Airbus A340-642 (Foto: Jan Gruber).
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Iran und Syrien: Die brüchige Allianz nach dem Machtwechsel

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Die Beziehungen zwischen dem Iran und Syrien, einst als unverbrüchlich geltend, stehen heute unter einem völlig neuen Vorzeichen. Nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad durch die islamistische Rebellengruppe Haiat Tahrir al-Sham (HTS) hat sich das Verhältnis beider Staaten drastisch verändert. Jüngster Ausdruck dieser neuen Realität ist die Aussetzung aller Flüge iranischer Fluggesellschaften nach Syrien. Diese Maßnahme steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen der Iran in seiner Syrien-Politik konfrontiert ist, und wirft ein Schlaglicht auf die Unsicherheiten der Region.

Wie der Chef der zivilen iranischen Luftfahrtbehörde, Hussein Purfarzaneh, bekanntgab, hat die syrische Regierung keine neuen Genehmigungen für Flüge aus dem Iran erteilt. Bis mindestens zum 22. Januar sind sämtliche Verbindungen ausgesetzt. Diese Entscheidung kommt überraschend, da der Iran traditionell eine Schlüsselrolle im syrischen Verkehrswesen spielte, insbesondere durch die Organisation von Pilgerreisen zu schiitischen Heiligtümern in Damaskus.

Vor dem Machtwechsel unter Assad war der Iran ein zentraler Akteur im syrischen Luftverkehr. Regelmäßige Flüge vom Teheraner Imam-Chomeini-Flughafen nach Damaskus dienten nicht nur religiösen Zwecken, sondern auch der wirtschaftlichen und politischen Vernetzung beider Länder. Der plötzliche Stopp wirft Fragen über die Zukunft der bilateralen Beziehungen auf.

Diplomatische Isolation oder Neuausrichtung?

Parallel zur Aussetzung der Flüge steht die diplomatische Situation zwischen beiden Staaten auf einem wackeligen Fundament. Die iranische Regierung betonte wiederholt ihr Interesse, auch nach dem Machtwechsel enge Beziehungen zu Syrien zu pflegen. Regierungssprecherin Fatemeh Mohadscherani erklärte, daß Verhandlungen zur Wiedereröffnung der iranischen Botschaft in Damaskus fortgesetzt würden. Doch ob die HTS, die vom Iran als Terrororganisation eingestuft wird, bereit ist, diese Bemühungen zu unterstützen, bleibt zweifelhaft.

Für den Iran ist die Beziehung zu Syrien von strategischer Bedeutung. Während der Amtszeit Assads galt Syrien als Dreh- und Angelpunkt für die regionale Strategie Teherans. Neben der ideologischen Verbindung innerhalb der sogenannten „Widerstandsfront“ gegen Israel diente Syrien als logistisches Bindeglied für Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz. Der Sturz Assads hat jedoch die politischen und militärischen Karten neu gemischt.

Die Auswirkungen auf die iranische Regionalstrategie

Der Machtverlust in Syrien stellt für den Iran eine empfindliche strategische Niederlage dar. Mit dem Ende des Assad-Regimes ist auch die enge Verbindung zwischen Damaskus und der Hisbollah geschwächt worden, was den iranischen Einfluß in der Region erheblich einschränkt. Der Iran hatte Assad nicht nur militärisch, sondern auch finanziell großzügig unterstützt, um die Achse Teheran-Damaskus-Beirut aufrechtzuerhalten.

HTS, die sich als sunnitische Widerstandsgruppe gegen die iranisch unterstützte Hisbollah positioniert, verfolgt eine völlig andere Agenda. Ihre Übernahme der Macht in Syrien hat die bisherige Allianz der beiden Länder faktisch beendet. Der Iran steht vor der Herausforderung, seine Interessen in Syrien neu zu definieren, ohne dabei die wenigen verbleibenden diplomatischen Kanäle zu verlieren.

Ein Rückblick auf die Ära Assad

Unter Baschar al-Assad war Syrien ein unverzichtbarer Partner für den Iran. Die beiden Länder verband eine Allianz, die auf gemeinsamen Interessen im Nahen Osten fußte. Insbesondere die Feindschaft gegenüber Israel war ein verbindendes Element. Doch die wirtschaftlichen und militärischen Hilfen, die Teheran über Jahre hinweg nach Damaskus fließen ließ, haben sich durch den Machtwechsel nicht mehr auszahlen können.

Assads Sturz hat nicht nur den geopolitischen Einfluß des Iran geschwächt, sondern auch dessen militärische Kapazitäten in der Region eingeschränkt. Die Verbindungen zur Hisbollah, die lange Zeit durch Syrien ermöglicht wurden, sind nun komplizierter denn je.

Die Zukunft der iranisch-syrischen Beziehungen

Ob der Iran und Syrien unter HTS überhaupt wieder zu einem stabilen Verhältnis finden können, ist derzeit unklar. Die Suspendierung der Flugverbindungen und die Unsicherheit über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen sprechen für eine Phase der Neuausrichtung, wenn nicht gar der schleichenden Entfremdung. Für Teheran bleibt Syrien jedoch eine Schlüsselregion, deren Bedeutung weit über die bilateralen Beziehungen hinausgeht.

Die kommenden Wochen und Monate dürften entscheidend dafür sein, ob der Iran eine Möglichkeit findet, sich im neuen syrischen Machtgefüge zu behaupten, oder ob das Land eine seiner strategisch wichtigsten Brücken im Nahen Osten endgültig verliert.

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