Ilyushin Il-96 (Foto: Dmitry A. Mottl).
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Russlands ambitionierte Pläne zur Wiederaufnahme der Produktion veralteter Flugzeugtypen werfen Fragen auf

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Die russische Luftfahrtindustrie steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Bis 2030 sollen nach offiziellen Plänen 1.000 Passagierflugzeuge hergestellt werden. Dabei setzt Russland auf die Wiederaufnahme der Produktion alter Modelle wie der Ilyushin Il-96-300 und der Tupolev Tu-214. Kritiker werfen den Plänen jedoch mangelnde Modernität und wirtschaftliche Unrentabilität vor, was die Realisierbarkeit des Vorhabens stark in Frage stellt.

Im Fokus der geplanten Produktion steht die Il-96-300, ein vierstrahliges Langstreckenflugzeug, das in den späten 1980er Jahren entwickelt wurde und kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Dienst ging. Obwohl die Il-96 zu ihrer Zeit ein beeindruckendes Projekt war, wurde das Flugzeug bereits in den 1990er Jahren als technologisch überholt angesehen. Der ursprüngliche Produktionszyklus umfasste nur etwa 30 Exemplare, da russische und andere ehemalige Sowjet-Fluggesellschaften zunehmend auf westliche Modelle wie Airbus und Boeing umstiegen.

Heute soll die Produktion der Il-96-300 reaktiviert werden, jedoch ohne die modernere Variante Il-96-400, da diese auf westlichen Komponenten basiert. Stattdessen plant Russland, die ältere Version mit einer dreiköpfigen Besatzung und weitgehend manuellen Bedienmöglichkeiten wieder aufzulegen. Dies bedeutet nicht nur höhere Betriebskosten, sondern auch die Notwendigkeit, Piloten und Techniker auf veraltete Technologien auszubilden.

Die Herausforderungen der Produktion

Die Wiederaufnahme der Produktion erfordert den Aufbau neuer Fertigungskapazitäten und Lieferketten. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat dazu geführt, daß viele ursprüngliche Zulieferer außerhalb der heutigen russischen Staatsgrenzen liegen, insbesondere in der Ukraine, die ein bedeutendes Zentrum der sowjetischen Luftfahrtindustrie war. Experten warnen, daß der Wiederaufbau der Produktionslinien für ein derart veraltetes Flugzeugmodell nicht nur technisch, sondern auch finanziell äußerst aufwendig ist.

Ein russischer Luftfahrtspezialist brachte es gegenüber der BBC auf den Punkt: „Wir nehmen ein altes sowjetisches Design und sagen: ‚Laßt uns anfangen, es zu produzieren.‘ Aber niemand baut heutzutage mehr viermotorige Langstreckenflugzeuge, und die, die es taten, haben sie längst ausgemustert.“ Diese Aussage verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen Russland konfrontiert ist: Veraltete Technologie, ineffiziente Triebwerke und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt.

Die geplanten Modelle

Neben der Il-96-300 plant Russland die Produktion weiterer Flugzeugtypen, darunter die Yakovlev MC-21 für Mittelstrecken und die Sukhoi Superjet für Kurzstrecken. Beide Modelle wurden ursprünglich entwickelt, um mit westlichen Flugzeugen wie der Boeing 737 oder dem Airbus A320 zu konkurrieren. Jedoch hat auch ihre Entwicklung unter der Abhängigkeit von westlichen Komponenten gelitten, insbesondere nach der Verhängung von Sanktionen.

Für Kurzstrecken und kleinere Flughäfen sind zudem Modelle wie die TVRS-44 Ladoga und die LMS-901 Baikal vorgesehen, die Platz für 9 bis 44 Passagiere bieten. Diese Flugzeuge sollen ländliche Regionen erschließen, deren Infrastruktur oft nur den Betrieb kleiner Maschinen erlaubt.

Der gegenwärtige Bestand

Derzeit ist die kommerzielle Nutzung der Il-96 äußerst begrenzt. Nur zwei Exemplare befinden sich im Passagierbetrieb: eines bei der kubanischen Fluggesellschaft Cubana de Aviación und ein weiteres bei Sky Gate Airlines für Frachtflüge. Die meisten verbliebenen Maschinen werden für Regierungszwecke genutzt, insbesondere durch den russischen Präsidentenflugdienst.

Die Wiederaufnahme der Produktion alter sowjetischer Flugzeugmodelle zeigt Russlands Bemühungen, eine eigenständige Luftfahrtindustrie zu erhalten und unabhängiger von westlichen Zulieferern zu werden. Doch die Pläne stoßen auf erhebliche technische, wirtschaftliche und logistische Hürden.

Während Russland sich bemüht, die Herausforderungen zu meistern, bleibt unklar, ob das Ziel, 1.000 Passagierflugzeuge bis 2030 zu bauen, tatsächlich erreichbar ist. Kritiker argumentieren, daß ohne modernere und wettbewerbsfähigere Designs die russische Luftfahrtindustrie weiterhin Schwierigkeiten haben wird, international zu bestehen.

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