Euromünzen (Foto: Roman Wimmers/Unsplash).
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Europäische Regionalflughäfen in Gefahr: Debatte um staatliche Beihilfen spitzt sich zu

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Die wirtschaftliche Zukunft vieler kleiner und mittelgroßer Flughäfen in Europa steht auf dem Spiel. Die derzeit geltenden Beihilferichtlinien der Europäischen Union, die es ermöglichen, den Betrieb regionaler Flughäfen mit weniger als drei Millionen Passagieren pro Jahr finanziell zu unterstützen, sollen ab 2027 auslaufen. Dies könnte weitreichende Folgen für die Erreichbarkeit vieler Regionen sowie für die wirtschaftliche Entwicklung haben. Der europäische Flughafenverband ACI Europe hat daher in einer Stellungnahme an die Europäische Kommission gefordert, diese Subventionen weiterhin zu ermöglichen.

Regionale Flughäfen sind eine wesentliche Säule der europäischen Verkehrsinfrastruktur. Sie verbinden abgelegene Gebiete mit nationalen und internationalen Wirtschaftszentren, fördern den Tourismus und ermöglichen Geschäftsreisen. Gerade in Ländern mit großen ländlichen Regionen, wie Frankreich, Spanien oder Skandinavien, sind sie oft die einzige schnelle Verbindung zur Außenwelt.

Doch wirtschaftlich gesehen stehen viele dieser Flughäfen unter Druck. Die Betriebskosten eines Flughafens bleiben weitgehend konstant, unabhängig von der Anzahl der Passagiere. Während große Flughäfen von Skaleneffekten profitieren und hohe Einnahmen durch Gebühren und Einzelhandelsflächen generieren, fehlen diese Möglichkeiten kleineren Flughäfen oft. Dies führt dazu, dass viele ohne staatliche Unterstützung nicht profitabel betrieben werden können.

Die Auswirkungen des Wegfalls der Betriebshilfen

Sollte die EU die Subventionen für Flughäfen mit weniger als drei Millionen Passagieren pro Jahr streichen, könnte dies drastische Konsequenzen haben. Vor allem ländliche Gebiete und strukturschwache Regionen wären betroffen. Viele dieser Flughäfen sind stark auf Billigfluggesellschaften angewiesen, die jedoch unter steigenden Kosten leiden und sich zurückziehen könnten. Ein Rückgang der Flugverbindungen hätte nicht nur negative wirtschaftliche Folgen für die jeweiligen Regionen, sondern könnte auch zu einer verstärkten Landflucht und wirtschaftlichen Abkopplung führen.

Laut ACI Europe sind die Folgen bereits absehbar: Ein signifikanter Anteil der kleineren Flughäfen verzeichnet immer noch deutliche Passagierrückgänge im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. Während größere Flughäfen sich weitgehend erholt haben, liegen die Passagierzahlen an kleineren Flughäfen noch immer um rund 34,5 Prozent unter den Werten von 2019. Dies macht deutlich, dass die wirtschaftliche Erholung für diese Standorte besonders schwierig ist.

Argumente für eine Verlängerung der Beihilfen

ACI Europe argumentiert, dass der Fortbestand der finanziellen Unterstützung für kleine Flughäfen nicht nur gerechtfertigt, sondern wirtschaftlich notwendig sei. Die Organisation verweist auf eine Analyse, die einen direkten Zusammenhang zwischen Luftverkehrsanbindung und Wirtschaftswachstum zeigt. Eine Erhöhung der direkten Flugverbindungen um zehn Prozent könne demnach zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf um 0,5 Prozent führen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wettbewerbsfähigkeit der EU. Der jüngst veröffentlichte Bericht von Mario Draghi über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Europas macht deutlich, dass die europäische Wirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Da die europäische Erwerbsbevölkerung in den kommenden Jahren schrumpfen wird, müsse Produktivität das Wachstum antreiben. Eine funktionierende Infrastruktur sei daher essenziell, um wirtschaftliche Entwicklung zu sichern – und dazu gehöre auch die Luftfahrt.

Die Gegenseite: Forderung nach effizienterem Einsatz öffentlicher Mittel

Die Diskussion über staatliche Beihilfen ist in der EU stets kontrovers. Kritiker argumentieren, dass Subventionen ineffizient seien und Marktverzerrungen schaffen könnten. Die Beihilferichtlinien der EU sehen grundsätzlich vor, dass Unternehmen und Infrastrukturen langfristig wirtschaftlich tragfähig sein sollten, ohne auf permanente Unterstützung angewiesen zu sein.

Einige Experten fordern daher eine Anpassung der Fördergrenzen. So wird diskutiert, ob Flughäfen mit bis zu drei Millionen Passagieren weiterhin Unterstützung erhalten sollten oder ob die Schwelle auf eine Million Passagiere gesenkt werden könnte. Eine solche Maßnahme könnte dazu führen, dass einige kleinere Flughäfen weiter staatliche Hilfen erhalten, während mittelgroße Standorte ihre Wirtschaftlichkeit selbstständig sichern müssten.

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