Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss will ihr Wachstum im laufenden Jahr deutlich zurückfahren. Im Vergleich zum Vorjahr plant die Lufthansa-Tochter, das Sitzkilometerwachstum auf nur fünf Prozent zu begrenzen. Dieser Schritt stellt eine drastische Reduktion im Wachstumskurs der Airline dar, die sich im vergangenen Jahr noch ein ambitionierteres Ziel gesetzt hatte. Der Fokus für 2025 liegt weniger auf einer weiteren Expansion des Streckennetzes, sondern vielmehr auf der Verbesserung der Servicequalität und Pünktlichkeit. CEO Jens Fehlinger betonte, dass der Airline insbesondere die steigende Komplexität und die sinkende Servicequalität der vergangenen Jahre Sorgen bereiteten.
„Wir wollen nicht mehr Wachstum generieren, als das Luftverkehrssystem verträgt“, erklärte Fehlinger in einem Interview mit dem Schweizer Nachrichtenportal „Travelnews“. Dieses zurückhaltende Wachstum sei notwendig, um die Qualität des Services auf einem hohen Niveau zu halten. Im vergangenen Jahr hatte Swiss von einem aggressiveren Wachstum profitiert, was jedoch Auswirkungen auf die pünktliche Abwicklung der Flüge und den allgemeinen Kundenservice hatte. Fehlinger hob hervor, dass die Servicequalität und die Pünktlichkeitsrate im Jahr 2024 unter dem Druck des hohen Wachstums gelitten hätten, was zu einer sinkenden Kundenzufriedenheit führte.
Das Pünktlichkeitsziel von 70 Prozent, das im vergangenen Jahr bei nur 65 Prozent lag, soll 2025 nun wieder erreicht werden. Langfristig strebt die Airline sogar eine Pünktlichkeitsrate von 80 Prozent an, was ein deutlich ehrgeizigeres Ziel ist. Ein solches Ziel ist jedoch nur mit einer stabileren und nachhaltigeren Wachstumsstrategie zu erreichen, die es Swiss ermöglicht, den Betrieb effizienter zu gestalten und die Qualität auf einem hohen Niveau zu halten.
Flottenplanung: Fokus auf Langstrecke und A350
Ein weiterer wichtiger Aspekt der reduzierten Wachstumsstrategie betrifft die Flottenplanung der Airline. Im Hinblick auf den Flugzeugbestand und die Fahrzeugbereitstellung hat Swiss beschlossen, die Nutzung von Wet-Lease-Verträgen mit externen Partnern zu minimieren. Wet-Lease bedeutet, dass Swiss Flugzeuge von anderen Fluggesellschaften anmietet, die dann unter dem Namen der Airline fliegen. Derzeit wird Swiss auf sechs A220-300 von Air Baltic zurückgreifen, um Nachfragespitzen, insbesondere im Sommer, abdecken zu können. Obwohl Swiss von den Vorteilen dieser Partnerschaft profitiert, etwa durch flexiblere Kapazitäten, erklärte Fehlinger, dass man sich langfristig aus solchen Wet-Lease-Vereinbarungen zurückziehen wolle, da diese nicht optimal mit der Marke Swiss vereinbar seien.
Trotzdem bleibt der Wet-Lease-Bereich für die Airline von Bedeutung, da die Nutzung von externen Flugzeugen für saisonale Spitzenzeiten unerlässlich ist. Besonders in einem Jahr mit unvorhersehbaren Reisebewegungen und Nachfrageverschiebungen sei es wichtig, auf externe Partner zurückzugreifen, um flexibel zu bleiben.
Ein weiteres zentrales Element in der Flottenplanung von Swiss ist der Einsatz von Airbus A350-900, einem modernen Langstreckenflugzeug. Die erste von zehn A350-Maschinen soll im September 2025 in den Dienst der Airline gestellt werden. Bis Ende 2027 plant Swiss, insgesamt fünf A350 in ihre Flotte zu integrieren. Diese Maschinen sollen sukzessive die alten Airbus A340-300 ersetzen, die derzeit auf Langstreckenflügen eingesetzt werden. Die A350-900 gilt als besonders effizient und umweltfreundlich, was im Hinblick auf den interkontinentalen Verkehr eine wichtige Rolle spielt. Die restlichen fünf A350 sollen bis 2031 zur Flotte stoßen und langfristig die älteren A340 ablösen.
Aktuell nutzt Swiss auf der Langstrecke vor allem die Boeing 777. Die Umstellung auf den Airbus A350-900 zeigt die zunehmende Neuausrichtung der Airline, die künftig auf eine modernere und effizientere Flugzeugflotte setzen möchte. Dabei ist die A350 besonders aufgrund ihrer fortschrittlichen Technologien und der geringen Betriebskosten für Langstreckenflüge attraktiv.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Entscheidung von Swiss, das Wachstum zu bremsen, ist Teil einer breiteren Strategie der Lufthansa Group, die sich in den letzten Jahren verstärkt auf Stabilität und langfristige Qualität statt auf rasches Wachstum konzentriert. Diese Entscheidung könnte im Kontext der sich stetig verändernden Marktbedingungen und der anhaltenden Unsicherheiten durch globale Krisen wie die COVID-19-Pandemie und die geopolitischen Spannungen eine gewisse Vorsicht widerspiegeln.
Für die Fluggesellschaft bedeutet diese Strategie jedoch nicht nur eine Reduktion des Wachstums, sondern auch eine Umstellung der operativen Abläufe. Die Airline muss sowohl in der Flugzeugflotte als auch im Servicebereich effizienter arbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die kontinuierliche Investition in neue Flugzeuge wie die A350 und die Reduzierung der Abhängigkeit von Wet-Lease-Verträgen zielen darauf ab, Swiss auf längere Sicht zu stabilisieren und ihre Position als führende Fluggesellschaft im europäischen Markt zu festigen.
Dennoch bleibt abzuwarten, wie die Passagiere auf die reduzierte Wachstumsstrategie reagieren werden. Für viele Kunden, die an die schnelle Expansion und die Vielzahl an Verbindungen gewöhnt sind, könnte der Kurswechsel möglicherweise weniger Optionen bedeuten, vor allem auf den kürzeren Strecken. Swiss wird jedoch darauf achten müssen, dass auch mit einem reduzierten Wachstum die Nachfrage in den wichtigen Märkten gedeckt wird, um die Marktstellung nicht zu gefährden.
Insgesamt zeigt die Entscheidung von Swiss, das Wachstum zu verlangsamen, dass die Airline auf die sich ändernden Rahmenbedingungen im globalen Luftverkehr reagiert und sich zunehmend auf die Optimierung der eigenen operativen Abläufe konzentriert, anstatt in einem wettbewerbsintensiven Markt weiter zu expandieren.