Die Emirates-Konzernschwester Fly Dubai gilt als treuer Boeing-Kunde. Immerhin betreibt man 88 Maschinen des U.S.-amerikanischen Herstellers und wartet auf die Auslieferung zahlreicher weiterer Exemplare. Nun zieht man in Betracht auch beim europäischen Konkurrenten Airbus zu bestellen.
Im Gespräch mit Bloomberg erklärte Firmenchef Ghaith Al Ghaith, dass man unter anderem aufgrund von Boeings Lieferverzögerungen Angebote von Airbus ernsthaft prüft. Es gäbe Gespräche mit beiden Flugzeugbauern. Für die Europäer könnte es besonderes Prestige haben mit Fly Dubai ins Geschäft zu kommen, denn Al Ghaith kündigt die größte Order in der Firmengeschichte an. Genau aus diesem Grund dürfte auch Boeing ein erhebliches Interesse daran haben die Emirates-Konzernschwester als Kunden halten zu können. Möglicherweise wirkt sich dieses Buhlen um den potentiellen Mega-Auftrag positiv auf den Preis aus, so dass davon auszugehen ist, dass der VAE-Billigflieger durchaus nach diesem Kriterium entscheiden könnte.
Derzeit ist Fly Dubai – wie erwähnt – ein reiner Boeing-Operator. Das Unternehmen besitzt eine beachtliche Flotte, die vor allem aus der Boeing 737 besteht. Die Flotte umfasst 56 Boeing 737-8, 29 Boeing 737-800 und 3 Boeing 737-9, insgesamt also 88 Maschinen. Im Dezember 2017 unterzeichnete Fly Dubai einen Rekordauftrag über 175 Boeing 737-8, mit Optionen für zusätzliche 50 Maschinen – die bis dato größte Bestellung der Airline. Doch die Beziehung zu Boeing ist momentan angespannt. Verzögerungen bei der Auslieferung und Stornierungen haben die Expansionspläne der Fluggesellschaft erheblich behindert.
Laut Al Ghaith hat Fly Dubai in diesem Jahr lediglich vier Boeing 737-8 erhalten, die bereits in den Vorjahren zur Auslieferung fällig waren. Boeing hat zudem mitgeteilt, dass 2024 keine weiteren Auslieferungen an Fly Dubai erfolgen werden. Diese Verzögerungen bezeichnete Al Ghaith als „Moment der puren Frustration“. Die Auswirkungen dieser Lieferprobleme sind erheblich: Sie schränken die Wachstumsmöglichkeiten der Airline ein und verzögern die Umsetzung langfristiger Expansionsstrategien.
Die möglichen Alternativen und Chancen
In dieser angespannten Situation sucht Fly Dubai nach Alternativen. Al Ghaith hat deutlich gemacht, dass das Unternehmen sowohl Angebote von Boeing als auch von Airbus in Betracht zieht. „Wir müssen eine Entscheidung für die nächsten zehn Jahre treffen“, erklärte er. Dies deutet darauf hin, dass die bevorstehende Bestellung nicht nur groß angelegt ist, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die Flottenstrategie von Fly Dubai haben wird. Die Fluggesellschaft erwägt, bei Airbus eine größere Bestellung aufzugeben, wenn sich die Probleme mit Boeing nicht lösen lassen.
Die Möglichkeit einer solchen Bestellung bei Airbus stellt einen signifikanten strategischen Schritt dar. Al Ghaith betonte, dass Fly Dubai derzeit ihren Bedarf an Narrowbody-Flugzeugen überprüft, um das Wachstum in den kommenden Jahren zu unterstützen. Die Verfügbarkeit verlässlicher Liefertermine wird als wesentlicher Faktor für den Erfolg der Expansionspläne angesehen. Airbus könnte mit einem attraktiven Angebot auf diesen Bedarf reagieren und Fly Dubai als neuen Kunden gewinnen.
Optimismus für die Großraumflugzeuge
Trotz der Probleme mit den Narrowbody-Flugzeugen zeigt Al Ghaith Optimismus bezüglich der Bestellung von dreißig Boeing 787-9, die während der Dubai Air Show 2023 aufgegeben wurde.
Diese Großraumflugzeuge sollen ab 2026 ausgeliefert werden. Al Ghaith erwartet wenige oder gar keine Verzögerungen bei der Ankunft dieser Maschinen, was es Fly Dubai ermöglichen wird, neue Ziele anzufliegen, die über die Reichweite der derzeitigen Narrowbody-Flugzeuge hinausgehen.
Die Situation im Kontext der Luftfahrtindustrie
Die Herausforderungen, denen Fly Dubai gegenübersteht, sind nicht einzigartig, sondern spiegeln größere Probleme in der Luftfahrtindustrie wider. Globale Lieferkettenprobleme und Produktionsverzögerungen haben viele Fluggesellschaften betroffen. Boeing hatte im vergangenen Jahr ähnliche Probleme, was zu Verzögerungen bei der Lieferung vieler Modelle führte. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf Einzelunternehmen wie Fly Dubai, sondern beeinflusst die gesamte Luftfahrtindustrie.
Die strategischen Entscheidungen von Fluggesellschaften in Bezug auf ihre Flottenstrategie können erhebliche Auswirkungen auf die Flugzeughersteller haben. Ein Wechsel von Fly Dubai zu Airbus könnte nicht nur die Geschäftsbeziehungen zwischen den Herstellern und der Airline beeinflussen, sondern auch ein Zeichen für andere Fluggesellschaften sein, ihre Lieferantenbeziehungen zu überprüfen.
Die Entscheidung von Fly Dubai, möglicherweise eine größere Bestellung bei Airbus aufzugeben, könnte weitreichende Folgen für Boeing haben. Während die Verzögerungen bei Boeing die Pläne der Fluggesellschaft erheblich beeinträchtigt haben, bietet die Prüfung von Airbus als potenziellem Lieferanten die Möglichkeit, diese Herausforderungen zu überwinden. Der Ausgang dieser Gespräche wird nicht nur die zukünftige Strategie von Fly Dubai prägen, sondern könnte auch die Dynamik im Wettbewerb zwischen Boeing und Airbus neu gestalten. In einem so dynamischen und wettbewerbsintensiven Markt wie der Luftfahrt ist es von entscheidender Bedeutung, dass Fluggesellschaften und Hersteller flexibel und anpassungsfähig bleiben, um den sich schnell ändernden Anforderungen gerecht zu werden.