Gepäckstücke in einem Terminal (Foto: Pixabay).
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Streit um verlorenes Gepäck eskaliert: Air Canada verklagt Passagier

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Ein Streit um verlorenes Gepäck hat sich zu einem ungewöhnlichen Rechtsfall entwickelt: Air Canada hat einen Passagier verklagt, nachdem dieser eine Entschädigung für verspätetes Gepäck erhalten hatte. Der Fall wirft Fragen nach den Rechten von Fluggästen und den Pflichten von Fluggesellschaften auf und beleuchtet die Komplexität von Gepäckansprüchen.

Im Jahr 2022 flogen Alaa Tannous und seine Frau mit Air Canada von Toronto nach Vancouver. Bei ihrer Ankunft fehlte ihr aufgegebener Koffer. Nachdem ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft dem Paar mitgeteilt hatte, dass der Verbleib des Koffers unbekannt sei, und sie aufgefordert hatte, notwendige Gegenstände in „angemessenem Umfang“ zu ersetzen, kauften sie für 3.435 Dollar Ersatzkleidung und andere Artikel. Am nächsten Morgen wurde der Koffer zugestellt.

Air Canada bot dem Paar daraufhin eine Entschädigung von 250 Dollar an, was Tannous ablehnte. Er reichte stattdessen eine Beschwerde bei der Canadian Transportation Agency (CTA) ein. Die CTA entschied 2024, dass Air Canada dem Paar 2.079 Dollar für verspätetes Gepäck zahlen müsse. Tannous zeigte sich mit dem Urteil zufrieden.

Doch die Freude währte nicht lange. An Heiligabend 2024 erhielt Tannous eine Klage von Air Canada, die das CTA-Urteil vor dem Bundesgericht anfechten wollte. In Kanada können sowohl Passagiere als auch Fluggesellschaften CTA-Entscheidungen vor Gericht anfechten. Dies ist jedoch unüblich, und einige Passagiere und Konsumentenschützer fordern eine Reform des Beschwerdesystems, um zu vermeiden, dass Passagiere in Rechtsstreitigkeiten verwickelt werden.

Air Canada argumentiert, dass Tannous keine ausreichenden Beweise für die Höhe der Ausgaben für Ersatzgegenstände vorgelegt habe. So habe er unter anderem Laufschuhe für Damen gekauft, nachdem der Koffer bereits zugestellt worden war, und zwei Tage nach Erhalt des ursprünglichen Gepäcks einen neuen, monogrammierten Koffer für 1.310 Dollar erworben. Tannous verteidigt sich, indem er erklärt, die Laufschuhe gekauft zu haben, als er noch davon ausging, dass der Koffer verloren sei, und den neuen Koffer für den Transport der Ersatzgegenstände benötigt zu haben. Er betont, dass die von der CTA zugesprochene Summe lediglich die Kosten für die Ersatzgegenstände, nicht aber für den neuen Koffer decke.

Der Fall ist noch vor Gericht. Tannous möchte mit seiner Geschichte die öffentliche Meinung beeinflussen. Dies ist nicht der erste Fall dieser Art in Kanada. Fluggesellschaften haben in diesem Jahr bereits vier CTA-Entscheidungen vor Gericht angefochten, wobei Air Canada in zwei Fällen beteiligt war. Auch international kommt es zu ähnlichen Auseinandersetzungen. So verklagte Ryanair einen Passagier auf über 15.000 Dollar wegen ungebührlichen Verhaltens, das zu einer Flugumleitung geführt hatte.

Air Canada hat zudem in der Kritik gestanden, da sie laut einer Analyse von Tripadvisor-Bewertungen von Slotozilla die schlechteste Fluggesellschaft in Nordamerika in Bezug auf verlorenes Gepäck ist. 6,18 % der Bewertungen erwähnten Probleme mit verlorenem Gepäck. Air Canada und United Airlines haben jedoch kürzlich eine Funktion von Apple „Find My“ in ihre Kundenservicesysteme integriert, die es Passagieren mit AirTags ermöglicht, den Standort ihres Gepäcks mit der Fluggesellschaft zu teilen. Der Fall Tannous zeigt, dass Streitigkeiten über Gepäck komplex sein können und rechtliche Auseinandersetzungen mit sich bringen können. Er unterstreicht die Notwendigkeit klarer Richtlinien und einer fairen Behandlung von Passagieren in solchen Situationen.

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