Die Europäische Kommission hat Ende 2023 einen Reformprozess zur Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie eingeleitet. Ziel der Novellierung sollte es sein, den Schutz von Pauschalreisenden zu verbessern und gleichzeitig die bestehenden Regelungen zu vereinfachen.
Doch der nun vorliegende Entwurf stößt auf heftige Kritik aus der Reise- und Hotelbranche. Vertreter dieser Wirtschaftsbereiche warnen vor einer massiven Ausweitung des Pauschalreisebegriffs, die zu einer erheblichen Erhöhung der bürokratischen Belastung für Unternehmen führen könnte.
Neue Definition der Pauschalreise sorgt für Verunsicherung
Besonders kontrovers diskutiert wird die geplante neue Definition der Pauschalreise. Nach dem Entwurf des Europäischen Parlaments soll künftig bereits dann eine Pauschalreise vorliegen, wenn zwei Reiseleistungen innerhalb von 72 Stunden gebucht werden. Die Branche sieht hierin ein schwerwiegendes Problem.
Gregor Kadanka, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), warnt: „Diese Regelung macht es für Konsumenten und Unternehmen extrem schwierig festzustellen, was genau gebucht wurde und welche Rechte und Pflichten daraus entstehen.“ Eine derartige Definition könnte dazu führen, dass selbst unabhängig voneinander gebuchte Leistungen nachträglich zu einer Pauschalreise erklärt würden – mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Auch Johann Spreitzhofer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der WKÖ, äußert scharfe Kritik. Hoteliers müssten künftig alle Buchungen innerhalb eines 72-Stunden-Zeitraums überwachen, um festzustellen, ob aus Einzelleistungen eine Pauschalreise entstehe. Dies wäre in der Praxis kaum umsetzbar und würde zu erheblichem administrativem Mehraufwand führen, ohne den Gästen einen erkennbaren Nutzen zu bieten.
Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit der Pauschalreise
Ein zentrales Anliegen der Branche ist die Wettbewerbsfähigkeit der Pauschalreise. Der Anteil an Pauschalreisen an den gesamten Reisebuchungen innerhalb der EU ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Während er im Jahr 2013 noch bei 40 Prozent lag, beträgt er heute weniger als 15 Prozent.
Für die Tourismuswirtschaft ist dies ein alarmierender Trend. Pauschalreisen bieten den Reisenden bereits jetzt ein hohes Maß an Sicherheit, da sie umfassenden Schutz bei Stornierungen, Insolvenzen und anderen Problemen bieten. Wenn jedoch durch zusätzliche Regelungen der bürokratische Aufwand weiter steigt, könnte dieses Reiseformat zunehmend unattraktiv werden.
„Die EU-Kommission und das Europäische Parlament sollten nicht ein Produkt, das an sich bereits umfassenden Schutz bietet, durch weitere, noch restriktivere Gesetzgebung zerstören“, mahnt Kadanka.
Branche fordert praxisnahe Lösungen
Die Reise- und Hotelbranche setzt sich für eine praxisnahe Reform ein, die eine Balance zwischen Verbraucherschutz und wirtschaftlicher Machbarkeit herstellt. Dabei sollten bestehende Unklarheiten beseitigt und gleichzeitig unnötige Zusatzbelastungen vermieden werden.
In den Diskussionen auf EU-Ebene zeigen sich bislang unterschiedliche Haltungen. Während die Mitgliedstaaten im Rat die offensichtlichen Schwächen des Kommissionsentwurfs erkannt haben und für ausgewogenere Regelungen plädieren, scheint das Europäische Parlament die Bedenken der Branche weitgehend zu ignorieren.
Spreitzhofer fordert abschließend: „Die Hotellerie darf nicht durch neue, komplexe Regelungen belastet werden, die keinen erkennbaren Mehrwert für den Hotelgast bringen.“
Ob die Kritik aus der Branche Gehör findet, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die geplante Reform die Reisebranche erheblich verändern könnte – mit potenziell weitreichenden Folgen für Unternehmen und Reisende gleichermaßen.