Heckflossen (Foto: American Airlines).
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Das Ende eines goldenen Tickets: Wie American Airlines seine lebenslangen AAirpässe rückgängig machte

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Eine Flugreise ohne Begrenzung, immer in der ersten Klasse und lebenslang: Was für viele wie ein Traum klingt, wurde für eine kleine Gruppe von Passagieren in den 1980er Jahren zur Realität. American Airlines bot damals den sogenannten AAirpass an, der für eine einmalige Zahlung von 250.000 US-Dollar unbegrenzte Flüge in der ersten Klasse versprach.

Doch was als kreative Finanzspritze für eine angeschlagene Fluggesellschaft begann, entwickelte sich für American Airlines zu einem teuren Fehler. Vor allem zwei Vielflieger, Steven Rothstein und Jacques E. Vroom Jr., nutzten das Angebot in einem Ausmaß, das sich die Airline so nicht vorgestellt hatte. Nach Jahrzehnten des ungehinderten Reisens wurde ihnen die Nutzung des AAirpasses entzogen, begleitet von einem juristischen Tauziehen, das Jahre andauerte.

Ein riskantes Angebot in finanziellen Krisenzeiten

Anfang der 1980er Jahre stand American Airlines unter massivem finanziellen Druck. Die Deregulierung der US-amerikanischen Luftfahrtindustrie hatte den Wettbewerb verschärft, steigende Treibstoffpreise und veraltete Flugzeugmodelle setzten dem Unternehmen weiter zu. Um frisches Kapital zu generieren, entschied sich die Airline für ein bis dahin beispielloses Angebot: den unbegrenzten AAirpass für 250.000 US-Dollar. In den folgenden Jahren kauften insgesamt 66 Personen diesen „goldenen Flugschein“.

Einer von ihnen war der Chicagoer Investmentbanker Steven Rothstein, der das Ticket 1987 erwarb. Zwei Jahre später zahlte er weitere 150.000 US-Dollar für eine zusätzliche Begleitkarte, die es ihm erlaubte, eine weitere Person in der ersten Klasse mitzunehmen. Rothstein nutzte seinen Pass in einem außergewöhnlichen Umfang: Er flog über zwei Jahrzehnte hinweg mehr als 10.000 Mal, bereiste weltweit Ziele wie London, Tokio oder Sydney und verbrachte oft nur wenige Stunden an seinen Zielen, bevor er wieder zurückkehrte.

Das Ende der Freiflug-Privilegien

Lange Zeit akzeptierte American Airlines diese exzessive Nutzung. Rothstein erhielt sogar ein persönliches Schreiben vom damaligen CEO Bob Crandall, in dem ihm versichert wurde, dass sein AAirpass lebenslang gültig bleiben würde. Doch die Airline überdachte ihre Strategie. Im Dezember 2008 wurde Rothstein überraschend am Flughafen Chicago O’Hare sein Pass entzogen. Eine Begründung folgte später: Ihm wurde vorgeworfen, das Angebot missbraucht zu haben, indem er Flüge für nicht existierende Passagiere buchte oder seine Begleitkarte an Unbekannte weitergab.

Parallel dazu wurde auch Jacques E. Vroom Jr., ein weiterer intensiver AAirpass-Nutzer, aus dem Programm ausgeschlossen. Ihm wurde unterstellt, seine Begleitkarte gegen Geld weiterverkauft zu haben. Beide wehrten sich juristisch gegen die Vorwürfe, wobei Rothstein American Airlines auf sieben Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagte. Die Fluggesellschaft konterte mit einer eigenen Klage wegen Vertragsbruches.

Juristisches Tauziehen und ein stiller Vergleich

Die Rechtsstreitigkeiten zogen sich über Jahre hin. Rothstein argumentierte, dass American Airlines sein Verhalten über Jahrzehnte geduldet hatte und erst nachträglich versuchte, ihn für angebliche Verstöße zu bestrafen. Zudem wies er darauf hin, dass ihm nie klar kommuniziert worden sei, welche Buchungsmethoden unzulässig seien. Seine Familie berichtete später, dass Rothstein nach dem Verlust seines Sohnes im Jahr 2002 oft über Nacht Flugreservierungen vornahm, um mit den Telefonagenten der Airline zu sprechen und sich von seiner Trauer abzulenken.

Der Fall erreichte nie ein vollständiges gerichtliches Urteil, da beide Parteien sich 2012 außergerichtlich einigten. Die genauen Bedingungen des Vergleichs blieben vertraulich, doch fest steht: Der AAirpass war für Rothstein und Vroom nicht mehr gültig, und die Airline verhinderte so zukünftig ähnliche Nutzungsmuster.

Ein Experiment mit teuren Folgen

Das Konzept eines lebenslangen, unbegrenzten Flugscheins mag auf den ersten Blick verlockend erscheinen. Doch American Airlines musste lernen, dass es in der Realität kaum tragbar war. Die immensen Kosten durch Vielflieger wie Rothstein und Vroom zeigten, dass das Unternehmen sein Angebot unterschätzt hatte.

Heute gibt es keine vergleichbaren Programme mehr. Ein letzter Versuch wurde 2004 unternommen, als American Airlines eine überarbeitete Version des AAirpasses für drei Millionen US-Dollar anbot. Es fanden sich keine Käufer. Der Fall Rothstein bleibt ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie eine vermeintlich clevere Marketingstrategie unvorhergesehene finanzielle Risiken mit sich bringen kann.

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1 Comment

  • thomas , 11. Februar 2025 @ 17:46

    Naja, die Frate ist doch, wie die aktion unterm Strich amals wirkte.
    Wenn von den 66 Personen nur 2 Nutzer das Angebot und dieser Weise ausnutzten, hat’s unterm Strich vielleicht doch gepasst. 16,5 Millionen Dollar brachten die Pässe ein, und wenn -angenommen – nur 1/3 der Kunden auch eine Begleitkarte erworben haben, sind das nochmals 3,3 Mio $. Wird im Jahr 1987 also eine gute Finanzspritze gewesen sein. Natürlich ist es aber lächerlich dann für hunderte oder gar tausende Flüge Plätze zu reservieren und diese dann nicht zu nutzen. Das ist dann ganz klar geschäftsschädigendes Verhalten gegenüber der Airline.

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