Die französische Fluggesellschaft Air France wird im Sommer 2025 überraschend ihre Flugfrequenzen auf den Verbindungen von Paris Charles-de-Gaulle nach Boston und Atlanta reduzieren. Diese Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Sommermonate üblicherweise die höchste Nachfrage im internationalen Flugverkehr erleben.
Doch hinter dieser Maßnahme steckt eine durchdachte Strategie, die mit der Partnerschaft von Air France mit Delta Air Lines und deren Netzwerkverbindungen zusammenhängt. Die Einsparungen bei den Flugfrequenzen werfen Fragen auf, welche langfristigen Ziele die Fluggesellschaft verfolgt und welche Auswirkungen diese auf die Reisenden haben könnten.
Rückgang der Flugfrequenzen nach Atlanta
Bereits ab dem 31. März 2025 wird Air France die Zahl ihrer wöchentlichen Flüge zwischen Paris Charles-de-Gaulle und Atlanta um drei auf insgesamt 18 reduzieren. Zuvor betrug die Anzahl der Flüge 21 pro Woche. Diese Maßnahme wird sich von Mai bis Juni sowie im Zeitraum zwischen dem 1. Juli und dem 31. August weiter verstärken, da Air France ab dann nur noch 17 Flüge pro Woche zwischen den beiden Städten anbieten wird.
Im Sommer 2025 wird die französische Fluggesellschaft dennoch weiterhin ihre Boeing 777-200ER und -300ER auf der Strecke zwischen Paris und Atlanta einsetzen. Diese Flugzeuge bieten mit einer Kapazität von bis zu 472 Sitzplätzen weit mehr Platz als die anderen Langstreckenflugzeuge von Air France, wie etwa die Boeing 787-9. Trotz der Reduktion der Flugfrequenzen bleibt die Airline mit der Wahl dieser Flugzeugtypen flexibel und kann die verbleibenden Flüge mit hoher Kapazität abwickeln.
Für Passagiere, die auf der Strecke nach Atlanta fliegen möchten, bedeutet dies möglicherweise weniger Optionen, jedoch nicht zwangsläufig einen dramatischen Rückgang der verfügbaren Plätze. In den Sommermonaten, in denen die Nachfrage nach Flügen in die Vereinigten Staaten traditionell hoch ist, könnte die reduzierte Frequenz für einige Reisende unangenehm sein. Doch die Ursache für diese Entscheidung könnte tiefer liegen und mit den strategischen Partnerschaften und Netzwerkanpassungen von Air France zu tun haben.
Reduzierung der Flüge nach Boston
Ein ähnliches Szenario zeichnet sich auch auf der Strecke von Paris nach Boston ab. Ab dem 2. Juni bis zum 30. August 2025 wird Air France ihre Flugfrequenzen auf dieser Verbindung um drei Flüge pro Woche kürzen. Damit sinkt die Gesamtzahl der wöchentlichen Flüge auf 14. Die Flüge nach Boston, die derzeit mit Airbus A350-900 durchgeführt werden, bieten Platz für bis zu 324 Passagiere, abhängig von der Kabinenkonfiguration des jeweiligen Flugzeugs. Mit der Reduzierung der Flüge wird das Sitzplatzangebot auf der Strecke von etwa 5.300 auf rund 4.600 Plätze pro Woche sinken.
Dass Air France eine wichtige Verbindung in den Sommermonaten zurückfährt, überrascht, da diese Zeit üblicherweise die profitabelste für Fluggesellschaften darstellt. Die Frage nach den Gründen für diese Entscheidung wird vor dem Hintergrund einer strategischen Partnerschaft zwischen Air France und der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines zunehmend relevanter.
Partnerschaft mit Delta Air Lines als Schlüsselfaktor
Air France und Delta gehören beide der SkyTeam-Allianz an, was die Möglichkeit eröffnet, Fluggäste von einer Airline zur anderen umzuleiten. Delta betreibt von ihrem Hauptdrehkreuz in Atlanta zahlreiche internationale Flüge, auch nach Paris. Air France scheint nun ihre Flüge nach Atlanta und Boston zu reduzieren, um den Passagieren eine nahtlose Verbindung zu Delta-Flügen nach Europa zu ermöglichen.
Dieses Vorgehen ist nicht ungewöhnlich: Airlines innerhalb einer Allianz tauschen regelmäßig Kapazitäten aus, um den Passagieren eine größere Auswahl an Flügen zu bieten, ohne die Flugfrequenzen der jeweiligen Fluggesellschaft selbst signifikant zu erhöhen. Passagiere, die ursprünglich mit Air France von Paris nach Atlanta fliegen möchten, könnten nun auf Flüge von Delta nach Europa umgebucht werden, was es der französischen Fluggesellschaft ermöglicht, ihre Langstreckenflugzeuge auf andere, weniger bediente Strecken umzuleiten. Dies könnte zur Steigerung der Kapazität auf anderen, profitableren Routen führen.
Zukünftige Expansion von Air France in Nordamerika
Trotz der Kürzungen auf den Strecken nach Atlanta und Boston zeigt Air France weiterhin ein starkes Engagement auf dem nordamerikanischen Markt. So hat die Airline angekündigt, ihre Dienste nach Phoenix und Orlando ab Ende 2024 auszuweiten. Insbesondere die Erhöhung der Frequenzen nach Phoenix wurde aufgrund der gestiegenen Nachfrage beschlossen. Auch für Denver sind im Laufe des Jahres 2025 fünf wöchentliche Flüge geplant, was die Bedeutung des nordamerikanischen Marktes für Air France unterstreicht.
Diese Expansion auf anderen Nordamerika-Routen könnte in direktem Zusammenhang mit der restrukturierten Flugplanung auf den Strecken nach Boston und Atlanta stehen. Durch die Reduktion der Frequenzen in diesen beiden Märkten möchte Air France möglicherweise Kapazitäten freisetzen, die für die Expansion und die Anpassung an neue Nachfragetrends auf anderen Strecken genutzt werden können.
Die Kürzung der Flüge von Air France nach Boston und Atlanta im Sommer 2025 ist nicht das Resultat einer generellen Schwäche oder eines sinkenden Interesses an den Vereinigten Staaten als Zielregion, sondern eine kalkulierte Maßnahme im Rahmen einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung. Durch die stärkere Zusammenarbeit mit Delta Air Lines und die Umleitung von Passagieren auf Delta-Flüge in Europa versucht Air France, ihre Ressourcen optimal einzusetzen und Kapazitäten für neue, wachstumsstarke Strecken zu schaffen. Reisende müssen sich auf reduzierte Flugfrequenzen auf diesen Strecken einstellen, können jedoch darauf hoffen, dass die strategischen Anpassungen langfristig zu einer besseren Gesamtverfügbarkeit auf anderen Verbindungen führen könnten.