Saab 340B (Foto: Bahnfrend).
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Australische Regierung erwägt Übernahme von Rex Airlines

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Die australische Regierung unter Premierminister Anthony Albanese steht möglicherweise vor einer bedeutenden Entscheidung: Die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Rex Airlines wird als letzte Möglichkeit zur Rettung des finanziell angeschlagenen Regionalfluggesellschaft in Erwägung gezogen. Sollte Rex den Betrieb einstellen, wären zahlreiche ländliche Gemeinden in Australien weitgehend von der Luftverkehrsanbindung abgeschnitten.

Rex Airlines geriet im Juli 2024 in die Insolvenz, nachdem der Versuch, mit größeren Wettbewerbern wie Qantas, Jetstar und Virgin Australia auf den Hauptstrecken zwischen den australischen Metropolen zu konkurrieren, gescheitert war. Die Einführung einer kleinen Flotte von Boeing 787-800 zur Bedienung dieser Strecken stellte sich als Fehlkalkulation heraus. Nach dem Eintritt in die Insolvenzverwaltung wurden die Jets abgegeben, und die Fluggesellschaft verfügt nun nur noch über 58 Saab SF340 Turboprops, die überwiegend regionale Verbindungen bedienen.

Trotz intensiver Bemühungen der Insolvenzverwalter, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, blieb der erste Verkaufsversuch Ende 2024 erfolglos. Die Regierung erklärte nun, mit verbliebenen Interessenten an möglichen Unterstützungsmaßnahmen zu arbeiten, um die Verkaufschancen zu maximieren. Sollte sich dennoch kein Käufer finden, werde man eine staatliche Übernahme in Betracht ziehen.

Sicherung regionaler Verbindungen als vorrangiges Ziel

Das Hauptanliegen der Regierung ist es, die Erreichbarkeit abgelegener Regionen sicherzustellen. Eine mögliche Unterstützung der Fluggesellschaft durch den Staat soll daher an Bedingungen geknüpft werden. Ein potenzieller Käufer müßte garantieren, weiterhin ein „angemessenes Maß an Dienstleistungen“ für ländliche und abgelegene Gemeinden anzubieten. Zudem betont die Regierung, daß jegliche finanzielle Hilfe dem Steuerzahler gegenüber gerechtfertigt sein müsse und daß von einem Käufer solides Management und verantwortungsvolle Unternehmensführung erwartet werde.

Ein Regierungssprecher erklärte gegenüber der Zeitung The Conversation, daß derzeit geprüft werde, wie eine staatliche Übernahme praktisch umgesetzt werden könnte, falls sich kein privater Käufer findet.

Bereits geleistete Unterstützung und staatliche Eingriffe

Die australische Regierung hat Rex Airlines bereits mit mehreren Maßnahmen gestützt. Eine wesentliche Entscheidung war die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für die sogenannten „Use-it-or-lose-it“-Regeln bezüglich der Zeitnischen (Slots) am Flughafen Sydney. Normalerweise müssen Fluggesellschaften eine Mindestanzahl an Starts und Landungen auf ihren Slots durchführen, um diese nicht zu verlieren. Für Rex wurde diese Regel bis Oktober 2026 ausgesetzt, wodurch die Gesellschaft ihre regionalen Verbindungen von Sydney aus weiterführen kann.

Zusätzlich erhielt das Unternehmen staatliche Finanzhilfen in Höhe von 80 Millionen Australischen Dollar (50,4 Millionen US-Dollar) als Darlehen, um den Betrieb der Regionalflüge bis Juni 2025 zu sichern. Zudem übernahm der Staat Schulden in Höhe von 50 Millionen Australischen Dollar (31,5 Millionen US-Dollar) von Rex‘ größtem Gläubiger PAGAC Regulus Holdings Limited. Damit ist die australische Regierung faktisch zum größten Gläubiger der Fluggesellschaft geworden.

Bedeutung für regionale Gemeinschaften

Premierminister Anthony Albanese bekräftigte in einer Erklärung, daß die Regierung alles unternehmen werde, um sicherzustellen, daß Flugdienste in abgelegene Regionen auch nach Juni 2025 erhalten bleiben. Verkehrsministerin Catherine King betonte, daß der Staat eingreifen müsse, wenn der Markt nicht mehr funktioniere und Regionen andernfalls von wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Verbindungen abgeschnitten würden.

„Wenn Märkte versagen oder es nicht schaffen, Dienstleistungen für ländliche Gemeinschaften bereitzustellen, muß die Regierung eingreifen, um sicherzustellen, daß die Menschen nicht von Chancen, Bildung und wichtigen Verbindungen ausgeschlossen werden“, so King.

Die letzte staatliche Beteiligung an einer australischen Fluggesellschaft liegt mehr als drei Jahrzehnte zurück. Die Regierung verkaufte ihre letzten Anteile an der Nationalfluglinie Qantas im August 1992. Sollte der Staat nun Anteile an Rex übernehmen, wäre dies eine bedeutende Kehrtwende in der australischen Luftfahrtpolitik. Dennoch könnte dieser Schritt notwendig sein, um sicherzustellen, daß viele abgelegene Gemeinden weiterhin Zugang zu wichtigen Verkehrsverbindungen haben.

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