derzeit mit den Flughäfen Athen und Brüssel im Clinch um Flughafengebühren. Die Basis am griechischen Hauptstadt-Airport wird man zumindest über den Winter 2022/23 schließen. In Belgien droht man mit dem Rückzug aus Brüssel und der Verkleinerung von Charleroi.
Aus der Sicht von Ryanair soll sich der Umstand, dass zahlreiche Flughäfen in Griechenland von Fraport betrieben werden, negativ auf die Gebührenstruktur auswirken. Man bezeichnet Fraport Greece gar als „deutschen Flughafenmonopolisten“. Die generelle Gebührenstruktur in diesem Land soll „dysfunktional“ sein. In Athen ist Fraport allerdings nicht der Betreiber des Flughafens.
„Der Flughafen Athen ist ein Paradebeispiel dafür, dass die griechische Regierung und die deutschen Eigentümer von Hochpreisflughäfen es nicht schaffen, den Menschen und der Wirtschaft Griechenlands zu helfen“, so Ryanair-Chef Eddie Wilson.
Dem Management des Billigfliegers stößt auf, dass die griechischen Flughäfen keine Anreize bieten würden in der Wintersaison den Flugverkehr anzukurbeln. Bezogen auf Athen kritisiert man, dass so verhindert werde, dass sich die Hauptstadt zu einem attraktiven Ganzjahresziel entwickeln könne.
„Bedauerlicherweise für die griechischen Bürger hat die Entscheidung, die meisten griechischen Flughäfen an teure deutsche Betreiber zu verkaufen, verheerende Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, da diese ausländischen Flughafenbetreiber die griechische Wirtschaft im Würgegriff haben, indem sie die Touristenströme und Geschäftsverbindungen einschränken und kein Interesse daran haben, die Preise zu senken, um den Verkehr anzukurbeln“, sagte Wilson.
Besonders sauer stößt Ryanair eine neue Gebühr in der Höhe von 12 Euro auf. Diese bezeichnet der Konzern als „Strafsteuer für die Entwicklung des Flughafens“. Die Regierung habe zuvor auf einen schriftlichen Protest des Billigfliegers nicht reagiert. Nun fordert Eddie Wilson, dass Tourismusminister Vassilis Kikilias reagieren solle. Vorsorglich gibt man die Schließung der Basis Athen zum 29. Oktober 2022 bekannt. Vorerst soll die Maßnahme für den Winterflugplan 2022/23 befristet sein. Die Kapazität will man nach Italien, Spanien, Portugal und Zypern verlagern.
Streit auch in Belgien
Im Gegensatz zu Spanien beteiligte sich in Belgien das Ryanair-Personal in größerem Umfang an Streiks. Dies führte dazu, dass die Bases Brüssel und Charleroi viele Flüge streichen mussten. Mittlerweile droht Konzernchef Michael O’Leary auch mit der Schließung von Brüssel. Charleroi könnte verkleinert werden.
Gemäß der Zeitung „La Libre Belgique“ sagte der Manager, dass er in Belgien „kein Wachstum“ sieht. Der Rückzug in Brüssel könnte bereits mit Beginn der Winterflugplanperiode 2022/23 erfolgen. In Charleroi sind Reduktionen angedacht. Dazu sagte O’Leary: „Wenn wir an einem anderen Flughafen ein besseres Angebot bekommen, werden wir dorthin umziehen“.
Ähnlich wie in Griechenland stößt sich Ryanair auch in Belgien an einer zusätzlich eingeführten Steuer. Diese bezeichnet O’Leary als „dumme Steuer“. Bezogen auf Brüssel kritisiert der Manager, dass Brüssel erst kürzlich entschieden habe die Gebühren zu erhöhen. Das wolle man sich nicht gefallen lassen.