Boeing 737 (Foto: Hans Dorries/Unsplash).
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Midway: Boeing 737-800 entgeht knapp einem Zusammenstoß mit Challenger 350

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Am Chicago Midway International Airport kam es zu einem dramatischen Vorfall, der eine potenziell katastrophale Kollision zwischen einer Boeing 737-800 von Southwest Airlines und einer Bombardier Challenger 350 des Betreibers FlexJet verhinderte. Der Vorfall, der in der Luftfahrtbranche für Aufsehen sorgt, wurde von den Piloten der Boeing durch einen sogenannten „Go-Around“ – also einem Durchstarten – in letzter Sekunde abgewendet. Der Vorfall wird nun von der US-Flugunfallstelle National Transportation Safety Board (NTSB) und der Federal Aviation Administration (FAA) untersucht.

Am Nachmittag des betreffenden Tages befand sich die Southwest Airlines Boeing 737-800 mit der Flugnummer 2504 auf dem Weg zur Landung auf der Piste 31C des Flughafens Chicago Midway. Gleichzeitig war die Challenger 350 von FlexJet unterwegs auf der Rollbahn in Richtung einer anderen Startbahn. Doch plötzlich geschah das Unvorstellbare: Die Bombardier Challenger 350 rollte auf die Landebahn 31C, während die Boeing 737-800 in den Landeanflug ging. Die Piloten der Boeing erkannten die drohende Gefahr und führten einen Durchstart manuell durch, um einen möglichen Zusammenstoß zu verhindern. Das Manöver gelang, und die Maschine der Southwest Airlines konnte in Sicherheit durchstarten.

Ein Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen dem Tower und den beteiligten Flugzeugen gibt aufschlussreiche Hinweise darauf, was zu dem Vorfall geführt haben könnte. Dabei war es offenbar zu Missverständnissen bei der Kommunikation zwischen den Piloten der Challenger 350 und der Flugsicherung gekommen. Ursprünglich war der FlexJet-Jet mit der Anweisung versehen worden, vor der Landebahn 31C zu halten. Doch die Piloten scheinen diese Anweisung nicht korrekt erfasst zu haben, was dazu führte, dass der Jet weiter in den Bereich der Landebahn rollte, wo sich die Boeing 737-800 bereits auf dem Endanflug befand.

Der Funkverkehr: Eine kritische Kommunikation

Laut dem Mitschnitt des Funkverkehrs erging an die Challenger 350 die klare Anweisung, an der Piste 31C zu halten und vor der Mittelbahn (Runway 31 Center) zu stoppen. Jedoch kam es zu einer Verwirrung, als die Piloten von FlexJet die Anweisung nicht korrekt wiederholten. Während der Tower ihnen zunächst sagte: „Kreuzen Sie Runway 31 Left und halten Sie vor Runway 31 Center“, gaben die Piloten von FlexJet eine falsche Bestätigung und wiederholten eine abweichende Anweisung. Die Flugsicherung wiederholte daraufhin die Aufforderung, dass die Challenger 350 exakt an der richtigen Stelle halten müsse, bevor es zu weiteren Konflikten kommen könnte. Doch die Piloten des Jets schienen die wiederholte Anweisung nicht vollständig zu verstehen, und rollten weiter, was die Kollision mit der Boeing fast zur Folge hatte.

„FlexJet 560, halten Sie! FlexJet 560!“, rief der Tower daraufhin mit dringlichem Ton, doch es war bereits zu spät. In diesem Moment war die Southwest Boeing 737-800 bereits so nahe, dass das einzige rettende Manöver ein Durchstarten war, um eine Kollision zu verhindern. Der Tower stellte nach dem Vorfall klar, dass die FlexJet-Maschine ihre Anweisungen nicht korrekt befolgt hatte und eine ernste Gefahr für den Flugverkehr darstellte.

Eine Reihe von Beinahe-Unfällen

Der Vorfall am Chicago Midway Airport reiht sich ein in eine Serie von Beinahe-Unfällen und -Kollisionen, die in den letzten Monaten immer wieder Schlagzeilen gemacht haben. Laut Berichten der FAA und NTSB haben sich in den letzten Jahren die Vorfälle, bei denen Flugzeuge knapp einer Kollision entkommen sind, gehäuft. Diese Entwicklung hat zu einem erhöhten Sicherheitsbewusstsein in der Luftfahrtbranche geführt, da viele Experten auf die Bedeutung einer präzisen und schnellen Kommunikation zwischen den Piloten und der Flugsicherung hinweisen. Besonders bei dichtem Flugverkehr, wie er an großen internationalen Flughäfen wie Chicago Midway üblich ist, kann eine Verzögerung oder ein Missverständnis fatale Folgen haben.

Die Ermittlungen des NTSB und der FAA werden sich nun auf die genauen Ursachen des Vorfalls konzentrieren, insbesondere auf die Rolle der Kommunikation und der möglichen Missverständnisse im Funkverkehr. Es wird geprüft, ob die Piloten der FlexJet Challenger 350 alle relevanten Anweisungen der Flugsicherung korrekt erfasst und umgesetzt haben, und ob es Systemfehler in der Kommunikation zwischen Tower und Flugzeug gegeben hat. Auch wird geprüft, ob die beteiligten Piloten die Situation zu einem früheren Zeitpunkt hätten erkennen können, um ein Durchstarten der Boeing 737 zu verhindern.

Reaktionen von Behörden und Experten

US-Verkehrsminister Sean Duffy äußerte sich zu dem Vorfall und betonte die Notwendigkeit, dass Piloten sämtliche Anweisungen der Flugsicherung stets exakt befolgen. „Es ist unerlässlich, dass Piloten die Anweisungen der Flugsicherung beachten, um solche gefährlichen Situationen zu vermeiden. Wenn diese Grundregeln missachtet werden, müssen die Konsequenzen für die Piloten und die Fluggesellschaften deutlich werden“, erklärte Duffy auf der Plattform „X“ (ehemals Twitter).

Luftfahrtexperten und Sicherheitsanalysten wiesen darauf hin, dass die durchgeführten „Go-Around“-Manöver in vielen Fällen Leben retten können. Gleichzeitig wurde jedoch auch betont, dass diese Manöver nur in extremen Situationen zum Einsatz kommen sollten, da sie zusätzlichen Stress und Risiko für den Flugverkehr mit sich bringen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Vorfall zu einer Neubewertung der Kommunikations- und Sicherheitsstandards an Flughäfen weltweit führen wird.

Ein weiterer Wendepunkt in der Luftfahrt

Der Beinahe-Unfall am Chicago Midway Airport verdeutlicht einmal mehr die Bedeutung einer präzisen und effizienten Kommunikation zwischen Piloten und der Flugsicherung. Besonders in einem so komplexen und gefährlichen Bereich wie dem internationalen Luftverkehr sind selbst kleinste Missverständnisse mit potenziell verheerenden Folgen verbunden.

Der Vorfall stellt jedoch auch einen Wendepunkt dar, an dem sowohl Fluggesellschaften als auch Luftfahrtbehörden ihre Sicherheitsstandards und Kommunikationsprozesse möglicherweise neu überdenken müssen, um künftige Beinahe-Unfälle zu vermeiden.

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